21.12.2009

Bildung und Blogs

Gerade wurde der Bildungsgipfel um sechs Monate vertagt und konkrete Lösungsvorschläge gibt es nicht. Da fragt man sich wie viele Bildungsgipfel sind noch notwendig, bis explizite Ergebnisse für die Bildung erreicht werden. Mithilfe der Blogaktion “Mehr Bildung in Blogs” möchte ich mehr Aufmerksamkeit für das Thema schaffen.

Das Mitmachen ist ganz einfach: Jeder Blogger ist eingeladen, einen Blogbeitrag zum Thema und die Aktion zu schreiben. Als Anregung habe ich fünf Fragen formuliert, die beantwortet werden können:

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?
2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?
3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?
4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?
5. Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Dies habe ich auf der Webseite von Literatenmelu gefunden; ob es auch ihr Blog ist?

Bildungsgipfel sind nicht nötig, um in der Bildung andere Dinge zu machen. Wer auf etwas wartet, verliert Zeit, etwas zu tun. Ich denke auch, dass Blogs keinen Einfluss auf Bildung und Bildungsgipfel haben.

Natürlich steht es jedem frei, trotzdem was Schönes zu Thema in seinem Blog zu schreiben. Und ich beantworte auch gerne die Leitfragen.

1. Meine Erinnerungen beginnen im Kindergarten, was das Thema Bildung angeht. Ich fand die Arbeit der Schwestern interessant und kann mich lebhaft an Bastelstunden zurück erinnern. In meiner Schulzeit kann ich mich noch an den Einsatz von Rohstock und anderen Prügelinstrumenten erinnern. Auch daran, dass 40 Kinder in eine Klasse passten und die Lehrer unterschiedlich bezahlt wurden, weil sie uns das erzählt haben. Wer wie ich, die Schulbücher in ein oder zwei Tagen hat durchlesen können, hatte 12 Monate Zeit, sich anderen Dingen zu widmen; denn es wurde stur Seite für Seite durchgenommen. Meist bekam man die Schulbücher geliehen und profitierte von den niedergeschriebenen Lösungen der Schüler aus den Vorjahren.

Es gab auch etwas exotische Fächer wie Handarbeiten, Schönschrift, Gartenarbeit. Mit 10 Jahren hatte ich meine erste Freundin in der Klasse; man musste sich heimlich auf dem Schulhof küssen. Es gab Twist, Elvis, Micky Maus, Rockergangs, die sich gegenseitig zusammen prügelten, zwei SW-Fernseh-Programme und Mondlandungen. Das Nachbarmädchen wurde mit 14 schwanger und eine Schulkameradin musste sich mit 2 Schwestern das Bett teilen.

2. Als Unterrichtsmedien habe ich die naturwissenschaftlichen Lehrmittel sehr geschätzt. Ansonsten fand ich Landkarten interessant. In der ersten Klasse hatte ich eine Lehrerin, welche DIN A2 große Tafeln mit dem Alphabet selbst bemalt hat, welche das ganze Schuljahr über an der Klassenwand hingen. Wir hatten im Rechenunterricht Bauklötzchen und Rechenbretter. Im Geschichtsunterricht haben wir öfters Filme angeschaut. Später waren auch Dias im Biounterricht verfügbar; Fische und Lurche schwammen in ihren Aquarien und ein Fötus schwamm in Formaldehyd. Chemie war voll praktisch: für jeden Schüler gab es ein kleines Labor. Im Winterhalbjahr durfte man in die Schulsternwarte, ins Fotolabor und im Werksaal schweißen. In normalen Stunden war die Kreidewandtafel das (!) Medium schlechthin. Es gab aber auch manchmal hektographierte Arbeitsblätter. Wahrscheinlich habe ich noch 100 andere Medien gesehen und erlebt, mag mich aber im Moment nicht dazu aufraffen, sie in meinem Gedächtnis zu reaktivieren.

3. Lehrer sollten, bevor sie Lehrer werden, eine normale Lehre machen. Lehrer sollte kein wirklicher Beruf sein, sondern eine temporäre Berufstätigkeit. Nach 10 Jahren sollten jemand, der unterrichtet, auch wieder einmal etwas anderes tun, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. - Die meisten Lehrer, die ich während der Schulzeit hatte, waren entweder Berufsanfänger oder hatten keine Lehrerstudium. Ich empfand das nie als Problem, sondern eher bereichernd, wenn sie aus ihrer Nicht-Lehrer-Zeit Erlebnisse erzählten.

