01.07.2010

Inszenierung

Kennt jemand den Film 'Der Manchurian Kandidat'? Es geht um politische Manipulation. Eine sehr gewagte und fast kaum zu glaubende Geschichte, die aber vielleicht schon immer so oder so ähnlich läuft ... Das Folgende hat damit gar nichts zu tun, es soll nur aufzeigen, dass die menschliche Phantasie manchmal gar nicht ausreicht, sich so etwas vorzustellen.

Angenommen ein Mister X würde sehr viele staatliche und politische Organisationen unterwandert haben, z. B. die Mitarbeiter des Deutschen Bundestages, wer könnte dann wirklich genau sagen, ob das Ergebnis einer geheimen und freien Wahl, zum Beispiel der Wahl des Bundespräsidenten, nicht manipuliert ist. Wahlbeobachter waren ja wohl nicht erwünscht, wurde doch der Antrag abgelehnt.

Wie stark könnte sich also eine Manipulation der Ergebnisse auf die politischen Lager auswirken. Wer profitiert davon? Angenommen man hätte vor der Sommerpause der politischen Institutionen eine Politik-Show ersten Ranges abziehen wollen und zeigen wollen, dass man alle Akteure manipulieren könnte. So wie man ja schon die Staatengemeinschaft durch Krisen in den letzten Jahre unter Druck setzen konnte. Jetzt mal auf der lokalen Ebene eine Show durchziehen, um auch dem Letzten zu zeigen, wo die Macht ist und wie sie eingesetzt werden kann ...

Fangen wir einmal an zu spekulieren. Angenommen der letzte Bundespräsident wäre gezwungen worden, zurückzutreten. Angenommen der CDU-Führung hätte man zugesteckt, dass man sich einen Schwächung der CDU-Führungsriege wünscht, also Hessen weg, NRW weg, Niedersachsen weg und sich auch einen blassen Bundespräsidenten wünscht, dann wäre es so gekommen, wie es gerade ist. Um die Opposition auch am Führungsband zu halten, findet man einen Kandidaten, der glaubwürdig keine Chancen hat, gemeinsam als Alternative durchzukommen und der eine gute Presse bekommt, damit das Volk sich identifizieren kann. Nichts kommt ja so gut in Deutschland an, wie ein 'rechtschaffender' Underdog (BigBrother, DSDS und Schlag den Raab sei dank dafür). Und dankbar greifen die Medien diesen Umstand auf ...

Jetzt braucht man nur noch ein gutes Drehbuch für den Tag X. Zunächst wird gezeigt, was alles möglich wäre: 1. Wahlgang mit im Prinzip offenen Ergebnis. Das macht sich immer gut, denn damit kann man später verschiedenste Fiktionen entwickeln und gibt hübsche Vorlagen für "was wäre wenn"-Spielchen. Auch werden zwei weitere Manipulationsmechanismen damit wirksam und lenken damit von der Gesamtmanipulation ab: Die Abweichler zeigen die 'freie' und 'geheime' Wahlmöglichkeit dramatisch auf (damit wird suggeriert, dass es sich um freien und geheime Wahlen handelt) und das Prinzip 'Hoffnung' auf einen nicht aussichtslosen Kandidaten sowie die Denkzettel-Legende führen zur seelischen Hygiene. Solange man ja den vermeintlich Herrschenden zeigen kann, dass sie sich vor der kleinen Stimme 'fürchten' müssen, so lange ist ja unsere Demokratieverständnis in Ordnung und kaum einer denkt an Manipulation. Selbst wenn die Kandidaten und auch einige andere das durchschaut haben, wissen sie ja bereits um das eigentlich Ergebnis und spielen das Spiel mit z.B. mit betretenen Mienen. Der erste Akt ist also die symbolische Abrechnung mit den herrschenden Parteien.

Im zweiten Akt wird die Opposition in den Fokus gerückt. Kann sie sich aus der anfänglichen Ohnmacht befreien und einen anderen Ausgang organisieren? Schnell wird deutlich, dass sie sich nicht (!) bewegen wird, sondern sich lieber mit Scheinargumenten kommunikativ entblöden. Der Genuss, Verlegenheit zu bereiten, scheint scheinbar Verdienst genug zu sein.

Im dritten Akt wird mit einer kleinen Nebenbemerkung deutlich, dass die Manipulation vollständig abgewickelt wird; es wird die 'absolute' Mehrheit angestrebt. Das Vorführen dieser Variante soll den Durchdringungsgrad der Manipulateure aufzeigen. Mit dieser Desinformation (Ablenkung) soll verhindert werden, dass grenzwertige Diskussionen verdecken, dass die Manipulation nicht allumfassend und vollständig ist.

Was ist das Ergebnis?

Eine Vorführung einer Wahlinszenierung vom feinsten. Mit dem unterschwelligen Hinweis, das kann jederzeit wiederholt werden.

Eine Verdeutlichung der wirklichen Macht. Alle politischen Parteien und staatlichen Organisationen hat man in gutem Griff.

Die Frage bleibt offen, wer Mister X ist? Im Manchurian Kandidat war es die Mutterliebe. Und eine weitere Frage bleibt offen: Was verlangt ein Politiker, der das Spiel durchschaut hat, dafür, dass er es auch weiterhin mitspielt? Aber das sind ja eh nur Hingespinste und Nachtmahren ...

Wer noch mal einen Blick ins Drehbuch machen möchte, kann das hier tun.

29.01.2010

Big Brother und die wirkliche Wirklichkeit

Nein es geht hier nicht um den alltägliche Frustzoff der Bewohner. Sondern um eine Bemerkung eines Blogschreibers:

Das Logo auf dem Fernseher im Wohnbereich (darauf steht „Big Brother“) hat Eva in den ersten Tagen im Haus ziemlich irritiert. Immer wenn sie es angeschaut hat wurde ihr wieder bewusst, wo sie sich befindet. Nämlich im Big Brother-Haus. Und dass sie rund um die Uhr beobachtet wird...

Es zeigt schon auf, dass man sich als Bewohner wie als Zuschauer aus der Realität verliert, weil man irgendwann nicht mehr wirklich wahrnimmt, dass es eine Big Brother-Realität und nur ein solche gibt. Das macht zu schaffen.

Gerade erzählt der Klaus wie er zu seinem Call-Boy-Job gekommen ist. Eigentlich nichts wirklich Schlimmes. Doch schon wird ausgeblendet, wenn die Details vielleicht etwas zu heikel werden. Ich vermute, dass man dem Zuschauer nicht zu viel Realität vor Mitternacht zumuten möchte. Es könnten ja Kinder dabei sein und dann würde es ja schwierig, denen die Feinheiten des Rotlichtmilieus zu erklären (wenn man sie denn selbst weiß). Ja ist eigentlich schon seltsam, dass wir kaum mehr etwas wissen von den heiligen Tempelhuren aus dem alten Testament. Das Buch Moses 1 ist voll davon. Gehörten zum normalen Betrieb des Tempels halt dazu. Der Ort des Geschehens hat sich mittlerweile leicht verändert und auch die Einstellung zum Beruf. Also wirklich nichts Problematisches. Und auch wenn man in Big Brother feststellen darf, dass solche Menschen eigentlich ganz ok sind. Manchmal scheint es mir sogar, dass sie sogar ein wenig mehr drauf haben als die anderen, die normalen ...

Spannend ist es allemal schon, weil ein Call-Boy ja irgendwie etwas mit der Lust der Frauen zu tun hat ... wo man sich doch drauf eingestellt hat, dass es doch eigentlich immer die Männer sind, weswegen es das alles gibt.

24.01.2010

Big Brother-Live-Blogs und die Rechtschreibung

Big Brother ist nun in der 10. Staffel anzuschauen. Big Brother polarisiert: Inhaltlich und konzeptionell. Am liebsten gefällt mir die Aussage: Keiner schaut es sich an, aber alle reden darüber.

Für alle Sozial- und Geisteswissenschaftler ist es natürlich ein innerer Vorbeimarsch: 23 Stunden lang pro Tag kann man empirisch beobachten, wie Mensch sich in einer Gruppe vermeintlich echt oder unecht, gesteuert durch Regisseure und Hintermänner und -frauen für ein spezielles Publikum verhält und unterhält bzw. nicht unterhält. Wobei es nicht wirklich wichtig ist, ob alles nur gespielt, gestellt, echt oder unecht ist. Es stellt sich ja auch nicht die Frage, ob das nur Unterhaltung oder auch mehr ist. Es ist einfach alles. Und weil es komplex und kompliziert ist, und man es als Beobachter auch nicht wirklich durchschauen kann, ist es schwierige Kost. Für alle. Weil jede Analyse auch immer ihr Scheitern enthält. Bei einem Theaterstück wird halt immer erstmal angenommen, dass es ein (Schau-)Spiel ist; ob die Akteure aber auch gerade davon abhängig sind, wird ja beim Zuschauer ausgeblendet. Oder die Frage: Ist ein Schauspieler nur dann ein Schauspieler, wenn das Schauspielen zum eigentlichen Sein geworden ist? Das Leben als Bühne oder die Bühne als Leben?

Bei Big Brother ist alles dabei und jeder, der meinst, es gehe ihn nichts an, drückt sich nur (feige?). Jeder, der meint, es ist ja nur Unterhaltung, vergisst, dass Unterhaltung zum homo ludens wie auch zum homo oeconomicus gehört. Nicht nur die Kunst 'Unterhaltung' zu machen, ist wichtig, auch die Kunst 'Unterhaltung' wahrzunehmen, zu genießen und sich ihrer zu öffnen ist wichtig. Schon seit dem Theater der Griechen (ich greife mal nicht weiter zurück), ist die Ambiguität des öffentlichen Spiels bekannt und als soziale Errungenschaft wichtig. Nicht nur das Schauspiel, sondern auch die Berührung durch das Schauspiel muss erlernt werden. Sehr schön wird das in 'Pretty Woman' gezeigt. Und vergessen wir nicht: auch die Zuschauer wollen gesehen werden und es gibt auch eine hohe Kunst des Theaterbesuchs, mit dem Smalltalk in den Pausen und Séparées, in die man schaut und in denen man gesehen werden will.

Heutzutage gibt es das alles auch und auch ein Knigge, wie man wo und wann was zu tun hat. Und Heutzutage wissen nicht nur die Stückeschreiber, sondern fast alle in der Gesellschaft, wie die Meta-Meta-Meta-Information über alles funktioniert und richtig ausgenutzt werden kann. Man lernt das ja in der Schule, dass ein Stück oder Film oder Filmchen wegen der Werbung gemacht wird *gg* und dass dabei auch noch unterschwellig Botschaften über alles und nichts (letztes ist wirklich interessant) verpackt werden können. Deswegen liebe ich Big Brother, weil dort jeder 'weiß' wie es gemeint ist, aber jeder über ein anderes Wissen verfügt (*das war gerade richtig schön ironisch ... muss ich ja mittlerweile immer dazu schreiben, weil das zwischen den Zeilen lesen, im Web etwas verloren gegangen ist*)

Komme wir aber zu dem eigentlich Neuen. Seit es die Big Brother Tagebücher mit Fotos, inhaltlichen Kurzdarstellungen, Wiedergaben der Dialoge und Kommentierungen in Echtzeit gibt (ist ein neues Genre), erleben wir eine zusätzliche Schleimschicht, die des aufzeichnenden Beobachters. Was wird wahrgenommen, was wird als wichtig eingeschätzt, wer macht Fotostrecken statt Dialoge schriftlich wieder zu geben - wie wird die Präsentation durch gleichzeitige Niederschriften von Beobachtern untereinander verarbeitet. Spannend. Wenn man auch noch bedenkt, dass diese Tagebücher Hunderttausende von Klicks erzeugen, ist das schon bombastisch. Wer mal einen Eindruck erhaschen möchte, hier ist der Link zu einem solchen Big Brother Tagebuch.

Lernt man eigentlich mittlerweile in der Schule, wie man solche Tagebücher führt? Wie man Beobachtungen notiert? Wie man kommentiert und sich mit anderen über unterschiedliche Wahrnehmungen austauscht? Erlebnisaufsatz in anderer Form? Während meiner Schulzeit wurde nur ansatzweise die Kunst des Protokollführens gelehrt. Weder in den naturwissenschaftlichen Fächern, noch im Sprachenunterricht (Deutsch, Englisch, usw.) war das wirklich ein Thema. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass irgendein Mathe-Lehrer die Kunst des Protokollierens einer Berechnung oder eines Beweises auch nur ansatzweise unterrichtet hat. Nur im Kunstunterricht mussten wir ernsthaft die Besuche der Kunstausstellungen protokollieren.

Später habe ich oft in Seminaren Manager darin unterrichtet, wie man Ergebninslisten-orientierte Protokolle schreibt, weil sie überhaupt keine Ahnung in der Protokollführung von Besprechungen haben. Aber das zeigt halt nur auf, dass wahrscheinlich eh keiner der Lehrer oder Professoren Ahnung über die Wichtigkeit von eher handwerklichen Dinge hat und so etwas auch nicht weitergeben kann.

Doch zurück zum Thema dieses Blogbeitrags: '... und die Rechtschreibung'. Wenn man solche Big Brother-Live-Blogs liest, dann erkennt man sehr hübsch, wo und welche Rechtschreibprobleme in der Schule ungelöst sind. Groß- und Kleinschreibung ist ein ganz wesentlicher Punkt. Auch die richtige Schreibung häufig verwendetet Anglizismen oder der Fremdwortschatz sind arg übungsbedürftig. Es ist auch klar, dass die Fehlleistungen voll auf die schlechte Unterrichtsqualität in den Schulen zurückgeht. Selbst in den besten deutschen Zeitungen oder Magazinen, welche sich im Web mit Beiträgen verbreitern, sind fast regelmäßig Rechtschreibfehler enthalten. Es ist wohl so, dass man des Deutschen nicht mehr mächtig ist. Und das es wohl auch nicht mehr so wichtig ist. Warum ist das eigentlich so?