4. Ja natürlich soll man alles, was das Web bietet, auch im Unterricht nutzen. Ob dadurch der Unterricht besser wird, bezweifle ich zwar, aber schlechter wird er bestimmt auch nicht davon.

5. Natürlich können Online-Angebote auch die Nachhilfe unterstützen. Wobei ich mir die Frage eher stelle, ob nicht jede Stunde Nachhilfe ein Versagen der Schule und der Eltern (nicht des Schulsystems oder des Schülers) bedeutet.

Schade, dass keine der fünf Fragen etwas mit den Zielen und Inhalten des Unterrichts bzw. der Bildung zu tun haben. Ich denke, dass Medien keine wirklich bedeutsame Rolle bei der Unterrichtsgestaltung haben, außer, dass sie manchmal Abwechslung in den Schulalltag bringen. Zur Methodik des Unterrichts habe ich mich ja schon öfters in meinem Blog ausgelassen. Das muss ich also hier nicht mehr.

18.12.2009

Religion, Kirche und Diskriminierung

Ich habe bei Tobi eine kleine Diskussion zu diesen wichtigen Themen angezettelt.

03.12.2009

Bildungsoffensive in Deutschlang - so wird nichts draus

Alle reden davon, wie wichtig Bildung für Deutschland ist, und was passiert: Ein Deutscher Verlag klagen und gewinnt gegen Universitätsbibliotheken, welche ihren Studenten Bücher in digitaler Form zur Verfügung stellen. Also ist das wirtschaftliche Gut eines Verlages und das Urheberrecht grundsätzlich der Verhinderer von Bildung. Anstatt das sich die deutschen Verlage zusammen tun und sich Gedanken darüber machen, wie sie Bücher und Medien kostengünstiger produzieren können, wird geklagt. Im Grunde sollte man jetzt endlich dafür sorgen, dass die Buchpreisbindung in Deutschland aufgehoben wird.

Grundsätzlich bestätigt zwar auch das OLG Frankfurt das neugeschaffene Recht der Bibliotheken, in ihrem Besitz befindliche Druckwerke auch neueren Datums unabhängig von eventuell bestehenden Verlagsangeboten zu digitalisieren. Erlaubt ist auch, die so gewonnenen Dateien Nutzern an besonders eingerichteten elektronischen Leseplätzen in den Räumen der Bibliothek zur Lektüre zur Verfügung zu stellen. Dennoch werden die Rechte der Leser nun entscheidend eingeschränkt. Das in § 53 UrhG grundsätzlich verankerte Recht auf Privatkopie zum wissenschaftlichen Gebrauch soll hier nicht greifen.

Die Entscheidung hat Folgen für das Studium und die wissenschaftliche Verwendbarkeit von digitalen Texten. Wissenschaftliches Arbeiten mit Texten erfordert zwingend die Möglichkeit, Kopien von Textteilen zu erstellen, um zuverlässig memorieren und zitieren zu können. Das Landgericht Frankfurt hatte dies anerkannt. Das OLG verurteilt die Nutzer nun zum Abschreiben mit der Hand - in Zeiten elektronischer Medien, des Internets und der e-science ist das ein Anachronismus. Der eigentliche Sinn des § 52b, auch auf digitalem Weg wissenschaftliche Texte in moderner, im universitären Umfeld längst selbstverständlich gewordener Form verfügbar zu machen, wird damit auf den Kopf gestellt.

Genaueres kann man hier und hier nachlesen.

Ein Zwischenfrage von einem Forenkollegen: Kann mir jemand den Zusammenhang zwischen Buchpreisbindung und Urheberrecht erklären? Kapier das irgendwie noch nicht ganz.

Das Buchpreisbindungsprivileg wird hiermit begründet:

Offiziell zielt die Buchpreisbindung darauf, die Meinungsvielfalt im deutschen Buchmarkt zu erhalten. Dabei spielt die Rolle des Buches als Kulturgut eine entscheidende Rolle. Unter diesen Prämissen wird der Eingriff ins Marktsystem, welchen die Buchpreisbindung darstellt, in Kauf genommen, auch wenn dadurch ökonomische Potentiale für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette verloren gehen.