P.S. Cora, wir lieben dich

P.P.S. Cora, gibt deinem Hauself Dobby die Socke [16.3.2010]

06.01.2010

Silberhorn

Ich bekenne gerne: Ich mag die Bücher von Wolfgang Holbein.

Bin gerade mit dem Titel 'Silberhorn' durch. Mal wieder spielt es in einem Internat; diesmal in einem ganz besonderen, exklusiven, aber etwas verzauberten Internat. Und jetzt kommen die pädagogischen Momente: Für jeden betuchten Schüler muss man einen weniger betuchten kostenlos aufnehmen. So der Gründervater des Internats. Das ist doch mal was Spannendes zur Bildungsreform - Patenschaften einmal ganz praktisch.

Auch sonst gibt Interessantes: die Schüler siezen die Lehrer während der Schulstunden; danach wird geduzt! 6 Stunden Unterricht, dann freie Beschäftigung, z. B. Reiten, weil das Internat ist auch ein Reiterhof. Oder Schwimmen. Oder einfach den Unterrichtsstoff nacharbeiten.

Bücher gibt es nicht; dafür einen eReader, der allen Lesestoff in sich abgespeichert hat. Hefte gibt es nicht; dafür hat jeder Schüler/jede Schülerin einen Tablet-PC. Das ist aktuell, weil just diesen Monat (Januar 2010) sich alle Hersteller überschlagen mit den Ankündigungen von eBooks/Tablets/iSlates. So stell ich mir das auch richtig vor, kann es noch was mit der PCisierung der Schule werden.

Ansonsten gibt es im Internat noch: Abgeschiedenheit bis zum Geht-Nicht-Mehr - das bringt Gruppendynamik vom Feinsten hervor. Und jedem Schüler sein persönliches Zimmer; die echte Chance zum Rückzug ins Private. Die Mensa wird zum Parlament a la Summerhill. Und dann gibt es noch das kollektive Tabu: Finger weg von den Bilder mit den Einhörnern. Super! Erinnerungen an die Genesis werden wach: Wie emanzipiert man den Menschen, damit er fähig wird zum Sündenfall (der Mensch gewinnt seine Selbsterkenntnis), man setzt ein strenges Tabu und hoff auf individuellen Ungehorsam. Ich liebe diese Pädagogik. Mein bester Klassenlehrer hatte das auch drauf: Er brachte die Klasse gegen sich auf und wir haben uns emanzipiert in der darauf folgenden Zeit ... Schülerrat, Schulstreik, Absetzung des Direktors ... ach was waren das herrliche Zeiten. Nie mehr ducken, nie mehr Angst vor Autoritäten. Ich bin ihm bis heute dankbar. - Ja es war auch ein Internat ...

Jetzt müssen wir nur noch das pädagogische Element für das 'schlichtenden Einhorn' (namens Silberhorn, um das es im Buch ja geht) finden. Welche Rolle spielt das Einhorn? Warum muss es sterben? Ich glaube, alle große und kleinen Pädagogen wie Rousseau und Makarenko hatten auch ihre Einhörner ... das Leben spielt hat so, dass man seinen Prinzipien nicht immer treu bleiben kann. Auch das ist eine weise und tiefe Einsicht: Nichts ist für die Ewigkeit und nichts ist immer wahr ...

Heute morgen gab es im TV einen Disput zwischen zwei befreundeten Intellektuellen (Harald Lesch und Thomas Schwartz) zu Thema: "Sind wir allein im Universum oder fühlen wir uns nur einsam im Kosmos?". Der Physiker spricht ein Szenario an: Wenn es im Weltall nur recht wenig Atome gibt und der Raum eigentlich eher 'leer' ist und es nur ganz selten dazu kommt, dass sich Atome zu größeren Molekülgruppen zusammenschließen und wiederum nur ganz selten daraus Leben entsteht ... und nur unter ganz ganz seltenen Umständen intellektuelles Leben entsteht, dann stellt sich die Frage, ob es irgendwo im Weltall wirklich noch einmal menschenähnliche Lebensformen gibt. Wenn wir annehmen, dass das fast auszuschließen ist, wir also 'alleine im Universum sind', dann ist menschliches Leben so einzigartig, dass man es wie ein rohes Ei behandeln müsste ... sind wir zu dieser Erkenntnis und Verantwortung fähig?

Ach ja, physikalisches Staunen und Neugier sind auch etwas Pädagogisches. Wenn man dies also noch ausleben will, hier kann man dazu etwas lesen, bevor man sich das eher märchenhafte 'Silberhorn' zu Gemüte führt.

21.12.2009

Bildung und Blogs

Gerade wurde der Bildungsgipfel um sechs Monate vertagt und konkrete Lösungsvorschläge gibt es nicht. Da fragt man sich wie viele Bildungsgipfel sind noch notwendig, bis explizite Ergebnisse für die Bildung erreicht werden. Mithilfe der Blogaktion “Mehr Bildung in Blogs” möchte ich mehr Aufmerksamkeit für das Thema schaffen.

Das Mitmachen ist ganz einfach: Jeder Blogger ist eingeladen, einen Blogbeitrag zum Thema und die Aktion zu schreiben. Als Anregung habe ich fünf Fragen formuliert, die beantwortet werden können:

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?
2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?
3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?
4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?
5. Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Dies habe ich auf der Webseite von Literatenmelu gefunden; ob es auch ihr Blog ist?

Bildungsgipfel sind nicht nötig, um in der Bildung andere Dinge zu machen. Wer auf etwas wartet, verliert Zeit, etwas zu tun. Ich denke auch, dass Blogs keinen Einfluss auf Bildung und Bildungsgipfel haben.

Natürlich steht es jedem frei, trotzdem was Schönes zu Thema in seinem Blog zu schreiben. Und ich beantworte auch gerne die Leitfragen.

1. Meine Erinnerungen beginnen im Kindergarten, was das Thema Bildung angeht. Ich fand die Arbeit der Schwestern interessant und kann mich lebhaft an Bastelstunden zurück erinnern. In meiner Schulzeit kann ich mich noch an den Einsatz von Rohstock und anderen Prügelinstrumenten erinnern. Auch daran, dass 40 Kinder in eine Klasse passten und die Lehrer unterschiedlich bezahlt wurden, weil sie uns das erzählt haben. Wer wie ich, die Schulbücher in ein oder zwei Tagen hat durchlesen können, hatte 12 Monate Zeit, sich anderen Dingen zu widmen; denn es wurde stur Seite für Seite durchgenommen. Meist bekam man die Schulbücher geliehen und profitierte von den niedergeschriebenen Lösungen der Schüler aus den Vorjahren.

Es gab auch etwas exotische Fächer wie Handarbeiten, Schönschrift, Gartenarbeit. Mit 10 Jahren hatte ich meine erste Freundin in der Klasse; man musste sich heimlich auf dem Schulhof küssen. Es gab Twist, Elvis, Micky Maus, Rockergangs, die sich gegenseitig zusammen prügelten, zwei SW-Fernseh-Programme und Mondlandungen. Das Nachbarmädchen wurde mit 14 schwanger und eine Schulkameradin musste sich mit 2 Schwestern das Bett teilen.

2. Als Unterrichtsmedien habe ich die naturwissenschaftlichen Lehrmittel sehr geschätzt. Ansonsten fand ich Landkarten interessant. In der ersten Klasse hatte ich eine Lehrerin, welche DIN A2 große Tafeln mit dem Alphabet selbst bemalt hat, welche das ganze Schuljahr über an der Klassenwand hingen. Wir hatten im Rechenunterricht Bauklötzchen und Rechenbretter. Im Geschichtsunterricht haben wir öfters Filme angeschaut. Später waren auch Dias im Biounterricht verfügbar; Fische und Lurche schwammen in ihren Aquarien und ein Fötus schwamm in Formaldehyd. Chemie war voll praktisch: für jeden Schüler gab es ein kleines Labor. Im Winterhalbjahr durfte man in die Schulsternwarte, ins Fotolabor und im Werksaal schweißen. In normalen Stunden war die Kreidewandtafel das (!) Medium schlechthin. Es gab aber auch manchmal hektographierte Arbeitsblätter. Wahrscheinlich habe ich noch 100 andere Medien gesehen und erlebt, mag mich aber im Moment nicht dazu aufraffen, sie in meinem Gedächtnis zu reaktivieren.

3. Lehrer sollten, bevor sie Lehrer werden, eine normale Lehre machen. Lehrer sollte kein wirklicher Beruf sein, sondern eine temporäre Berufstätigkeit. Nach 10 Jahren sollten jemand, der unterrichtet, auch wieder einmal etwas anderes tun, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. - Die meisten Lehrer, die ich während der Schulzeit hatte, waren entweder Berufsanfänger oder hatten keine Lehrerstudium. Ich empfand das nie als Problem, sondern eher bereichernd, wenn sie aus ihrer Nicht-Lehrer-Zeit Erlebnisse erzählten.

4. Ja natürlich soll man alles, was das Web bietet, auch im Unterricht nutzen. Ob dadurch der Unterricht besser wird, bezweifle ich zwar, aber schlechter wird er bestimmt auch nicht davon.

5. Natürlich können Online-Angebote auch die Nachhilfe unterstützen. Wobei ich mir die Frage eher stelle, ob nicht jede Stunde Nachhilfe ein Versagen der Schule und der Eltern (nicht des Schulsystems oder des Schülers) bedeutet.

Schade, dass keine der fünf Fragen etwas mit den Zielen und Inhalten des Unterrichts bzw. der Bildung zu tun haben. Ich denke, dass Medien keine wirklich bedeutsame Rolle bei der Unterrichtsgestaltung haben, außer, dass sie manchmal Abwechslung in den Schulalltag bringen. Zur Methodik des Unterrichts habe ich mich ja schon öfters in meinem Blog ausgelassen. Das muss ich also hier nicht mehr.

18.12.2009

Religion, Kirche und Diskriminierung

Ich habe bei Tobi eine kleine Diskussion zu diesen wichtigen Themen angezettelt.

03.12.2009

Bildungsoffensive in Deutschlang - so wird nichts draus

Alle reden davon, wie wichtig Bildung für Deutschland ist, und was passiert: Ein Deutscher Verlag klagen und gewinnt gegen Universitätsbibliotheken, welche ihren Studenten Bücher in digitaler Form zur Verfügung stellen. Also ist das wirtschaftliche Gut eines Verlages und das Urheberrecht grundsätzlich der Verhinderer von Bildung. Anstatt das sich die deutschen Verlage zusammen tun und sich Gedanken darüber machen, wie sie Bücher und Medien kostengünstiger produzieren können, wird geklagt. Im Grunde sollte man jetzt endlich dafür sorgen, dass die Buchpreisbindung in Deutschland aufgehoben wird.

Grundsätzlich bestätigt zwar auch das OLG Frankfurt das neugeschaffene Recht der Bibliotheken, in ihrem Besitz befindliche Druckwerke auch neueren Datums unabhängig von eventuell bestehenden Verlagsangeboten zu digitalisieren. Erlaubt ist auch, die so gewonnenen Dateien Nutzern an besonders eingerichteten elektronischen Leseplätzen in den Räumen der Bibliothek zur Lektüre zur Verfügung zu stellen. Dennoch werden die Rechte der Leser nun entscheidend eingeschränkt. Das in § 53 UrhG grundsätzlich verankerte Recht auf Privatkopie zum wissenschaftlichen Gebrauch soll hier nicht greifen.

Die Entscheidung hat Folgen für das Studium und die wissenschaftliche Verwendbarkeit von digitalen Texten. Wissenschaftliches Arbeiten mit Texten erfordert zwingend die Möglichkeit, Kopien von Textteilen zu erstellen, um zuverlässig memorieren und zitieren zu können. Das Landgericht Frankfurt hatte dies anerkannt. Das OLG verurteilt die Nutzer nun zum Abschreiben mit der Hand - in Zeiten elektronischer Medien, des Internets und der e-science ist das ein Anachronismus. Der eigentliche Sinn des § 52b, auch auf digitalem Weg wissenschaftliche Texte in moderner, im universitären Umfeld längst selbstverständlich gewordener Form verfügbar zu machen, wird damit auf den Kopf gestellt.

Genaueres kann man hier und hier nachlesen.

Ein Zwischenfrage von einem Forenkollegen: Kann mir jemand den Zusammenhang zwischen Buchpreisbindung und Urheberrecht erklären? Kapier das irgendwie noch nicht ganz.

Das Buchpreisbindungsprivileg wird hiermit begründet:

Offiziell zielt die Buchpreisbindung darauf, die Meinungsvielfalt im deutschen Buchmarkt zu erhalten. Dabei spielt die Rolle des Buches als Kulturgut eine entscheidende Rolle. Unter diesen Prämissen wird der Eingriff ins Marktsystem, welchen die Buchpreisbindung darstellt, in Kauf genommen, auch wenn dadurch ökonomische Potentiale für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette verloren gehen.

Der Gedanke ist also, Bücher als Kulturgut besonders zu schützen und Verlage erhalten daher ein Privileg. Auf der anderen Seite wollen wir alle als nationales Ziel, dass wer immer es auch kann, einfachen Zugang zu Bildung und Informationen erhält. Das dies auch Studenten einschließt, ist sicherlich unbestreitbar. Wenn nun die zeitgemäße Arbeit mit Büchern (in digitaler Form) in einer Universitätsbibliothek durch Verlage beschnitten wird, dann ist das kontraproduktiv zu dem Gedanken des geförderten Kulturguts. Verlage sollten, weil sie privilegiert sind, auch grundsätzlich ihrer Beitrag zum Bildungsauftrag leisten und das auch, wenn damit die unternehmerischen Ziele zeitweilig den gesellschaftlichen unterzuordnen wären. Wenn sie dazu nicht bereits sind, dann stellt sich die Frage, ob man das Privileg nicht aufheben sollte.

Dass die Nutzungseinschränkungen fast immer mit dem Urheberrecht begründet werden, ist eher marginal. Die Frage stellt sich doch oft ganz praktisch in einem anderen Zusammenhang. Das schreibt ein von Staatsgeldern bezahlter Professor/Wissenschaftler ein Buch (und zwar fix und fertig gesetzt), will das jetzt veröffentlichen und kann das nur über Spezialverlage tun, weil sonst die Reputation (Peer-Review-Prozess) fehlt. Das ist auch eine Art Monopolisierung. Dass sich dagegen mittlerweile ein Prozess entwickelt hat - Open Access - wird halt nicht so gerne von den Verlagen gesehen. Das hier im dem anführten Rechtsstreit ein eher kleiner Verlag der Holtzbrinck-Gruppe sozusagen auf Drängen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels stellvertretend geklagt hat, ist auch insofern interessant, weil man hier versucht, den David vs. Goliath-Effekt stilvoll zu nutzen.

Ist jetzt die Argumentation ein wenig klarer geworden, um was es wirklich geht? Das ist ein Erpressungsversuch der Verlage gegenüber der dem Staat und dem Universitätsbetrieb (Lehre). Ähnlich wie die Apotheken/Pharmazieindustrie in Deutschland immer größere Töpfe fordert, obwohl in anderen Ländern es ja auch anders geht und Forschungsnotstände heraufbeschwört, so versuchen es die Verlage halt auch, von staatlichen Töpfen ein größeres Stück abzubekommen. Diese Haltung kann man zwar als marktwirtschaftlich einordnen, dann aber bitte ohne Privilegien. Da die Universitätsbibliotheken aber nicht über genügend Mittel verfügen und sich eigentlich auch im Recht fühlen, dieses Problem anders zu sehen, wird es erstmal wieder auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen = digitale Arbeitsplätze werden außer Betrieb genommen ...

PowerPoint-Karaoke

Da habe ich einen super Artikel über PowerPoint in der Süddeutschen gefunden. Hier eine Leseprobe:

Immer noch ist da ein Unbehagen, ein Verdacht, in diesem Programm verberge sich eine geheime, gleichsam subversiv arbeitende Normierungsinstanz, die jeden Gedanken so lange teilt, kürzt und verflacht, bis er sich in eine überschaubare Zahl sofort löslicher Brühwürfel verwandelt. Es gibt mittlerweile so etwas wie "Powerpoint-Karaoke" das heißt: die freie Improvisation eines Vortrags über eine beliebig angelegte Bildfolge. Dieses Karaoke ist weit mehr als ein Jux, nämlich auch ein Versuch, das womöglich Verhängnisvolle von "Powerpoint" spielerisch zu bannen, mitsamt dem dazugehörigen "bullshit bingo" (Richard Grasshoff), in dem es von "challenges" wie "face the customer" und "can do attitude" nur so wimmelt.

...

"So ist es", sagt jede Folie, wenn sie auf die Leinwand projiziert ist, herausgelöst aus Raum und Zeit, mit Nachdruck und Bedeutung aufgeladen, wie sie die Schrift allein nie besäße - wobei jeder Betrachter weiß, was er nicht wissen will: dass das Bild, das da auf der weißen Fläche erscheint, der einzig mögliche Ort seiner eigenen Aufbewahrung ist. "Mit Powerpoint lassen sich Geschichten so immanent erzählen, dass der Zuhörer und Zuschauer keine Option, die nicht in der Slideshow vorkommt, für real hält" (Richard Grasshoff). Die "Powerpoint"-Präsentation ist die einzige Zufluchtstätte ihrer selbst, und je mehr es davon gibt, desto vollständiger wird das so entstehende universale Asyl der "Visionen", von denen etwa die ganze Branche der Unternehmensberatungen lebt.

22.11.2009

Kugelschrei-Bär

"Wer ist kugelrund und schreit im Wald?" ...

Endloser Bären-Unsinn ... aber nur wenn man Zeit und Lust drauf hat ...

http://www.stupidedia.org/stupi/Kugelschreib%C3%A4r
http://blogs.waslos.de/entryDetail.aspx?entryId=2102
http://kamelopedia.mormo.org/index.p...schreib%C3%A4r
http://grafik-etc.spreadshirt.de/kug...-tasse-A730638
http://www.photocase.de/de/user.asp?u=72725
http://www.bären-bande.de/produkt/kugelschreibaer
http://www.wortwerkstatt.at/index.ph...gel-schrei-br/
http://erwin-krise.de/index.php?itemid=70
http://www.gedichte.com/showthread.php?t=78011
http://de.uncyclopedia.org/wiki/Kugelschreiber
http://lernklick.de/lernspiel/87/wundertiere/
http://www.haloscan.com/comments/ix/1503/
http://www.kidopia.de/forum/showthread.php?p=327949

zauBÄRer, BÄRserker, seeräuBÄR, oBÄR, (dr)üBÄR, üBÄRholen, üBÄRwachung, silBÄR, araBÄR, streBÄR, schreBÄRgarten, BÄRg(steiger), (auf)kleBÄR, sauBÄR, lieBÄR, liBÄRo, schieBÄR, (wagen)heBÄR, BÄRtiger, hubschrauBÄR, aBÄR, sabBÄR, cyBÄR, kyBÄRnetik, (ab)(an)we(r)BÄR, biBÄR, schaBÄRnack, BÄRatung, ratgeBÄR, färBÄRei, (kugel)schreiBÄR, BÄRnstein, fieBÄR, unentBÄRlich, liebhaBÄR, selBÄR

alles zusammen gek-laut *pssst*

16.11.2009

Ein Jahr Twitterei - ein Resumee

Ich finde Twitter gut.
Ich finde es gut, dass man mit Twitter nette Leute kennen lernen und auch gute Dialoge führen kann.
Mich hat Twitter am Anfang oft an den 'world'-Channel in meinen Online-Spielen erinnert und ich konnte ungefähr gleich damit umgehen.

Intensives Twittern kostet Zeit und man muss sich auch mit ein paar Dinge abfinden, die nicht so angenehm sind:

- es gibt Leute, die wollen mit Macht in Twitter bekannt werden - ihre Anzahl Follower erhöhen, ohne dabei wirklich dialogisch mit anderen zu kommunizieren; es gibt Leute, die folgen diesen in einer Art Gruppendruck
- man freut sich manchmal, dass man von jemanden in Twitter angesprochen wird, ärgert sich aber dann schnell, wenn man merkt, dass der Dialog nicht 'ehrlich' gemeint ist, sondern nur dazu dient, Klick-Responses zu generieren
- wenn man mehreren Hundert in Twitter folgt, merkt man, dass man nicht die Aufmerksamkeit allen zukommen lassen kann, mit denen man eigentlich schon interessante Dialog geführt oder Informationen ausgetauscht hat. Man merkt dann selbst, dass man 'oberflächlich' wird.
- es gibt viele prominente Twitterer, die nicht selbst twittern, sondern für sich twittern lassen. Man merkt, dass kein wirklicher Dialog gesucht wird
- Twittern hat sich in 12 Monaten geändert. Es sind mehr geworden. Und viele sind nur dabei, weil sie meinen, sie müssten dabei sein
- auf ein 'hallo, guten Morgen' bekam ich vor 12 Monaten durchschnittlich ein Feedback von 3 anderen Twitterern - heute geht meine Begrüßung unter

Angenehm ist und ich möchte das auch nicht missen:

- man kann Bekanntschaften finden, die bereichernd sind
- man gelangt sehr schnell an Neuigkeiten
- man kann Fragen an seine 'Gemeinde' stellen, die oft auch beantwortet werden

13.11.2009

Adaptives Lernen

Man darf nicht vergessen (hic!), dass das Lernen auch statistisch untersucht worden ist und immer noch wird (Ja, ja - gut Ding will Zeit haben). Lernen von Inhalten wird ja gerne als Behalten überprüft. Und hierbei hat sich ja - dank vielfältig abgeschriebener Forschung - das Wiederholen als Methode durchgesetzt. Ist ja beim Sport oder Geigenlernen auch nicht anders: Wiederholen mit kontinuierlicher Steigerung des Schwierigkeitsgrades. Selten wird ja lernen als Sekunden dauernder, ohne jegliche Anstrengung und Vorbereitung stattfindender Prozess beschrieben, der ein für immer andauerndes Behalten nach sich zieht - in der Tierwelt schon: siehe Prägung.

Kein Wunder, da das Lernen ein wirklich langweiliger Vorgang ist, der auch durch das Herumkaspern (für Herumkaspern ist noch kein Wikipedia-Artikel verfasst worden - nur Mut) von pädagogisch studierten Menschen nicht interessanter wird, werden immer mal wieder Theorien und Verfahren über das Lernen an sich entwickelt. Wahrscheinlich wäre es sinnvoller, festzustellen, dass man seine Zeit mit anderen Dingen besser verbringen könnte, doch irgendwie scheint eine Faszination vom Lernen auszugehen. Befragt man lernende Menschen, dann wird - obwohl das kaum zu beweisen wäre - gerne eine Kausalkette von Argumenten losgetreten, wenn man sie fragt, warum sie sich so anstrengen: Wer lernt ist fleißig und strebsam und kann auch Prüfungen bestehen, die dann die Tür aufstoßen, um in einer beruflichen Position Ruhm, Reichtum und Macht zu erlangen und sich damit seine Wünsche (ist dem Relevanzkriterium in Wikipedia zum Opfer gefallen) und Bedürfnisse im Übermaß zu erfüllen: gutes Essen, guter Wein, guter und schneller Sex, schnelle Autos, große Jachten usw. für die männlichen Kandidaten, für weibliche ist das weniger ausgeprägt, wenn man allerdings an Schuhe, seidene Wäsche usw. denkt, findet man schnell geeignete Pendants.

Was liegt also näher, als das Lernen mathematisch auf die Füße zu stellen. Mathematisch deswegen, weil das kaum jemand versteht und deswegen auch nicht weiter kritisch durchleuchtet wird. Da das rein Mathematische niemanden hilft, muss man es durch Software zugänglich machen. Hier wäre ein solches Beispielprogramm zum Beispiel zu finden. Wie man sofort sieht, stellt sich das Programm auf den Lerner ein (natürlich nur solange dieser davon auch überzeugt ist, dass das Ganze einen Sinn macht oder er genug Geld für seine vergeudete Zeit von einem Entwickler dafür bekommt). Man nennt daher dieses Lernszenario 'Adaptive Learning', was auf gut Deutsch soviel wie 'adaptives Lernen' bedeutet. Gell, die Formel an der Seite bringen es echt. Hier und hier werden sie erklärt. Sieht einfach unwiderstehlich aus. Auch die Farbauswahl des Programms - ähnlich der eines Steuererklärungsformulars - ist der Bringer.

Allerdings geht es auch anders! Machen wir uns nichts vor. Der PC ist eher hinderlich beim Lernen. Zu unhandlich, zu groß, und auch nur die modernen Netbooks schaffen die Zeit, die notwendig ist für die endlosen Wiederholungen. Doch seit der massenhaften Verbreitung kleiner Silberlinge - äh - iPhones ist das anders. Endlich kann sich der Lerner sozusagen ständig mittels seines kleinen "compagnions" durch die endlosen Wiederholungen führen lassen. Und wenn die GUI dann auch noch schick aussieht, ist der Stoff kaum mehr von einschlägigen Videos zu unterscheiden und wird widerstandslos dem Gehirn zugeführt. Warum man das ausgerechnet (<- schon wieder Mathe) Podcasting nennt wird mir und dir auf immer verschlossen bleiben, aber vermutlich war der Begriff 'Mindcasting' bereits von einer anderer Firma als Marke geschützt worden und 'Squeeze Casting' ist nicht opportun.

Wie du glaubst mir nicht, dass das alles stimmt? Dann lies hier mal weiter ...

03.11.2009

Was ist ein Seele?

Dietrich Dörner, emeritierter Leiter des Instituts für Theoretische Psychologie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, spricht mit Technology Review über den Kern des Menschen: "Was ist eine Seele?"

lies hier weiter

29.10.2009

Cups from Éire

Auf dem Weg irgendwo zwischen Cork und Bantry gab es diese kleine Töpferei. Wirklich nicht groß. Es war Vormittag und die Müdigkeit von der Nacht zuvor steckte in den Knochen. Die beiden anderen hatten im VW-Bus übernachtet - wir hatten uns ein Bed&Breakfast gegönnt.

Da standen nun diese beiden Tassen: verlaufene Brauntöne. Ist das typisch für die Gegend? Dunkelbraunes Bier - dunkelbraune Pferde - dunkelbraunes Holz an den Giebeln - dunkelbraunes langes Haar der Gefährtin. Der alte Mann unterwegs sprach gälisch und ein paar Broken Deutsch. Jaja die gemeinsame Vergangenheit gegen die Briten hält wohl ein Leben lang. Ob diese Liebe auch so lange hält?