Der Gedanke ist also, Bücher als Kulturgut besonders zu schützen und Verlage erhalten daher ein Privileg. Auf der anderen Seite wollen wir alle als nationales Ziel, dass wer immer es auch kann, einfachen Zugang zu Bildung und Informationen erhält. Das dies auch Studenten einschließt, ist sicherlich unbestreitbar. Wenn nun die zeitgemäße Arbeit mit Büchern (in digitaler Form) in einer Universitätsbibliothek durch Verlage beschnitten wird, dann ist das kontraproduktiv zu dem Gedanken des geförderten Kulturguts. Verlage sollten, weil sie privilegiert sind, auch grundsätzlich ihrer Beitrag zum Bildungsauftrag leisten und das auch, wenn damit die unternehmerischen Ziele zeitweilig den gesellschaftlichen unterzuordnen wären. Wenn sie dazu nicht bereits sind, dann stellt sich die Frage, ob man das Privileg nicht aufheben sollte.

Dass die Nutzungseinschränkungen fast immer mit dem Urheberrecht begründet werden, ist eher marginal. Die Frage stellt sich doch oft ganz praktisch in einem anderen Zusammenhang. Das schreibt ein von Staatsgeldern bezahlter Professor/Wissenschaftler ein Buch (und zwar fix und fertig gesetzt), will das jetzt veröffentlichen und kann das nur über Spezialverlage tun, weil sonst die Reputation (Peer-Review-Prozess) fehlt. Das ist auch eine Art Monopolisierung. Dass sich dagegen mittlerweile ein Prozess entwickelt hat - Open Access - wird halt nicht so gerne von den Verlagen gesehen. Das hier im dem anführten Rechtsstreit ein eher kleiner Verlag der Holtzbrinck-Gruppe sozusagen auf Drängen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels stellvertretend geklagt hat, ist auch insofern interessant, weil man hier versucht, den David vs. Goliath-Effekt stilvoll zu nutzen.

Ist jetzt die Argumentation ein wenig klarer geworden, um was es wirklich geht? Das ist ein Erpressungsversuch der Verlage gegenüber der dem Staat und dem Universitätsbetrieb (Lehre). Ähnlich wie die Apotheken/Pharmazieindustrie in Deutschland immer größere Töpfe fordert, obwohl in anderen Ländern es ja auch anders geht und Forschungsnotstände heraufbeschwört, so versuchen es die Verlage halt auch, von staatlichen Töpfen ein größeres Stück abzubekommen. Diese Haltung kann man zwar als marktwirtschaftlich einordnen, dann aber bitte ohne Privilegien. Da die Universitätsbibliotheken aber nicht über genügend Mittel verfügen und sich eigentlich auch im Recht fühlen, dieses Problem anders zu sehen, wird es erstmal wieder auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen = digitale Arbeitsplätze werden außer Betrieb genommen ...

PowerPoint-Karaoke

Da habe ich einen super Artikel über PowerPoint in der Süddeutschen gefunden. Hier eine Leseprobe:

Immer noch ist da ein Unbehagen, ein Verdacht, in diesem Programm verberge sich eine geheime, gleichsam subversiv arbeitende Normierungsinstanz, die jeden Gedanken so lange teilt, kürzt und verflacht, bis er sich in eine überschaubare Zahl sofort löslicher Brühwürfel verwandelt. Es gibt mittlerweile so etwas wie "Powerpoint-Karaoke" das heißt: die freie Improvisation eines Vortrags über eine beliebig angelegte Bildfolge. Dieses Karaoke ist weit mehr als ein Jux, nämlich auch ein Versuch, das womöglich Verhängnisvolle von "Powerpoint" spielerisch zu bannen, mitsamt dem dazugehörigen "bullshit bingo" (Richard Grasshoff), in dem es von "challenges" wie "face the customer" und "can do attitude" nur so wimmelt.

...

"So ist es", sagt jede Folie, wenn sie auf die Leinwand projiziert ist, herausgelöst aus Raum und Zeit, mit Nachdruck und Bedeutung aufgeladen, wie sie die Schrift allein nie besäße - wobei jeder Betrachter weiß, was er nicht wissen will: dass das Bild, das da auf der weißen Fläche erscheint, der einzig mögliche Ort seiner eigenen Aufbewahrung ist. "Mit Powerpoint lassen sich Geschichten so immanent erzählen, dass der Zuhörer und Zuschauer keine Option, die nicht in der Slideshow vorkommt, für real hält" (Richard Grasshoff). Die "Powerpoint"-Präsentation ist die einzige Zufluchtstätte ihrer selbst, und je mehr es davon gibt, desto vollständiger wird das so entstehende universale Asyl der "Visionen", von denen etwa die ganze Branche der Unternehmensberatungen lebt.

22.11.2009

Kugelschrei-Bär

"Wer ist kugelrund und schreit im Wald?" ...

Endloser Bären-Unsinn ... aber nur wenn man Zeit und Lust drauf hat ...

http://www.stupidedia.org/stupi/Kugelschreib%C3%A4r
http://blogs.waslos.de/entryDetail.aspx?entryId=2102
http://kamelopedia.mormo.org/index.p...schreib%C3%A4r
http://grafik-etc.spreadshirt.de/kug...-tasse-A730638
http://www.photocase.de/de/user.asp?u=72725
http://www.bären-bande.de/produkt/kugelschreibaer
http://www.wortwerkstatt.at/index.ph...gel-schrei-br/
http://erwin-krise.de/index.php?itemid=70
http://www.gedichte.com/showthread.php?t=78011
http://de.uncyclopedia.org/wiki/Kugelschreiber
http://lernklick.de/lernspiel/87/wundertiere/
http://www.haloscan.com/comments/ix/1503/
http://www.kidopia.de/forum/showthread.php?p=327949

zauBÄRer, BÄRserker, seeräuBÄR, oBÄR, (dr)üBÄR, üBÄRholen, üBÄRwachung, silBÄR, araBÄR, streBÄR, schreBÄRgarten, BÄRg(steiger), (auf)kleBÄR, sauBÄR, lieBÄR, liBÄRo, schieBÄR, (wagen)heBÄR, BÄRtiger, hubschrauBÄR, aBÄR, sabBÄR, cyBÄR, kyBÄRnetik, (ab)(an)we(r)BÄR, biBÄR, schaBÄRnack, BÄRatung, ratgeBÄR, färBÄRei, (kugel)schreiBÄR, BÄRnstein, fieBÄR, unentBÄRlich, liebhaBÄR, selBÄR

alles zusammen gek-laut *pssst*

16.11.2009

Ein Jahr Twitterei - ein Resumee

Ich finde Twitter gut.
Ich finde es gut, dass man mit Twitter nette Leute kennen lernen und auch gute Dialoge führen kann.
Mich hat Twitter am Anfang oft an den 'world'-Channel in meinen Online-Spielen erinnert und ich konnte ungefähr gleich damit umgehen.

Intensives Twittern kostet Zeit und man muss sich auch mit ein paar Dinge abfinden, die nicht so angenehm sind:

- es gibt Leute, die wollen mit Macht in Twitter bekannt werden - ihre Anzahl Follower erhöhen, ohne dabei wirklich dialogisch mit anderen zu kommunizieren; es gibt Leute, die folgen diesen in einer Art Gruppendruck
- man freut sich manchmal, dass man von jemanden in Twitter angesprochen wird, ärgert sich aber dann schnell, wenn man merkt, dass der Dialog nicht 'ehrlich' gemeint ist, sondern nur dazu dient, Klick-Responses zu generieren
- wenn man mehreren Hundert in Twitter folgt, merkt man, dass man nicht die Aufmerksamkeit allen zukommen lassen kann, mit denen man eigentlich schon interessante Dialog geführt oder Informationen ausgetauscht hat. Man merkt dann selbst, dass man 'oberflächlich' wird.
- es gibt viele prominente Twitterer, die nicht selbst twittern, sondern für sich twittern lassen. Man merkt, dass kein wirklicher Dialog gesucht wird
- Twittern hat sich in 12 Monaten geändert. Es sind mehr geworden. Und viele sind nur dabei, weil sie meinen, sie müssten dabei sein
- auf ein 'hallo, guten Morgen' bekam ich vor 12 Monaten durchschnittlich ein Feedback von 3 anderen Twitterern - heute geht meine Begrüßung unter

Angenehm ist und ich möchte das auch nicht missen:

- man kann Bekanntschaften finden, die bereichernd sind
- man gelangt sehr schnell an Neuigkeiten
- man kann Fragen an seine 'Gemeinde' stellen, die oft auch beantwortet werden

13.11.2009

Adaptives Lernen

Man darf nicht vergessen (hic!), dass das Lernen auch statistisch untersucht worden ist und immer noch wird (Ja, ja - gut Ding will Zeit haben). Lernen von Inhalten wird ja gerne als Behalten überprüft. Und hierbei hat sich ja - dank vielfältig abgeschriebener Forschung - das Wiederholen als Methode durchgesetzt. Ist ja beim Sport oder Geigenlernen auch nicht anders: Wiederholen mit kontinuierlicher Steigerung des Schwierigkeitsgrades. Selten wird ja lernen als Sekunden dauernder, ohne jegliche Anstrengung und Vorbereitung stattfindender Prozess beschrieben, der ein für immer andauerndes Behalten nach sich zieht - in der Tierwelt schon: siehe Prägung.