Jeden Morgen gibt es 20 Sekunden lang eine Reise ins Land der Gnome, Trolle, Elfen und Feen, wenn ich mir die beiden Tassen anschaue. Nein, diese Liebe von damals hat nicht lange gehalten, aber es ist die einzige, an die ich mich mit gutem Gefühl zurückerinnere. Andere sind vergessen. Vielleicht, weil keine Tassen dazu passen.

22.10.2009

Macht das Internet alte Leute schlauer?

Wenn Gehirnaktivitäten direkt proportional zur Schlauheit sind, dann will eine Studie der ULCA herausgefunden haben, dass die Suche im Web schlauer macht. Weitere Infos kann man hier nachlesen.

04.09.2009

Schlechte Schüler kosten viel Geld

Haha, eine Studie, die eigentlich etwas feststellt, auf das jeder bereits in der eigenen Schulzeit gestoßen ist: Aussieben der schlechten Schüler und Sitzenbleiber bringen nicht wirklich was und sind zudem sehr teuer! *guck* und *guck nochmehr*

Klaus Klemm hat solches in seiner Studie herausgearbeitet. [Wieso werden eigentlich die Konterfeis von Professoren nie in abgelichtet? - Sind denn Politikerinnen hübscher?]

Wenn man nun den Faden aufnimmt und weiter spinnt, dann dürfte man behaupten, dass wenn Lehrer (und ich nehm mal Hochschullehrer gleich mit dazu) ihre Schüler und Studenten nicht genügend fördern, dass dies richtig ins Geld geht. Je besser unsere Schüler und Studenten sind - und wir nehmen konsequenterweise mal an, dass es nicht nur der Nachhilfe zu verdanken ist - desto weniger Kosten verursachen sie. Ich finde, dass diese fast schon betriebswirtschaftliche Dimension richtig faszinierend ist: Egal welche Inhalte und Bildungsziele auch vermittelt werden, je besser die Schüler sind, desto weniger Kosten. Im Grunde muss man also nur dafür sorgen, dass die Schüler besser sind ... oder die Lehrer ... oder das Sitzenbleiben abschaffen ... oder das Aussieben ...

03.09.2009

Five Minds for the Future

Gerade fällt mir die Psychologie heute vom Juli in die Finger und da geht es laut Titelblatt, unter anderem um das Thema 'Bildung': "Die fünf Kompetenzen für die Zukunft". Dann schlage ich die Seite auf und mir lacht der Titel "Das Wissensquintett: Fünf Intelligenzen für das 21. Jahrhundert" entgegen. Im Teaser steht dann: "Der Intelligenzforscher Howard Gardner plädiert für fünf Schlüsselkompetenzen". Jaja und das Büchelchen von Gardner auf den sich dann der Artikel bezieht, heißt konsequenterweise "Five Minds for the Future". Wenn ich dazu einfach mal google (ohne jetzt tiefere Hintergedanken zu hegen), dann stoße ich mit Leichtigkeit auf den Wikipedia-Eintrag "Theory of Mind" und dort steht dann:

Der Begriff Theory of Mind (ToM) bezeichnet in der Psychologie und den anderen Kognitionswissenschaften die Fähigkeit, eine Annahme über Bewusstseinsvorgänge in anderen Personen vorzunehmen, also in anderen Personen Gefühle, Bedürfnisse, Absichten, Erwartungen und Meinungen zu vermuten.
Andere Bezeichnungen: naive Theorie oder Mentalisierung.
Peter Fonagy, ein psychoanalytischer Forscher definiert den Begriff der Mentalisierung folgendermaßen: Mentalisierung ist die „Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren“. Für den Begriff gibt es bisher keine einheitliche deutsche Entsprechung.
A. M. Leslie sieht die Theory of Mind als einen Mechanismus der selektiven Aufmerksamkeit. Hierbei ist das Vorhandensein mentaler Konzepte die Grundlage, die Aufmerksamkeit auf die entsprechenden mentalen Zustände von Akteuren zu legen. Dadurch können diese Eigenschaften erschlossen werden.
...
Grundlage der Entwicklung einer Theory of Mind ist die Fähigkeit zwischen Belebtem und Unbelebtem unterscheiden zu können, da nur Belebtem interne Zustände zugeschrieben werden. Hinzu kommt die Fähigkeit, zwischen mentaler und physikalischer Welt differenzieren zu können. ... Ein weiterer Schritt für die Entwicklung einer ToM ist die Erkenntnis, dass Handlungen anderer Personen nicht nur von ihren Wünschen und Absichten, sondern auch von ihren Überzeugungen geleitet werden können. Diese Unterscheidung wird dann relevant, wenn eine andere Person eine falsche Auffassung von einem Sachverhalt hat. Solange eine Person eine "wahre" Überzeugung hat, entsteht kein Problem, und man kann gemäß ihren Wünschen vorhersagen, wie sie handeln wird. Geht sie hingegen von einer nicht mit der Realität übereinstimmenden Überzeugung aus, so muss ihre falsche Vorstellung bei der Handlungsvorhersage berücksichtigt werden. ... Kinder lernen zwischen drei und fünf Jahren die Überzeugungen einer Person mit einzubeziehen. Davor verstehen sie nicht, dass subjektive Überzeugungen von der Realität abweichen können und berücksichtigen sie somit auch nicht bei ihrer Handlungsvorhersage.
Die Theory of Mind gilt außerdem als ein entscheidende Voraussetzung um Metakognitionen entwickeln zu können, also die Fähigkeit, kognitive Abläufe selbst zum Gegenstand des Nachdenkens zu machen.

Irgendwie sinnig dieser Wikipedia-Eintrag in diesem Zusammenhang, aber er trägt nun nicht gerade zur Erhellung der vermutlich vorwissenschaftlich verwendeten Begriffes 'Mind' bei *gg*. Aber sei es drum, ist ja trotzdem interessant der Wiki-Beitrag, oder?

Zurück zum Psychologie heute Artikel. So können wir lesen: "Brauchen wir wirklich mehr Bildung? Oder nur mehr Qualifikationen, Kompetenzen und (Fach-)Wissen? Oder meinen alle mit diesen Begriffen im Grunde dasselbe?" Und ein wenig weiter: "Verlässliche Antworten darauf, was Bildung in Zukunft und für die Zukunft sein soll, gibt es noch nicht." Aber es gibt Gardner mit seinen 5 Minds:

  • Diszipliniertes Denken [= disciplined mind]
  • Synthetisches Denken [= synthesizing mind]
  • Kreatives Denken [= creating mind]
  • Respektvolles Denken [= respectful mind]
  • Ethisches Denken [= ethical mind]

Recht unschuldig wird uns hier vom Artikel-Autor Andreas Huber der Begriff 'Mind' als 'Denken' vorgesetzt. Ich zieh dann auch gleich mal den Schlussstrich: "Mind" = "Denken" = "Schlüsselkompetenzen" = "Intelligenzen" = "Qualifikationen" = "(Fach-)Wissen" ... und dann gibt es noch eine Lesehilfe im Artikel: "Die fünf Gardnerschen Elemente des Denkens und Bewusstseins". Chakra? Chakra!

Ich bin verwirrt, was man aus diesen Begriffen alles so machen kann, auch wenn sie vermutlich das Gleiche meinen: Wir wünschen uns was, was wir noch nicht haben und fassen es in Worte wie Parteiprogramme.

Im Grunde meines Herzens glaube ich immer noch an das Gute im Menschen, nur über "Kompetenzen" sollten sie (noch) nicht nachdenken, schreiben und reden. Das verwirrt doch nur - oder? *gg*

02.09.2009

Über Kompetenzen

Wer schon ein wenig von mir gelesen hat, weiß, dass ich den Begriff der "Kompetenz" in der Pädagogik (wahrscheinlich gilt das für noch mehr Disziplinen) für unglücklich und falsch besetzt halte. Warum man ihm seit mehr als 40 Jahren nachläuft (und damit weder irgendwas besser erklären konnte oder den Menschen ein besseres Leben geben konnte) wird mir immer verschlossen bleiben. Offensichtlich aber wird er von allen heiß und innig geliebt.

Gerade schmökere ich mal wieder in der Zeitschrift Pädagogik (2009/5) und finde so einem Versuch eines Serienbeginns zum Thema "Kompetenzorientierung in der Diskussion". Das Thema wird auch schon 40 Jahre diskutiert - ich kenne es noch aus meiner Zeit in der Oberstufen(reform)-Stufe von 1969. In besagtem Artikel steht also unter der Unterüberschrift "Kompetenz als Kernbegriff":

Dabei spielt der Begriff "Kompetenz" eine grundlegende Rolle. Er liegt den Bildungsstandards zugrunde, die die Kultusministerkonferenz (KMK) in den Jahren 2003/2004 beschlossen hat und derzeit für die Oberstufe weiterentwickeln lässt. Der Kompetenzbegriff steht für eine pragmatische Wende in der Bildungsdebatte, denn er bestimmt Bildung letztendlich funktional: Gebildet ist, wer bestimmte konkrete und komplexe Anforderungen erfolgreich bewältigen kann. So heißt es in der zentralen Definition von Weinert: Kompetenzen sind "bei Individuen verfügbare oder durch sie erlernbare, kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen [= zielgerichteten], volitionalen [= willensbildenden] und sozialen [= an Gemeinwerten orientierten] Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösung in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können."
Die wohlmeinenden Erläuterungen in Brackets sind von mir.

Sodele ... machen wir mal ein konkretes Beispiel, damit wir auf die Spur der eigenwilligen Begrifflichkeit der "Kompetenz" kommen. Gegeben sei ein fahrtüchtiges Auto und vier Personen im heiratfähigen Alter; sagen wir gegen 23 Uhr in einer mittleren Großstadt. Eine Person steht gerade davor, am nächsten Morgen in die Führerscheinprüfung zu gehen, nennen wir sie A. Eine Person hatte ein wenig Pech und musste gerade in der letzten Woche die Fahrerlaubnis für 4 Wochen abgeben, nennen wir sie B. Die restlichen beiden verfügen über eine gültige Fahrerlaubnis. Person C hat zwei Bier getrunken; Person D ist nüchtern und weiblich, hat sich aber den linken Fuß verstaucht. Nun kommt die Gretchenfrage (nein nicht: Wer war Gretchen? - das wäre ja eine Frage nach der Bildung *gg*): Wer darf fahren? Oder besser, wer ist von der Viererbande (weiblich? nein, nicht wieder so eine Bildungsfrage *gg*) fürs Fahren zuständig (kompetent)? Ich hätte das Beispiel noch um einen schwulen oder transsexuellen Fünften (Fünfte?) anreichern können, aber dann wäre es eng auf der Rückbank geworden und er (sie?) hätte sich auf jemandes Schoß setzen müssen, das wäre einfach zu kompliziert geworden, alle diskriminierenden und politischen Implikationen aus der Geschichte heraus zu filtern, im Unterricht müsste man darauf bestehen, dass die Metapher vom fünften Rad nicht zu verwechseln wäre mit der 5. Kolonne ... aber verlassen wir diesen Diskurs, zurück zur Frage: Wer fährt?

Nach Weinert alle vier! *gg*

Wieso? Naja, Weil sie alle irgendwann einmal alle Fähigkeiten und Fertigkeiten, ein Auto zu fahren, erlernt haben. Und nach seiner Definition damit die Kompetenz besitzen. Klickert es jetzt, dass man diesem Kompetenzbegriff nicht allzu weit kommt? Klar aus der Sicht der Fahrlehrerschaft schon. Die haben daran verdient und das ist ja auch ok. Aber aus der Sicht der Gesellschaft (Justiz, Neuwagenverkäufer, psychologischem Dienst, Eltern, Kinder, Politiker, Nachbarn, Kneipenbesitzern, Arbeitgebern usw.) taugt dieser Kompetenzbegriff nicht viel. Auch nicht für uns, sollten wir jetzt in die Schuhe des Richters Adzak (Brecht: Kreidekreis ... Bildung *gg*) gestellt werden: Wem würden wir für das Fahren zuständig (kompetent) erklären? Oder besser gesagt: Wem verleihen wir die Kompetenz, das Auto zu führen bzw. zu fahren?

Herrlich - wie schnell der Begriff an neuer Substanz und Nützlichkeit gewinnt, aber völlig jenseits der Pädagogik ... vielleicht sollten wir jetzt zu neuen Wortschöpfungen greifen ... Bildung als Kompetenzpotential betrachten. Wäre ich für die Begriffsbildung der Pädagogik zuständig (kompetent), dann würde ich dort allerdings lieber ganz auf den Begriff verzichten ... oder hat uns das Folgende (in der Diskussion seit etwa 1969) irgendwie weitergebracht - also ich meine, wenn man sich die heutige Bildungslandschaft anschaut, die Lehrerschaft, die ja unter diesem Paradigma meist selbst gelernt hat und heute immer noch bei diesen KKs (Klein-Klein = Kern-Kompetenzen) herum macht ...

Kompetenzen der Lernenden als Ziel der Lernprozesse
Ein übergreifendes Ziel der Neuordnung der Sekundarstufe II besteht darin, Lernprozesse zu einer Einheit zusammenzufassen ... Dafür sind integrierte Lernprozesse erforderlich, die mit der Fachkompetenz zugleich humane und gesellschaftlich-politische Kompetenzen vermitteln. Humane Kompetenz heißt in diesem Zusammenhang, daß der Lernende sich seiner selbst als eines verantwortlich Handelnden bewußt wird, daß er seinen Lebensplan im mitmenschlichen Zusammenhang selbstständig fassen und seinen Ort in Familie, Gesellschaft und Staat richtig zu finden und zu bestimmen vermag. Inhalt und Formen des Lernens müssen dazu beitragen, den jungen Menschen auf die Lebenssituation im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich so vorzubereiten, daß er eine reflektierte Handlungsfähigkeit erreicht.