Kein Wunder, da das Lernen ein wirklich langweiliger Vorgang ist, der auch durch das Herumkaspern (für Herumkaspern ist noch kein Wikipedia-Artikel verfasst worden - nur Mut) von pädagogisch studierten Menschen nicht interessanter wird, werden immer mal wieder Theorien und Verfahren über das Lernen an sich entwickelt. Wahrscheinlich wäre es sinnvoller, festzustellen, dass man seine Zeit mit anderen Dingen besser verbringen könnte, doch irgendwie scheint eine Faszination vom Lernen auszugehen. Befragt man lernende Menschen, dann wird - obwohl das kaum zu beweisen wäre - gerne eine Kausalkette von Argumenten losgetreten, wenn man sie fragt, warum sie sich so anstrengen: Wer lernt ist fleißig und strebsam und kann auch Prüfungen bestehen, die dann die Tür aufstoßen, um in einer beruflichen Position Ruhm, Reichtum und Macht zu erlangen und sich damit seine Wünsche (ist dem Relevanzkriterium in Wikipedia zum Opfer gefallen) und Bedürfnisse im Übermaß zu erfüllen: gutes Essen, guter Wein, guter und schneller Sex, schnelle Autos, große Jachten usw. für die männlichen Kandidaten, für weibliche ist das weniger ausgeprägt, wenn man allerdings an Schuhe, seidene Wäsche usw. denkt, findet man schnell geeignete Pendants.

Was liegt also näher, als das Lernen mathematisch auf die Füße zu stellen. Mathematisch deswegen, weil das kaum jemand versteht und deswegen auch nicht weiter kritisch durchleuchtet wird. Da das rein Mathematische niemanden hilft, muss man es durch Software zugänglich machen. Hier wäre ein solches Beispielprogramm zum Beispiel zu finden. Wie man sofort sieht, stellt sich das Programm auf den Lerner ein (natürlich nur solange dieser davon auch überzeugt ist, dass das Ganze einen Sinn macht oder er genug Geld für seine vergeudete Zeit von einem Entwickler dafür bekommt). Man nennt daher dieses Lernszenario 'Adaptive Learning', was auf gut Deutsch soviel wie 'adaptives Lernen' bedeutet. Gell, die Formel an der Seite bringen es echt. Hier und hier werden sie erklärt. Sieht einfach unwiderstehlich aus. Auch die Farbauswahl des Programms - ähnlich der eines Steuererklärungsformulars - ist der Bringer.

Allerdings geht es auch anders! Machen wir uns nichts vor. Der PC ist eher hinderlich beim Lernen. Zu unhandlich, zu groß, und auch nur die modernen Netbooks schaffen die Zeit, die notwendig ist für die endlosen Wiederholungen. Doch seit der massenhaften Verbreitung kleiner Silberlinge - äh - iPhones ist das anders. Endlich kann sich der Lerner sozusagen ständig mittels seines kleinen "compagnions" durch die endlosen Wiederholungen führen lassen. Und wenn die GUI dann auch noch schick aussieht, ist der Stoff kaum mehr von einschlägigen Videos zu unterscheiden und wird widerstandslos dem Gehirn zugeführt. Warum man das ausgerechnet (<- schon wieder Mathe) Podcasting nennt wird mir und dir auf immer verschlossen bleiben, aber vermutlich war der Begriff 'Mindcasting' bereits von einer anderer Firma als Marke geschützt worden und 'Squeeze Casting' ist nicht opportun.

Wie du glaubst mir nicht, dass das alles stimmt? Dann lies hier mal weiter ...

03.11.2009

Was ist ein Seele?

Dietrich Dörner, emeritierter Leiter des Instituts für Theoretische Psychologie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, spricht mit Technology Review über den Kern des Menschen: "Was ist eine Seele?"

lies hier weiter

29.10.2009

Cups from Éire

Auf dem Weg irgendwo zwischen Cork und Bantry gab es diese kleine Töpferei. Wirklich nicht groß. Es war Vormittag und die Müdigkeit von der Nacht zuvor steckte in den Knochen. Die beiden anderen hatten im VW-Bus übernachtet - wir hatten uns ein Bed&Breakfast gegönnt.