Deutscher Bildungsrat - Empfehlungen der Bildungskommission: Zur Neuordnung der Sekundarstufe II, Bonn 1974

25.07.2009

When backspace is removed ...

Ich liebe diese Diskussionen ...

Kennt wer Q10? Nicht dieses Präperat ... sondern den ultimativen Textschreiber. Als ich Anfang letzten Jahres das erste Mal davon gehört hatte, habe ich mich direkt daran gesetzt, das Teil in einer Web-Form nachzubilden, so hat es mich fasziniert. Minimalismus für den rechten Gebrauch. Hat ich damit auch was geschrieben? Nein! Ist wieder sang und klanglos in der Versenkung verschwunden. Warum? Weil wer tut sich das wirklich an - einen Editor, mit dem man nicht zwischen Dateien hin- und herhüpfen kann, welcher durch die Zwischenablage zu Dreh- und Angelscheibe wird.

Soviel dazu.

Und nun heute der Zufallstreffer. Hier gibt es ihn, den Editor, der keine Backspace-Taste hat. Wo man keine Zwischenablage hat. Nein, nicht ein Programmierübungsbeispiel ... er ist so per Anforderungprofil als Entwicklungsauftrag entstanden. Freeware natürlich. Und hier wird über ihn heftig diskutiert. Es ist erstaunlich, dass solch ein Texteditor anregt zum Filosofieren (ndR = neue deutsche Rechtschreibung). Ja sogar ich denke darüber nach.

Kann ein Texteditor - ein Schreibwerkzeug auf einem Computer so reduziert werden, dass es nicht mal abspeichert, sondern nur druckt ... und dann ist alles wieder weg? So wie früher auf dem Typewriter, der gute alte Schreibmaschine ohne Korrekturtaste.

Undenkbar? Nein nicht wirklich. Auch bei Twitter ist nach dem Wegschicken des Tweeds keine Korrektur mehr möglich! Alte Zeiten - neue Tools. Web 2.0 machts möglich.

Wieso lese ich nichts in Twitter darüber?!

Das Medium schlägt zurück. Wenn Twitter durch seine Gemeinde einen Ruf verdient hat, dann wohl den, sehr, sehr aktuell zu sein. Zwar trägt niemand die Verantwortung dafür, dass es immer zu Ereignissen in der Welt auch gleich einen Tweed gibt, aber irgendwie passiert das immer. Immer?

Heute gab es beim Formel-1 Qualifying einen schweren Unfall. Massa. Und in Twitter war nicht sofort was dazu zu lesen.

Das führte dazu, dass einige per Twitter nachfragten, ob denn das alle verschlafen haben? Wieso man denn diesen oder jenen auf seiner Friend-List habe, der das dann nicht in Echtzeit sofort berichtet. Schließlich sei man das doch so gewohnt ...

Konsumentenhaltung 150%-Prozentiger oder erste Anzeichen von Professionalisierung des Mediums?

Warum muss ich denn alle(!) wichtigen Informationen ganz aktuell aus einem Tweed entgegen nehmen ... darf es nicht ein wenig unvollkommen und subjektiv sein? Es ist doch schon riesig, wenn ich "manchmal" Informationen früher und durch Zeitzeugen berichtet bekomme. Aber immer und zu allem, selbst wenn es keine Leute vor Ort gibt, die das authentisch twittern könnten? Und ich denke, selbst wenn es Twitterer vor Ort gibt, sie dürfen ganz alleine für sich entscheiden, ob sie der Welt ein Ereignis mitteilen wollen. Man mag zwar nicht Nicht-Kommunizieren können, aber Twitter zwingt niemanden dazu, immer alle über alles informieren zu müssen.

24.07.2009

push versus pull

Manchmal kommt man zu neuen, alten Themen ganz unverhofft *guck*. So wie ich da gestern zum Thema 'push'. Und man fragt sich, wieso hat sich das 'alte' Thema solange versteckt. Ich meine damit die Server-push-Technik, die sich schon immer im MIME beim HTTP versteckt hatte. Werde das mal auf meine Interessen-Liste stecken.

Das Thema hat es aber noch auf andere Weise in sich. Was wäre, wenn in jedem Mobile (Handy) eine komplette Server-Landschaft ihren Dienst tun würde und wir nicht mehr japsend mit unseren Endgeräten irgendwelche Dienste in Anspruch nähmen, sondern gleich direkt den Server-Server-Connect pflegen würden. Zum Beispiel mit einem E-Mail-Server würden wird doch komplett alles Push-Dienste wie sie z.B. im Blackberry-Konzept verwendet werden, ad acta legen können. Und das push-Konzept im iPhone bräuchte man auch nicht. Klar, man wäre nicht mehr zu erreichen, wenn man das Handy ausmachen würde. Aber das könnte man ja auch verhindern, indem man dem Handy den Abschaltknopf wegnimmt. Klar werkeln dann mehr Programme rum und man braucht mehr Power - aber das hat bislang ja auch niemanden ernsthaft von irgendwas abgebracht.

Am besten direkt mit IPv6 gleich morgen realisieren. Da könnte man jedem Dienst auf dem Handy eine eigene IP-Adresse zuweisen und das ganze Port-Geraffel fiele weg.

In meinen Gedanken bin ich schnell noch einen Schritt weiter gegangen. Brauchen wir eigentlich überhaupt noch Kommunikationsformen, die mittels E-Mail, Handy-Telefonat, SMS oder Chat gerichtet zwischen zwei Kommunikationspartnern ablaufen? Oder müssen wir uns nicht langsam zugestehen, dass dieses One-to-One-Modell überholt ist? Ich meine so wie die Ehe zu zweit? In der Diskussion über Copyright, Urheberrechte, Patente gibt es wohl auch die Einsicht, dass der Schutzgedanke geistigen Eigentums weder allgemein akzeptiert ist, noch die Welt wirklich nach vorne bringt. Warum dann nicht auch die Internet-Realität betrachten. E-Mails sind doch meist für die Spam-Tonne. Und dank Facebook, Twitter und Konsorten, kommuniziert man doch eher an die Welt und nicht an einen einzelnen Person. Also weg mit der ganzen gerichtete Kommunikation!

Wenn man was zu sagen hat, egal an wen, dann schreibt man das in seine Webseite und lässt die anderen, die es betreffen könnten, danach suchen. So funktioniert das auch bei Twitter, wenn man seine Friend-List oder ein spezielle Thema abonniert hat. Es geht doch. Man darf nur nicht unterstellen, dass man auch gelesen wird. Aber auch das kenne wir doch ... Rechnungen werden ungelesen weggeschmissen ;) Klar wird das ein gewisse Umstellung in den Interaktionsformen nach sich ziehen, Verträge werden nicht unbedingt immer wirksam, Geschriebenes verliert an Bedeutung, und vielleicht muss man das ganze Rechtssystem neu schreiben. Aber auch das wäre ja nichts Neues. Ich kann mich noch lebhaft erinnern, dass es vor 30 Jahren undenkbar war, dass man Verträge/Bestellungen per Fax oder per E-Mail hätte vornehmen können. Und heute? Völlig normal. Das Finanzamt nimmt ohne Internet ja gar keine Steuererklärung mehr an ...

Also lasst uns in Zukunft nicht mehr mit einzelnen Personen Gespräche führen, sondern immer mit der 'Welt'. Wir könnten immer alle Gedanken aller lesen und Heimlichtuerei wäre abgeschafft; am besten Verschlüsselung auch. Wie viele Investitionen man dadurch sparen könnten und auch die Kriminalität würde auch drastisch abnehmen ... siehe Minority Report.

Ich freu mich drauf und trage auch gerne mit meinen "Social Web"-Kontakten und Kommunikationsformen dazu bei, dass es in diese Richtung geht.

17.05.2009

E-Book Reader PRS-505

So nun habe ich doch so ein Teil. Sieht hübsch aus und macht was her. PDF-Dateien werden (auch in den verschiedensten Varianten) recht gut wiedergegeben. Auch MP3s sind brauchbar zu hören, so kann man sich während des Lesens der leichten Lektüre auch noch ohrlich verwöhnen lassen bzw. auf Hörbücher umsteigen. Irgendwann werde ich mal das Experiment machen, mir das Buch als Hörbuch vorlesen zu lassen und gleichzeitig den Text mitzulesen. Vielleicht ist das Genusserlebnis so, wie bei manchen Musikbegeisterten, die auch die Noten mit ins Konzert nehmen.

Was fehlt, habe ich bereits an anderer Stelle hier gepostet, deswegen gibt es dazu keine weitere Kritik.

Was schön ist, ist die super gute Lesbarkeit. Kaum ein Unterschied zu einem Taschenbuch. Ja klar, das Vor- und Zurückblättern um größere Seitenzahlen ist ein wenig langsam, weil man da keine gescheite Übersichtsseite mit Vorschau bekommt, um an andere Stellen zu navigieren. Aber für einen Roman ist das eher unerheblich. Da es keine Suchfunktion gibt, kann man den E-Reader leider nicht als Nachschlagewerk benutzen.

Anderes Thema ...

Seltsame Gefühle entstehen, wenn man sich im Web anschaut, was es alles als herunterladbare E-Book-Ware gibt. Ich meine weniger die Verwaltungsprogramm (da sind auch ein paar nette dabei; calibre gefällt), sondern mehr der Content.

Was will ich eigentlich lesen? Bereits Gelesenes einscannen? Das übrigens geht recht fix ... ohne große manuelle Eingriffe mit richtig eingestelltem automatischen Doppelseiten-Scanner ca. 800 Taschenbuch-Seiten in einer Stunde. Oder gegen gutes Geld was Aktuelles herunterladen?

Ich stöbere im Web nach kostenlosen Angeboten. Es gibt mehr als man im ersten Augenblick denkt. Aber will ich von Autoren, die ich nicht kenne, die nicht über einen Verlag publizieren, irgendwas herunterladen und lesen? Nur so die Zeit vertrödeln? Komische Bauchgefühle. Klar ist das alles auch (!) Literatur. Aber alles lesen kann man nicht. Also wie verfahren? Probieren oder gleich die Finger von lassen?

Ich fühle mich eigentlich immer wohl in Bibliotheken und Bücherläden. Finde mich zurecht. Finde Bücher, die mir gefallen. Bin gut im Querlesen und kann recht schnell interessante Autoren und Titel filtern. Aber ich kann das nur, wenn ich Bücher anfassen kann. So per Katalog oder Amazon kann ich zwar Fachbücher recherchieren, aber Belletristik würde ich darüber bestellen, aber nicht selektieren. Fürs Selektieren brauche ich irgendwie was Anfassbares. Das ist jetzt mein Problem bei den E-Books. Man kann sie nicht 'begreifen'.

Mal sehen, ob sich an dieser Situation in der nächsten Zeit etwas ändern wird. Ob und wie ich meinen E-Book-Reader benutzen werde ... Ich werde berichten - auch über meine Gefühle.

12.05.2009

tumblr

Auch wenn ich gerade gar nicht mehr weiß, wie ich zu Tumblr gekommen bin, es scheint eine recht ordentliche Plattform zu sein. Etwas mehr als Twitter ...

Schön ist aber auch, dass man Twitter verbunden bleibt. Sowohl das Füttern von Twitter mit Tumblr[Blog]-Beiträgen geht (man lässt aus Tumblr heraus seine Beiträge twitter) als auch die Möglichkeit, Twitter aus Tumblr heraus zu bedienen. Und, klar doch, man kann auch seine Tweeds als Feed in Tumblr aufnehmen.

Meine Tumblr-Blog-Seite findet man übrigens hier.

19.04.2009

Medienpädagogik oder Wie kommen wir zu den neuen Medien?

Immer wenn neue Dinge in den Fokus von Wissenschaftler (insbesondere Geisteswissenschaftlern) rücken, die man nicht sofort versteht, wird ein Begriff gebildet, damit man/frau das Thema ansprechen und vielleicht auch beherrschen kann. Nichts ist ja bekanntlich für einen Wissenschaftler so schlimm, wie das Problem, dass er sich irren oder jeden Tag eine unfundierte andere Meinung haben könnte *gg*.

Also so ist das wohl auch mit den neuen Medien und der Medienpädagogik *guck*. Das Schlimme daran ist, dass die Wahrnehmung so eingeschränkt ist. Also eine neue Schultafel ist ja auch ein 'neues' Medium - wir lachen mal fröhlich - und wer beherrscht schon als Lehrer 15 verschiedene Arten des Tafelbildes - äh, so viele gibt es? Wir lachen noch mal über diesen wirklich alten Pädagogenwitz.

Aber zurück zum Kern der Dinge: Wer aufmerksam den Wikipedia-Artikel liest (und ich verzichte hier mal, die Welt abzugoogeln), der findet das Telefon, das Handy, die SMS usw. gar nicht an erster Stelle. Nur gerichtete Medien tauchen hier auf: Rundfunk, Fernsehen ... ja stimmt nicht ganz, aber die Vorstellung von neuen Medien basiert auch fast immer auf dem Paradigma, es gibt Medien-Produzenten und Medien-Konsumenten. Und es muss sich irgendwas Mediales manifestieren ... nur flüchtige Momente sind (wie das Telefongespräch) sind keine neuen Medien. Oh Entschuldung, ich vergaß, das flüchtige Tafelbild bevor der Schwamm kommt ... ist das auch medial??? Und die sich selbst-zerstörende DVD?

Medien insbesondere neue Medien sind so einnehmend.

Warum können wir nicht einfach hingehen und sagen, ach da gibt es eine neue Technik oder ein neues Gerät und ein Teilaspekt ist auch medial ...

Ganz ehrlich, ich finde E-Mail und Blog-Schreiben hat mit neuen Medien nichts, aber auch gar nichts zu tun. Es ist in fast allen Aspekten das Gleiche, wie wenn ich einen Brief schreiben oder eine Zeitung herausgebe. Stimmt! Wir lehren in der Schule ja auch das Briefeschreiben und das Verfassen von Zeitungsartikeln. Genauso wie das Telefonieren (in Sinne eines Call-Centers) oder das Abwimmeln von unangenehmen Anrufen (seh ich da eine Lücke *gg*).

Das Problem der neuen Medien ist, dass jeder etwas anderes darunter versteht und jeder seinen individuellen Zugang zu diesem Thema problematisiert. Um das mal auf den Punkt zu bringen: Medienpädagogik beschäftigt sich mit dem Einrichten und Bedienen eine Videorecorders und der dazugehörigen Fernbedienung, nicht wahr? Und dem Programmieren der aufzuzeichnenden Sendungen ... deshalb müssen wir einen Programmzeitschrift lesen können und einen Plan machen, damit wir Überschneidungen bei der Aufzeichnung vermeiden. Und natürlich müssen wir im Matheunterricht lernen, wie die Angebote von TV-Providern berechnet, um sich das kostengünstigste bestellen zu können. Klar, die Klingeltonabrechnung für Handy sollte man auch nachvollziehen können. Die Medienkompetenz eines Lehrer besteht also hauptsächlich darin, möglichst viele aktuelle Kaufangebote beim MediaMarkt zu kennen, um auch kompetent über die Vor- und Nachteile reden zu können. Gut, das wir uns so schön missverstanden haben.

Was ehe weniger bedeutsam ist, sind die Inhalte oder Neudeutsch den Content zu verstehen. Weil das ja auch den Medien-Produzenten meist abgeht, Hautpsache es wird ja konsumiert ... und zu Marktforschern wollen wird ja nicht unbedingt unsere Schüler ausbilden oder zu Kritikern oder zu noch Schlimmeren: zu kritischen Konsumenten. Oder? Nur weil wir ein Problem mit den neuen Medien haben, müssen es andere ja nicht unbedingt auch haben.

Also zusammengefasst: Computer und Web sind eigentlich nicht besonders geeignet, komplett als neues Medium betitelt zu werden. Sie sind sicherlich Tool, um sich medial auszudrücken und medialen Content zu transportieren. Aber ich denke, man sollte sich genauer mit den Dingen auseinandersetzen und nicht so pauschal. Statt Weblog könnte man sich auch auch Tageszeitschriften-Kolumne und Leserbriefe anschauen; die technische Übersetzung macht nicht den großen Unterschied aus, der Ansatz ist ja das entscheidende. Statt Twitter könnte man auch das beliebte Bild vom Großraumbüro nutzen ... Wie unterhält man sich denn dort? Welche Regeln muss man einhalten? An wie vielen Gesprächen kann man gleichzeitig teilnehmen? usw.

Meine Bitte, schaut nicht immer auf des Neue, auf das Technische, sondern lieber auf das Wesen dahinter, welches meist nicht wirklich neu und technisch ist. Lediglich immer nur auf der Dramatik des "Huch da gibts was, was ich noch nicht ganz beherrsche, also schnell mal daran und einordnen" herumreiten, wirkt im Laufe der Jahrzehnte immer monotoner und so: "ach nun kommt das schon wieder ..."

14.04.2009

Seminare designen

Beim Aufräumen fiel mir ein Prospekt in die Hand: SEMINARDESIGNER. Ein PC-Tool, das mein Interessen weckt. Auf der Webseite gibt es eine kleine Vidoedemo, die in aller Kürze das Wesentliche zeigt. Ja, es sieht ein wenig altbacken aus, aber das ist ja nicht das entscheidende. Wichtig sind die Möglichkeiten und die Freiheitsgrade (muss man sich verbiegen, wenn man das Tool einsetzt) und ich denke, da hat Michael ein durchaus als offen zu bezeichnendes System geschaffen.

Vorsicht, es ist kein Moodle oder sowas ähnliches. Es geht hier nicht darum, dass die Teilnehmer von einer Web-Plattform her versorgt werden. Es geht bei dem Tool darum, wie man Seminarveranstaltungen plant und inhaltlich/methodisch gestaltet.

Was ich auf die Schnelle nicht gefunden habe, ist, ob es einen Austausch zwischen verschiedenen Instanzen des Seminardesigners gibt, zum Zwecke des Austauschs von Inhalten und Abläufen. Also die Frage nach den Schnittstellen gestellt.

Nebenbei entdecken ich auf der Webseite eine Info über didaktische Methoden. Ich bin überrascht. Ich bin zwar sonst kein Anhänger von solchen Dingen, aber diese kleine Sammlung ist interessant.

12.04.2009

Twitwiki - Version 1

Ich hatte ja schon die Idee mit einen Screeny abgekündigt: Twitwiki. Jetzt ist es soweit. Ich hab die Zeit gefunden, mal die Dateien zu kommentieren und für den Download aufzubereiten. Man findet sie hier.

Viel Spaß.

07.04.2009

E-Books

Ich warte schon seit rund 15 Jahren auf vernünftige E-Book-Reader. Grund dafür, es spart Bäume (Papier) und könnte so viele zusätzliche Funktionen wahrnehmen:

- automatisch vorlesen,
- automatisch übersetzen,
- Bücher in verschiedenen Auflagen und Versionen vorhalten (und sogar aktuell halten, wenn vernetzt),
- Anmerkungen automatisch verwalten (gescheite Software dafür gibt es bis heute noch nicht)
- automatisch gesprochene Kommentare als Text hinzufügen (Spracherkennung),
- Lesefluß-Abweichungen in Büchern ermöglichen,
- Frage/Antwort-Spielereien
- Lexika-Integration
... die Liste ist nicht zu Ende ...

Im Grunde ein Gerät mit dem man alles tun kann (PC, Handy, Notebook, Web, Navi, Foto, GPS, MediWatch, ...), man bräuchte nur noch ein Gerät ... den Companion.

Wenn es dann noch universelle Standards gäbe, so dass man auch in 250 Jahren die E-Books von heute abspielen könnte ... und wenn die E-Book-Geräte nur 100 Euro kosten würden und die E-Books nur 10% der heutigen Bücher kosten würden ... dann könnte man langsam darüber nachdenken, ob es perfekt wird. Klar, es müsste unterschiedliche Größen-Formate geben, ich denke an die schönen Folianten im A3-Format ... Und natürlich müsste man auch lesen können, obwohl auch Bilderbücher als E-Books ihren Charme hätten.

Aber es wird natürlich erst einmal anders kommen. Zur Zeit formieren sich die Hersteller von E-Book-Geräten und ihre Pendants, die Verlage. Sie produzieren teuren (nicht wirklich guten) Schnickschnack ohne wirklich RAM und Integration für einen Preis, wo man einen guten PC für bekommt. Dann kommt noch die Format-Vielfalt, die geringe Aussicht auf Zukunftssicherheit (Wer macht mal einen Kaufvertrag über ein E-Book mit Funktionsgarantie in 100 Jahren???? Locker mit gedruckten Büchern möglich) und die unsägliche DRM-Geschichte ... Also lernfähig sind sie nicht, die E-Book-Verkaufsgemeinschaft. Sie hätten doch mittlerweile lernen müssen, wie es mit den MP3-Portalen funktioniert und was der Kunde eigentlich will. Auch ist überhaupt nicht zu verstehen, warum sie jetzt Profit machen wollen ... sie können sich doch 20 Jahre Zeit lassen, bis es break-even wird ... wenn E-Books mal da sind, dann wird es doch keine anderen Bücher mehr geben. Aber wahrscheinlich sind die Leute immer noch überzeugt davon, dass ihr Ansatz eh nur für ein paar Jahre gut ist ... was soll man mehr dazu sagen.

Die Buchhändlerin wollte mir erklären, wie das E-Book von Sony funktioniert und musste gleich bei meiner ersten Frage passen ... Sie entschuldigte sich und sagte, ich wäre wohl nicht die typische Zielgruppe für E-Books, weil Bücherkäufer ja eher nicht-technisch versiert sind. Mein Interesse an einem E-Book-Reader reicht wohl nicht und meine 35 Buch-Meter sind wohl auch nicht wirklich bedeutsam, mich als Zielgruppe zu identifizieren. Danke schön auch ... ich werden meine Computerfachbücher nun doch woanders kaufen.

In einem Artikel zu E-Books wird Thomas Schierack zitiert, die E-Book-Vermarktung wird bei der Verlagsgruppe Lübbe vorerst auf Science-Fiction-Literatur liegen, denn SciFi-Fans seien webaffiner. Wohlan, es bleibt zu hoffen, dass diese Zielgruppe sich das gefallen lässt.

Meine Prognose: Es wird werden wie bei den anderen Medien. Nach einer Zeit des Herumspielens wird irgendwo ein offener Standard kommen und den Markt aufrollen. Bis dahin getätigte E-Book-Käufe sind dann für den Arsch. Die Buchläden werden drastisch verschwinden (ich kann ja auch schon heute fast alle gedruckten Bücher beim Computerversender Alternate bestellen) und 90% aller Bücher wird es dann als Downloads geben, da wird Amazon schon für sorgen. Die Lesegeräte werden in die Handies und Netbooks integriert, das liegt doch auf der Hand - auch wenn sich die Handies und Netbooks noch dramatisch weiterentwickeln werden, so dass sie sich von heutigen sehr unterscheiden werden. Sie werden bei einschlägigen Medien-Kaufhäusern im Regal stehen.

Bei allem fehlt eines, was keiner bislang in die Marketing-Strategie eingeplant hat: Das (unprofessionelle) Vorlesen durch Menschen wird an Bedeutung gewinnen. Wieso ich darauf komme? Mit der Einführung von PowerPoint haben sich auch die Vorträge verzwanzigfacht ...

Was fehlt den E-Books wirklich? Die Kollaborations-Komponenten und das Modul zum Schreiben und Veröffentlichen von Büchern. Erst wenn jeder ein Autor werden kann und wenn jeder mit anderen über seine Meinung kommunizieren kann, werden die E-Books ihre Reife erlangen. Mal sehen, wie der Nintendo zum Bücherschreiben ausfallen wird.

18.03.2009

LdL-Evaluations-Fragebogen

Entweder hab ich ihn noch noch nicht gefunden in den unendliche Weiten des Web oder es gibt ihn nicht. Dabei ist es doch so nahe liegend, den LdL-Unterricht mal aus der Perspektive der Schüler zu untersuchen. Also hier ist er, der ultimative 5-Minuten-LdL-Fragebogen für Schüler, Studenten und andere Gelegenheiten.

Du hast gerade an einem LdL (Lernen durch Lehren) - Unterricht teilgenommen. Es wird jetzt Zeit, dass du deine Meinung dazu kundtust. In diesem Fragebogen wirst du konsequent geduzt; später vielleicht nicht mehr ;)

Frage 1: Hast du schon mal was von Lernen durch Lehren (LdL) gehört?
Antwort-Auswahl (mindestens ein Kreuz machen):
[ ] Ja [ ] Nein [ ] Noch nie [ ] Schon ganz oft [ ] Jein


Frage 2: Wie häufig hast du schon an einer LdL-Unterrichtsstunde teilgenommen?
Antwort (genau eine Zahl): .....

Frage 3: Was fandest du wirklich nicht gut an der Unterrichtsstunde?
Antwort ist frei zu formulieren (sei streng): ............

Frage 4: Was war gerade richtig gut an der Unterrichtsstunde?
Antwort-Auswahl (mindestens zwei Kreuze):
[ ] interessant [ ] locker [ ] spannend [ ] viel gelernt [ ] mich noch nie so gut gefühlt [ ] hab den Lehrer/die Lehrerin mal von einer anderen Seite kennengelernt [] die Musik im MP3-Player [ ] mein Mitschüler .... [ ] meine Mitschülerin .... [ ] weiß nicht [ ] nichts [ ] andere Dinge: .........


Frage 5: Was würdest du verbessern am Unterricht?
Antwort ist frei zu formulieren (gib dir Mühe): .........

Frage 6: In welchen Fach fändest du es auch gut, LdL-Unterricht zu erhalten?
Antwort ist frei zu formulieren: ...........

Frage 7: Welcher Lehrer / welche Lehrerin könnte deiner Meinung nach, auch gut diese LdL-Methode einsetzen (und tut das noch nicht):
Antwort ist frei zu formulieren: .........

Frage 8: Findest du es gut, dass LdL hier im Unterricht gemacht wird?
Antwort-Auswahl (genau ein Kreuz):
[ ] ja [ ] nein


Danke schön für deine Unterstützung.

Damit jeder bedenkenlos diesen Fragebogen einsetzen kann, gilt das Folgende: Der Fragebogen ist urheberrechtlich geschützt und steht unter der Creative Common Lizenz: Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland. Zusätzlich ist jede Veränderung des Fragebogens per Web-Veröffentlichung der Allgemeinheit zugänglich zu machen und per Link in diesem Blog-Thread (Kommentar) zu referenzieren.

04.03.2009

Twitwiki

Tweets sind kleine Informations-Häppchen. Das Konzept sieht vor, dass ein Tweet einen eindeutigen Absender hat und sich an alle oder per 'Reply' an einen oder einige richten kann. Ein Zeitstempel wird mitgeführt und man kann auch den Twitter-Client ausmachen. Zum Zwecke der Suche (oder auch Zuordnung) kann man 'taggen': ein Wort mit einem #-Zeichen einleiten. Es dürfen mehrere Tags verwendet werden.