Da standen nun diese beiden Tassen: verlaufene Brauntöne. Ist das typisch für die Gegend? Dunkelbraunes Bier - dunkelbraune Pferde - dunkelbraunes Holz an den Giebeln - dunkelbraunes langes Haar der Gefährtin. Der alte Mann unterwegs sprach gälisch und ein paar Broken Deutsch. Jaja die gemeinsame Vergangenheit gegen die Briten hält wohl ein Leben lang. Ob diese Liebe auch so lange hält?

Jeden Morgen gibt es 20 Sekunden lang eine Reise ins Land der Gnome, Trolle, Elfen und Feen, wenn ich mir die beiden Tassen anschaue. Nein, diese Liebe von damals hat nicht lange gehalten, aber es ist die einzige, an die ich mich mit gutem Gefühl zurückerinnere. Andere sind vergessen. Vielleicht, weil keine Tassen dazu passen.

22.10.2009

Macht das Internet alte Leute schlauer?

Wenn Gehirnaktivitäten direkt proportional zur Schlauheit sind, dann will eine Studie der ULCA herausgefunden haben, dass die Suche im Web schlauer macht. Weitere Infos kann man hier nachlesen.

04.09.2009

Schlechte Schüler kosten viel Geld

Haha, eine Studie, die eigentlich etwas feststellt, auf das jeder bereits in der eigenen Schulzeit gestoßen ist: Aussieben der schlechten Schüler und Sitzenbleiber bringen nicht wirklich was und sind zudem sehr teuer! *guck* und *guck nochmehr*

Klaus Klemm hat solches in seiner Studie herausgearbeitet. [Wieso werden eigentlich die Konterfeis von Professoren nie in abgelichtet? - Sind denn Politikerinnen hübscher?]

Wenn man nun den Faden aufnimmt und weiter spinnt, dann dürfte man behaupten, dass wenn Lehrer (und ich nehm mal Hochschullehrer gleich mit dazu) ihre Schüler und Studenten nicht genügend fördern, dass dies richtig ins Geld geht. Je besser unsere Schüler und Studenten sind - und wir nehmen konsequenterweise mal an, dass es nicht nur der Nachhilfe zu verdanken ist - desto weniger Kosten verursachen sie. Ich finde, dass diese fast schon betriebswirtschaftliche Dimension richtig faszinierend ist: Egal welche Inhalte und Bildungsziele auch vermittelt werden, je besser die Schüler sind, desto weniger Kosten. Im Grunde muss man also nur dafür sorgen, dass die Schüler besser sind ... oder die Lehrer ... oder das Sitzenbleiben abschaffen ... oder das Aussieben ...

03.09.2009

Five Minds for the Future

Gerade fällt mir die Psychologie heute vom Juli in die Finger und da geht es laut Titelblatt, unter anderem um das Thema 'Bildung': "Die fünf Kompetenzen für die Zukunft". Dann schlage ich die Seite auf und mir lacht der Titel "Das Wissensquintett: Fünf Intelligenzen für das 21. Jahrhundert" entgegen. Im Teaser steht dann: "Der Intelligenzforscher Howard Gardner plädiert für fünf Schlüsselkompetenzen". Jaja und das Büchelchen von Gardner auf den sich dann der Artikel bezieht, heißt konsequenterweise "Five Minds for the Future". Wenn ich dazu einfach mal google (ohne jetzt tiefere Hintergedanken zu hegen), dann stoße ich mit Leichtigkeit auf den Wikipedia-Eintrag "Theory of Mind" und dort steht dann:

Der Begriff Theory of Mind (ToM) bezeichnet in der Psychologie und den anderen Kognitionswissenschaften die Fähigkeit, eine Annahme über Bewusstseinsvorgänge in anderen Personen vorzunehmen, also in anderen Personen Gefühle, Bedürfnisse, Absichten, Erwartungen und Meinungen zu vermuten.
Andere Bezeichnungen: naive Theorie oder Mentalisierung.
Peter Fonagy, ein psychoanalytischer Forscher definiert den Begriff der Mentalisierung folgendermaßen: Mentalisierung ist die „Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren“. Für den Begriff gibt es bisher keine einheitliche deutsche Entsprechung.
A. M. Leslie sieht die Theory of Mind als einen Mechanismus der selektiven Aufmerksamkeit. Hierbei ist das Vorhandensein mentaler Konzepte die Grundlage, die Aufmerksamkeit auf die entsprechenden mentalen Zustände von Akteuren zu legen. Dadurch können diese Eigenschaften erschlossen werden.
...
Grundlage der Entwicklung einer Theory of Mind ist die Fähigkeit zwischen Belebtem und Unbelebtem unterscheiden zu können, da nur Belebtem interne Zustände zugeschrieben werden. Hinzu kommt die Fähigkeit, zwischen mentaler und physikalischer Welt differenzieren zu können. ... Ein weiterer Schritt für die Entwicklung einer ToM ist die Erkenntnis, dass Handlungen anderer Personen nicht nur von ihren Wünschen und Absichten, sondern auch von ihren Überzeugungen geleitet werden können. Diese Unterscheidung wird dann relevant, wenn eine andere Person eine falsche Auffassung von einem Sachverhalt hat. Solange eine Person eine "wahre" Überzeugung hat, entsteht kein Problem, und man kann gemäß ihren Wünschen vorhersagen, wie sie handeln wird. Geht sie hingegen von einer nicht mit der Realität übereinstimmenden Überzeugung aus, so muss ihre falsche Vorstellung bei der Handlungsvorhersage berücksichtigt werden. ... Kinder lernen zwischen drei und fünf Jahren die Überzeugungen einer Person mit einzubeziehen. Davor verstehen sie nicht, dass subjektive Überzeugungen von der Realität abweichen können und berücksichtigen sie somit auch nicht bei ihrer Handlungsvorhersage.
Die Theory of Mind gilt außerdem als ein entscheidende Voraussetzung um Metakognitionen entwickeln zu können, also die Fähigkeit, kognitive Abläufe selbst zum Gegenstand des Nachdenkens zu machen.

Irgendwie sinnig dieser Wikipedia-Eintrag in diesem Zusammenhang, aber er trägt nun nicht gerade zur Erhellung der vermutlich vorwissenschaftlich verwendeten Begriffes 'Mind' bei *gg*. Aber sei es drum, ist ja trotzdem interessant der Wiki-Beitrag, oder?

Zurück zum Psychologie heute Artikel. So können wir lesen: "Brauchen wir wirklich mehr Bildung? Oder nur mehr Qualifikationen, Kompetenzen und (Fach-)Wissen? Oder meinen alle mit diesen Begriffen im Grunde dasselbe?" Und ein wenig weiter: "Verlässliche Antworten darauf, was Bildung in Zukunft und für die Zukunft sein soll, gibt es noch nicht." Aber es gibt Gardner mit seinen 5 Minds:

  • Diszipliniertes Denken [= disciplined mind]
  • Synthetisches Denken [= synthesizing mind]
  • Kreatives Denken [= creating mind]
  • Respektvolles Denken [= respectful mind]
  • Ethisches Denken [= ethical mind]

Recht unschuldig wird uns hier vom Artikel-Autor Andreas Huber der Begriff 'Mind' als 'Denken' vorgesetzt. Ich zieh dann auch gleich mal den Schlussstrich: "Mind" = "Denken" = "Schlüsselkompetenzen" = "Intelligenzen" = "Qualifikationen" = "(Fach-)Wissen" ... und dann gibt es noch eine Lesehilfe im Artikel: "Die fünf Gardnerschen Elemente des Denkens und Bewusstseins". Chakra? Chakra!

Ich bin verwirrt, was man aus diesen Begriffen alles so machen kann, auch wenn sie vermutlich das Gleiche meinen: Wir wünschen uns was, was wir noch nicht haben und fassen es in Worte wie Parteiprogramme.

Im Grunde meines Herzens glaube ich immer noch an das Gute im Menschen, nur über "Kompetenzen" sollten sie (noch) nicht nachdenken, schreiben und reden. Das verwirrt doch nur - oder? *gg*

02.09.2009

Über Kompetenzen

Wer schon ein wenig von mir gelesen hat, weiß, dass ich den Begriff der "Kompetenz" in der Pädagogik (wahrscheinlich gilt das für noch mehr Disziplinen) für unglücklich und falsch besetzt halte. Warum man ihm seit mehr als 40 Jahren nachläuft (und damit weder irgendwas besser erklären konnte oder den Menschen ein besseres Leben geben konnte) wird mir immer verschlossen bleiben. Offensichtlich aber wird er von allen heiß und innig geliebt.