Datenanalytisch wäre ein Tweed eine Relation aus den folgenden Attributen:

tweet(from[1x], to[0-Nx], timestamp[1x], tag[0-Nx], text[0-1x])
Einige Attribute werden durch Kennzeichnung im Text definiert. Soetwas kennt man auch bei Wikis. Auch dort dienen Textmarken der Definition bestimmter Informationen (Überschriften, Links usw.).

Wenn man den Tweet verlängert (z.B. 64KB) und weitere Tags definieren würde, dann könnte man daraus verschiedene Anwendungsfälle eines Informationssystems abdecken.

Mögliche Attribute könnten sein:

?text = Stichwort, Key [0-1x]
!date = Datum, Datum+Uhrezeit [0-1x] für einen Kalender oder einen Termin
^zahl = Priorität für eine ToDo-Liste
°hhh = Farbcodierung [0-1x] [h=Hexawert, hhh = rgb] bei der Anzeige
$zahl = Währung-Betrag [0-1x] für eine Buchung
=>kto = Empfänger-Konto [0-1x]
<=kto = Absender-Konto [0-1x] {id} = Link zu einem anderen Tweet per ID {url} = Link zu einer externen URL


Anwendungfälle könnten dann sein: Terminkalender, Wiedervorlage, ToDo-Liste, einfache Buchhaltung, Ideenspeicher, Memos mit Verlinkung, Listen aller Art (Adressen), Archiv (durch Verlinkung auf externe URLs), Wissensspeicher (durch Verlinkung untereinander) ...

Für die Anwendungsfälle wären spezielle Ausgabe-Sichten notwendig. Ändern und Löschen der Tweets sollten verfügbar sein. Und natürlich muss die Privatsphäre der User gewährleistet sein (Benutzerdatenbank) und auch bei allen Abfragen berücksichtigt werden. Eine Volltextsuche sollte natürlich auch vorhanden sein.

Ein Prototyp dieser Weblikation ist gerade im Test ...



Nachtrag: Hab den Name des Projekts geändert von Twaki nach Twitwiki. Warum? Weil ich nicht mit einer afrikanischen Stadt verwechselt werden wollte. *gg*

03.03.2009

Twitter-Diskussion bei Vorträgen

Sie hat sich irgendwie von alleine in den Vordergrund gedrängt: Die Frage, wie geht man bei einem Vortrag/einer Präsentation mit Twitter um (*schau hier*).

Also das Szenario kurz beschrieben: Ich halte einen Vortrag und habe zwei Projektoren. Einer zeigt meine Präsentationsfolien und der andere den Twitter-Feed über die Diskussion, den das Auditorium zu meinem Vortrag führt. Sinn: Alle können sofort und gleichzeitig eine 'stille' Diskussion über das gerade Gesagte/Vorgestellte führen und durch die Projektion wird sie auch (ver-)öffentlich(t).

Ist ein solches Szenario möglich? Oder wird die Gleichzeitigkeit zu einer Überforderung? Wann und wieviele Pausen braucht man? Wann und zu welchem Zeitpunkt sollte der Referent die Twitter-Diskussion wahrnehmen, aufarbeiten, in seine Präsentation mit einbeziehen? Wieweit können in der Diskussion Rückverweise auf vorangegangene Tweeds erfolgen, da diese vielleicht schon nicht mehr auf der Projektionsfläche sind (weil schon zu viele Tweeds oder diese schon zulange zurückliegend) und daher für Dritte nur noch schwer nachvollziehbar. Sollten auch private Zweier-Twitter-Dialoge möglich sein?

Und natürlich die Kardinalfrage: Lenkt das Twittern nicht alle zu stark ab, so dass ein twitternd diskutierender Teilnehmer weder dem Vortrag noch der Twitter-Diskussion nicht mehr gleichzeitig folgen kann? Macht es daher Sinn, dass die Präsentation auch vorher schriftlich als Kopie ausgegeben wird, damit man bei eventuellem Fadenverlust wieder schnell einsteigen kann?

Lenkt es ab, wenn was Lustiges getwittert wird und alle lachen, außer dem Vortragenden, der das ja nicht unbedingt mitbekommt?

Wie geht man mit Fragen um, die per Twitter gestellt werden. Organisationstechnisch gesehen könnte man ja einen Tag (#Frage) mit in den Tweed aufnehmen und mittels eines Feedclients selektieren lassen, so dass man die Fragen auch immer sieht. Wie hakt man beantwortete Fragen ab? Wie fasst man Fragen zusammen? Gibt es für solche Anwendungsfällte bereits geeignete Clients (Software)?

Sollte man lieber andere partizipative Kommunikationsprodukte suchen (Gruppenchat)? Ist es ein Problem, dass Twitter auch öffentlich ist, also die Diskussion immer auch öffentlich verfolgt werden kann - auch von Leuten, die den Zusammenhang der Gesamtveranstaltung nicht kennen (dem Vortrag ja nicht folgen)? Muss man für diese nicht eine Art Twitter-Protokoll der Veranstaltung liefern, damit sie die Diskussion nachvollziehen können? Gibt es schon ähnlich der Twitterfeeds eine Idee, wie man Life-Präsentationen via Twitter protokolliert (ich denke daran, das man ja bestimmte Techniken des Aufdeckens/Sichtbarmachens von Präsentationsinhalten mit einem Tweedfeed-Auslöser verbinden könnte)? Werden Twitter-Server durch eine solche Vorgehensweise überfordert (Anzahl der Tweeds, Abrufhäufigkeit, Geschwindigkeit)? Braucht man einen eigenen Twitterserver? Könnte das etwas für Dienstleister sein? Macht jemand das schon?

Also was meint der geneigte Leser, die geneigte Leserin: Kann bzw. sollte man bei Vorlesungen, Seminarveranstaltungen und Schulstunden die Teilnehmer auffordern zu twittern (mit einem entsprechend einheitlichen Search-Tag) oder ist dafür die Zeit noch nicht reif?

Ich habe im Kommentar zu obigem Link von Chris gelesen, dass er sagt, dass es auf Barcamps schon häufiger so zugeht. Also jetzt nicht die Twitterei, die nicht am Barcamp teilnehmenden Menschen über der Vortrag informiert, sondern die Twitterei, die von den Teilnehmern über den Vortrag geführt wird. Mich würden da die Erfahrungen sowohl seitens der Teilnehmer und seitens der Vortragen interessieren.

Anmerkung. Gibt es hierzu bereits Gedanken und eine schon heftig geführte Diskussion? Wenn nein, warum nicht?

NACHTRAG:

Ich habe gerade ein nettes Tool namens Twiddla entdeckt, mit dem man beliebige Web-Seiten und daher natürlich auch einen Twitter-Feed kommentieren kann und das sogar im Team. Das Teil ist auf der Webseite aufzurufen und einzurichten und ist zur Zeit kostenlos. Sieht gut aus!

24.02.2009

Weshalb meine Schuhgröße im Netz steht

Hab gerade einen Kommentar zu dem Beitrag von Sascha Lobo "Weshalb meine Schuhgröße im Netz steht" geschrieben. Er bezieht sich auf den Artikel selbst und seine bislang 3 Kommentare:

Doch - im Internet gibt es viele Seelen: Die meisten sind nicht gerade glücklich. 30km von Paderborn entfernt in einem 300 Seelenkaff (!) gibt es nicht wirklich was für junge weibliche Seelen. Ausbrechen geht manchmal nicht, weil da Kinder und der Mann abends sind. Aber es gibt das Internet! Und da kann man sein "zweites" Leben führen: fiktiv natürlich, als Avatar freilich, und nach Gefühlen und Verständnis suchend! Wäre das nicht so, für was würde man dann noch leben wollen??? Die Realität (das "real life" oder Realleben (RL)) bietet ja nicht wirklich was.

Sollen wir nun beide (lieber Leser/liebe Leserin) Google-Earth anwerfen und über die deutschen Landen fliegen und Ausschau halten nach den Inseln des Glücks? Wo sind die denn? Wer es nun immer noch nicht kapiert hat, social web, mmorpg, twitter, bloggen, chatten und flirten sind die Dinge, die einem manchmal nur noch bleiben. Wenn man sie betreibt, dann nur, um in einer schöne Illusion seine Zeit zu verbringen. Dann ist es nur natürlich, dass man sich ausstaffiert, allerdings so, dass man für andere erreichbar bleibt (26 Jahre, weiblich, Student ... - wie oft habe ich das schon gelesen).

Natürlich gibt es die Web-Elite, die das nicht nötig hat; die von einem Hype zum anderen hüpft (der Verfasser ganz oben gehört auch dazu), aber es gibt auch den 40-jährigen Arbeitssuchenden und die 70-jährige am Laptop im Heim, die ein Online-Spiel den ganzen Tag lang spielt, weil es sonst nichts im wirklichen Leben gibt. Nicht zu glauben? Seelen? Seelen! Und da können Admins so viel sie wollen an den Steckern ziehen. Das Leben - auch das virtuelle - findet immer einen Weg ...

Itari [itari_itari@twitter]

13.02.2009

Takt

Taktgefühl :: Respekt vor den Geheimnissen der fremden Seele.

Etikette, Knigge und gutes Benehmen sind eine Sache, Takt eine andere.

Ein ausgeprägtes Taktgefühl ist im sozialen Umgang nicht zu unterschätzen. Taktvolle Kommunikation bewahrt Gesprächspartner vor Peinlichkeiten. Das setzt Empathie voraus und bedeutet: Man muss sich selbst zurücknehmen können. Gar keine so leichte Sache.

Takt ist angewandte soziale Intelligenz: Er baut Konflikte ab und verhindert Stress. Kinder und alte Menschen sind oft ziemlich ehrlich - und taktlos.

Authentizität

Ein schöner Artikel in der Psychologie heute (Oktober 2008) zu diesem Thema.

"Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu!" Als authentisch gilt, wer in Übereinstimmung mit sich selbst, mit seinen innersten Überzeugungen und Werten lebt und aus ureigenstem Antrieb handelt. Authentizität ist das ungehinderte Ausleben des wahren Selbst im Alltag.

So wird versucht, den Begriff zu füllen. Echtheit - wir wollen so leben, dass wir uns treu bleiben können. Wir leiden, wenn wir uns verbiegen müssen. Maslows Idee der Selbstverwirklichung hat unsere Zeit geprägt. Aber: Erfinden wir unsere Authentizität oder entdecken wir sie nur? Die Suche nach dem wahren Ich gestaltet sich als schwierig. Ist das Zeigen von Gefühlen bereits Echtheit? Oder erst, wenn es an die Grundüberzeugungen geht, an die eigenen Werte? Hängen wir einem Selbstklischee an oder sind wir ehrlich zu uns selbst? Ist das Authentische auch das Kluge, das Sinnvolle in jeder Situation? Oder schließen wir nicht aus Rücksicht auf uns und andere ständig Kompromisse? Lieber ein charmanter cleverer Hochstapler als ein ehrlicher gradliniger Typ sein, der wegen seiner Offenheit gemieden wird?

Die Virtualisierung des Lebens schreitet voran. Wir präsentieren uns dort so, wie es unseren Wunschbildern entspricht: als Avatar oder Fake. Oft nehmen wir sogar multiple Identitäten an. Thomas de Zengitca schreibt: "Von nun an werden die Menschen sich selbst erfinden und diese Erfindungen aufführen. Sie werden nie wieder einfach nur sie selbst sein." Hat es eigentlich je die Realität gegeben? Oder war Realität nicht schon immer ein Konstrukt? Denn auch das Echte muss ja inszeniert werden und geschickt präsentiert werden, damit es überhaupt wahrgenommen wird. Wer nicht authentisch rüberkommt, muss sich "neu erfinden", heißt es, will sagen, muss sich eine neue Persona zulegen, am Image feilen. So kommt es zu der paradoxen Situation, dass uns der als authentisch erscheint, der am besten diese Rolle spielt ...

Kennen und Vertautsein

"Sage mir, mit wem du Umgang hast, und ich sage dir, wer Du bist."

Schönes Sprichwort. Enthält eine Wahrheit. Stammt aus einer "langsamen Zeit"; also einer vergangenen Zeit, wo die Lebensumstände und -entwicklungen langsam vonstatten gingen. Wo der Mensch am Morgen wusste, was er am Abend machen wird. Wo er in seiner Jugend den Grundstock für sein Leben und sein Alter legte. usw. usw.

Das Sprichwort müsste man ein wenig verändern, damit es besser in die heutige Zeit passt (es würde natürlich auch in der Vergangenheit seine Gültigkeit behalten, der Blickwinkel wäre nur anders): "Zeige mir, mit wem du deine Kommunikation pflegst und ich sage dir, wer du werden wirst."

Kommunikation verändert uns. Wir lernen hauptsächlich Neues, Einstellungen, Haltungen, Kenntnisse durch Kommunikation. Die Medienwelt hat Einfluss auf unser Leben bekommen. Die meisten Menschen kommunizieren nicht mehr direkt, sondern über Kommunikationsmittel. Wir haben zu viel mehr Kommunikationspartnern Verbindungen als in früheren Zeiten es je war. Die Welt ist vielfältig und wir müssen sie erlernen, um sich in ihr zurechtzufinden. Diese Anpassungsleistungen verändern uns ständig. Wir verändern uns.

Lernen wir jemanden kennen, dann wissen wir etwas über ihn und machen uns ein Bild über die uns wichtigen aber fehlenden Dinge. Nach einem Prozess des Abgleichens stellen wir fest, dass unser Bild stabil bleibt und wir prognostizieren, dass es auch in (naher) Zukunft so bleiben wird. Diesen "Kennen" als Basis erzeugt ein "Vertrautsein" mit dem anderen. Unser kognitiver Dissonanz-Apparat verzaubert uns ab dann, die neuen Informationen über den Anderen so zu filtern, dass wir uns in unserer Meinung bestätigt fühlen. Erst wirklich große Abweichungen werden als Abweichung wahrgenommen, denn wir möchten uns in unserem Bild vom Anderen nicht selbst enttäuschen. So stabilisiert sich die Vertrautheit selbstregulierend.

Wir verändern uns. Alle anderen auch. Es ist völlig klar und normal, dass dies so ist. Es ist auch völlig klar und normal, dass wir irgendwann einmal an die Grenzen unserer Vertrautheit mit anderen stoßen; sie werden wieder "fremd" für uns. Manchmal enttäuschen sie uns dadurch. Nein eigentlich enttäuschen sie unser Bild und unser Stimmigkeitsgefühl über das Bild von ihnen. Auch umgekehrt passiert dies: Wir werden fremd für andere.

Manchmal wird man von der "Fremdheit" positiv überrascht und man genießt sie. Man hat sich zusammen (weiter-)entwickelt. Manchmal ist die "Fremdheit" verletzend: "so kannte ich dich ja bisher noch gar nicht".

Manchmal wird jemand nicht fremd: "Herr K. traf  B. nach 20 Jahren wieder. B. war immer noch der alte - er hatte sich gar nicht verändert." Dann wird es ganz schlimm.

Nähkästchen (Teil 4)

Das Ende naht. Gegen 16:30 Uhr frage ich in die Runde: Na, haben wir genug geschafft für heute? Nicken. Wenn jemand noch mit mir etwas besprechen möchte, ich bin noch ein paar Minuten da. Wer braucht eine Mitfahrgelegenheit zum Hotel? Machen wir heute Abend etwas zusammen? Ja? Treffpunkt auf dem XYZ-Platz um 19:30 Uhr? Ok. Dann bis dahin. Verabschiedung. Zwei fahren mit mir mit.

Bis zum Treffen noch kurz ins Internet: Blogs kommentiert, E-Mails abgerufen, im Twitter nachgeschaut, was die Welt so denkt. Bürokram erledigt, soweit man das im Hotel tun kann. Dann bummeln durch die Stadt, Geschäfte anschauen, den Alltag genießen.

Wir treffen uns. Jemand schlägt ein Restaurant vor und wir gehen in diese Richtung. Kleingruppenbildung. Ich frage, ob die Unterbringung auch überall zufriedenstellend ist. Die meisten waren schon öfters im Fortbildungszentrum und berichten von ihrem gerade absolvierten Saunagang. Wir schlendern die Straße entlang und ich bemerke, dass die Gruppe doch recht gut miteinander auskommt und bislang niemand eine Außenseiterrollen wahrnimmt.

Das Studium der Speisekarte führt zum Vergleich der regionalen Küchenkenntnisse. Was man sich empfehlen würde - bei kleinem oder bei großem Hunger. Die Getränke rücken an. Man erzählt sich schnell private Kleinigkeiten: wo der letzte Urlaub war, die Hobbys werden ausgepackt und berufliche Veränderungen angesprochen. Mittlerweile sind wir alle beim Du angekommen. Ich erfahre 'bekannte' und neue Neuigkeiten. Die Zwanzigjährige bringt sich ins Gespräch genauso locker ein wie der Sechzigjährige. Familie, Kinder, Alleinerziehung, Angehörigenpflege, Auslandsaufenthalte - alles kommt irgendwann ans Tageslicht. Auch schwierige Themen, wie Mobbing und die Meinung über verfehlte Stellenbesetzungen werden beim Einnehmen der Speisen bearbeitet. Die zweite oder dritte Runde wird eingeläutet: getränkemäßig.

Was ich denn noch so mache, wird gefragt. Kurse, Coaching, Konzeption/Durchführung von Weiterbildungsprojekten und Hilfe an der Schnittstelle Mensch/Computer/Internet. Ob ich denn auch programmieren könnte oder diese oder jene Software kennen würde? Ob ich mich auch mit Projektmanagement auskennen würde? Was ich denn studiert hätte? Viele Fragen und ich beginne ein wenig über meine Arbeit zu reden ... Irgendwann auch von den neuen interessanten Erfahrungen im Web 2.0 und von Twitter. Einige kennen sich mit Chatten, Blogs und dem social network bereits aus. Andere blocken ein wenig ab: Wozu das denn gut sein soll? Dass man gar nicht so viel Zeit privat dafür hat ... Ich frage nach. Ob die Kinder in der Familie nicht damit Umgang haben oder der Partner, die Partnerin? Ob jemand auch Online-Rollenspiele spielt? Ob das Thema Computersucht ein Problemthema wäre. Ja, dazu würde ich auch Vorträge halten und man kann mich auch gerne in eine Schule einladen ... Wo denn alles hinführen wird ... Ob ich da nicht etwas zu sagen könnte ... Manchmal erzähle ich etwas von meine Spielfiguren in Online-Spielen, von den Freunden im Forum, von den neuen Bekannten in Twitter. Manchmal zeige ich die Kräuterbonbons, die meine kleine Hexe immer bei sich trägt und manchmal erzähle ich etwas von der neuen, virtuellen Welt, wo wir mit den Vorstellungen der 'realen Welt' oft an die Grenzen stoßen, wo andere Regeln gelten und wo in atemberaubender Geschwindigkeit neue intensive Beziehungen entstehen und wieder vergehen, wo Spaß und seelisches Leid wie im realen Leben gefühlt werden und wo riesige Infrastrukturen von den Beteiligten erstellt werden, um den Spielspass zu organisieren. Manchmal führt das zu Staunen, dass der Mensch solche Welten wie "Second Life" erschaffen hat in den letzten Jahren. Fast unbegreifbar für alle, die noch keinen Blick hineingeworfen haben; selbstverständlich für andere, die ihre Geschichten dann erzählen. Ich flirte für eine kritische Neugier und erzähle, dass sogar Hochschulen in diesen Welten ihren Unterricht abhalten.

Um 22 Uhr wird es Zeit für uns. Der Tag war lang und der morgige Tag ist wichtig für die Gruppe, da ist ein klarer Kopf wichtig und wenig Zeit für Müdigkeit. Wir brechen auf und auf dem Rückweg zum Hotel wird unsere Gruppe immer ein wenig kleiner. Gute Nacht und bis morgen.

Warum das alles? Der Mensch ist Mittelpunkt. Und nur wenn wir ihn ganz wahrnehmen, können ernst gemeinte Lernprozesse greifen, dann aber mit einer unerwarteten Heftigkeit.

12.02.2009

Nähkästchen (Teil 3)

Die Wände füllen sich mit Flip-Charts zu den verschiedenen Themen: Drucker, Bildschirm, Spracheinstellungen der Tastatur. Wie funktioniert eigentlich ein Programm? Datenbereich, Code-Segment, Stack, virtuelles Memory, Page-Faults, Auslagerungsdatei. Wie kann man einstellen, ändern, nachschauen, messen ... Fragen werden gestellt, gegoogelt und immer wieder nachgeschlagen im Wiki oder im Buch. Zusammenfassungen in Form von Mind-Maps entstehen. Ganz im Sinne von Visual Facilitating & Graphic Recording – das bedeutet mit Grafik, Text und Bildern die Kommunikation in Gruppen zu erleichtern. Alle stellen Fragen, alle sind engagiert. Es bilden sich spontan Zweiergruppen, die auf meine Rückfragen Einstellungen an ihrem PC ausprobieren oder im Web Details recherchieren.

Zeit für den ersten Fragebogen.Ich kündige ihn als einen Test an. Erschrecken. Wie? Tests werden hier geschrieben? Ja, klar! Aber es sind ganz besondere Tests. Man darf alle Hilfsmittel, wie Internet, Buch, eigene Skripte verwenden, inklusive der Möglichkeit, vom Nachbarn abzuschreiben. Ah so. Und Abgeben braucht man den Test auch nicht. Der erste Test ist ein Multiple-Choice-Test. Beispiel-Fragen:

1. Welche Bauteile befinden sich auf der Hauptplatine eines PCs?  Mikroprozessor | Festplatte | Bussystem | BIOS
2. Welche Aufgaben hat das RAM? versorgt den Prozessor mit Daten | flüchtiges Zwischenspeichern von Daten | ersetzt eine Festplatte | löscht überflüssige Daten
3. Was bedeutet der rote Streifen auf einem Flachbandkabel? kennzeichnet eine Festplattenkabel | kennzeichnet ein High-Speed-Kabel ("Rallystreifen") | kennzeichnet Pin-1 | kennzeichnet Pin-50

Wie der geneigte Leser sofort sieht (*gg*), sind die Fragen bei genauem Durchdenken nicht eindeutig zu beantworten. Ist das BIOS nicht eher ein Programm und gar kein Bauteil oder ist der Chip da hinten nicht der Sitz des BIOS? Kann ein RAM nicht auch eine Festplatte simulieren (RAM-Disk)? Und ist das Teil mit dem roten Streifen nicht meist ein Festplattenkabel und zugleich eine Pin-Kennzeichnung?

Die Auswertung der Fragen wird von den Teilnehmern selbst durchgeführt. Es geht der Reihe nach Frage für Frage und jeder berichtet und begründet seine Antworten. Dann wird diskutiert, ob man die Frage nicht auch anders hätte beantworten können ... manchmal muss man ein wenig nachhelfen. Niemand hat das Gefühl getestet worden zu sein.Das Gefühl ist eher wie beim Quiz - man will verstehen, was denn nun richtig ist und was unrichtig. Und man muss seinen Standpunkt vertreten. Oft ist der erste Schluss nicht ganz durchdacht und die Fragen gewinnen an Tiefe. Das ist ja auch der Sinn der Übung: Sich selbst sicherer im Verständnis und in der Kenntnis zu machen. Nicht immer sind es todernste Antwortvorgaben; nicht immer sind es Multiple-Choice-Fragen.

Wenn die Gruppe gut ist, dann dürfen die Teilnehmer ab dem 3. Fragebogen sich selbst Fragen und dazugehörige Antworten ausdenken. Entweder finden sich Zweier-Gruppen oder jeder macht 2 Fragen selbstständig. Die Fragen werden von mir eingesammelt und als Text ausgedruckt und dann wird verteilt. Bei der Auswertung dürfen die Fragesteller moderieren. Fast immer sind die Fragen niveauvoll (reflektieren den durchgenommenen Stoff) und fair. Mittlerweile habe ich einen beachtlichen Fragen-Fundus. Wenn das Fragebogen-Spiel eingeübt ist (in den weiterführenden Kursen sowieso), gibt es Zeitvorgaben beim Ausfüllen. Auch wenn manchmal eine Frage nicht beantwortet wird, empfinden die Teilnehmer keinen Stress, sondern freuen sich auf diese Art der Wiederholung und Vertiefung, denn fast immer findet eine klärende und vertiefende Diskussion statt.

Praxis, Praxis, Praxis. Die zweite Form der Teilnehmertestung sind die Fehler-Such-Workshops. Die Gesamtgruppe wird geteilt. Der eine Teil verlässt den Raum. Die andere Gruppe baut einen Fehler, ein Problem in einen Testrechner ein und wählt einen aus ihrer Mitte, welcher den "hilfesuchenden User" spielt. Dann wird die zweite Gruppe instruiert, wer Gruppenführer spielt und den Dialog mit dem User führt. Dann treffen beide Gruppe wieder zusammen und der Dialog einer Support-Situation wird eingeleitet. Natürlich werden die Rollen überzeichnet gespielt und fast immer wird alles mit einem Schmunzeln von dem Rest kommentiert. Je nach Aufgabenstellung wird mehr Wert auf das Lösen des Fehlerfalls, auf die Kommunikationssituation oder auf das methodische Vorgehen bei der Diagnose gelegt. Die Lösung dauert zwischen 10 und 60 Minuten je Fall. Wenn sich keine Lösung abzeichnet, werden schon rechtzeitig Hinweise gegeben. Anschließen wird eine Auswertungsrunde durchgeführt, wo alle ihre Gefühle schildern und die Lösungssuche und die dabei aufgetretenen Schwierigkeiten angesprochen werden.  Fast immer wird irgend etwas Neues angesprochen, fast immer gibt es humorvolle Situationen. Die Begeisterung für diese Rollenspiele ist sehr hoch. Selbst nach den Kursen wird im Kollegenkreis darüber berichtet und es gibt gelegentlich Teilnehmer, die sich nur aus diesem Grunde zu den Fortbildungen anmelden obwohl sie es gar nicht müssten. Da der Schwierigkeitsgrad beliebig skalierbar ist, sind "alte Hasen" wie "Frischlinge" bedienbar. Falls die Motivation mal nicht ganz so ausgeprägt ist oder die vorgeschlagenen Probleme unrealistisch werden, greife ich natürlich mit Vorschlägen ein. In den fortgeschritteneren Modulen werden auch kommunikative Problemsituationen gespielt. Es ist hierbei immer wieder erstaunlich, wie realitätsnah trotz Übertreibung doch die Rollen gespielt werden. Selbstverständlich findet alles auf freiwilliger Basis statt; wer nicht mag, darf auch nur als Zuschauer mitwirken oder gesellt sich nur zu der Gruppe, die jeweils die Problem einbaut. Hab ich vergessen zu erwähnen, dass die Gruppen sich immer abwechseln mit der Rollenverteilung? Und habe ich auch vergessen zu sagen, dass es oft schwieriger ist, sich ein Problem auszudenken als eines zu lösen? Na gut, dann muss das wohl auch mal gesagt werden.

 
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