Gerade schmökere ich mal wieder in der Zeitschrift Pädagogik (2009/5) und finde so einem Versuch eines Serienbeginns zum Thema "Kompetenzorientierung in der Diskussion". Das Thema wird auch schon 40 Jahre diskutiert - ich kenne es noch aus meiner Zeit in der Oberstufen(reform)-Stufe von 1969. In besagtem Artikel steht also unter der Unterüberschrift "Kompetenz als Kernbegriff":

Dabei spielt der Begriff "Kompetenz" eine grundlegende Rolle. Er liegt den Bildungsstandards zugrunde, die die Kultusministerkonferenz (KMK) in den Jahren 2003/2004 beschlossen hat und derzeit für die Oberstufe weiterentwickeln lässt. Der Kompetenzbegriff steht für eine pragmatische Wende in der Bildungsdebatte, denn er bestimmt Bildung letztendlich funktional: Gebildet ist, wer bestimmte konkrete und komplexe Anforderungen erfolgreich bewältigen kann. So heißt es in der zentralen Definition von Weinert: Kompetenzen sind "bei Individuen verfügbare oder durch sie erlernbare, kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen [= zielgerichteten], volitionalen [= willensbildenden] und sozialen [= an Gemeinwerten orientierten] Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösung in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können."
Die wohlmeinenden Erläuterungen in Brackets sind von mir.

Sodele ... machen wir mal ein konkretes Beispiel, damit wir auf die Spur der eigenwilligen Begrifflichkeit der "Kompetenz" kommen. Gegeben sei ein fahrtüchtiges Auto und vier Personen im heiratfähigen Alter; sagen wir gegen 23 Uhr in einer mittleren Großstadt. Eine Person steht gerade davor, am nächsten Morgen in die Führerscheinprüfung zu gehen, nennen wir sie A. Eine Person hatte ein wenig Pech und musste gerade in der letzten Woche die Fahrerlaubnis für 4 Wochen abgeben, nennen wir sie B. Die restlichen beiden verfügen über eine gültige Fahrerlaubnis. Person C hat zwei Bier getrunken; Person D ist nüchtern und weiblich, hat sich aber den linken Fuß verstaucht. Nun kommt die Gretchenfrage (nein nicht: Wer war Gretchen? - das wäre ja eine Frage nach der Bildung *gg*): Wer darf fahren? Oder besser, wer ist von der Viererbande (weiblich? nein, nicht wieder so eine Bildungsfrage *gg*) fürs Fahren zuständig (kompetent)? Ich hätte das Beispiel noch um einen schwulen oder transsexuellen Fünften (Fünfte?) anreichern können, aber dann wäre es eng auf der Rückbank geworden und er (sie?) hätte sich auf jemandes Schoß setzen müssen, das wäre einfach zu kompliziert geworden, alle diskriminierenden und politischen Implikationen aus der Geschichte heraus zu filtern, im Unterricht müsste man darauf bestehen, dass die Metapher vom fünften Rad nicht zu verwechseln wäre mit der 5. Kolonne ... aber verlassen wir diesen Diskurs, zurück zur Frage: Wer fährt?

Nach Weinert alle vier! *gg*

Wieso? Naja, Weil sie alle irgendwann einmal alle Fähigkeiten und Fertigkeiten, ein Auto zu fahren, erlernt haben. Und nach seiner Definition damit die Kompetenz besitzen. Klickert es jetzt, dass man diesem Kompetenzbegriff nicht allzu weit kommt? Klar aus der Sicht der Fahrlehrerschaft schon. Die haben daran verdient und das ist ja auch ok. Aber aus der Sicht der Gesellschaft (Justiz, Neuwagenverkäufer, psychologischem Dienst, Eltern, Kinder, Politiker, Nachbarn, Kneipenbesitzern, Arbeitgebern usw.) taugt dieser Kompetenzbegriff nicht viel. Auch nicht für uns, sollten wir jetzt in die Schuhe des Richters Adzak (Brecht: Kreidekreis ... Bildung *gg*) gestellt werden: Wem würden wir für das Fahren zuständig (kompetent) erklären? Oder besser gesagt: Wem verleihen wir die Kompetenz, das Auto zu führen bzw. zu fahren?

Herrlich - wie schnell der Begriff an neuer Substanz und Nützlichkeit gewinnt, aber völlig jenseits der Pädagogik ... vielleicht sollten wir jetzt zu neuen Wortschöpfungen greifen ... Bildung als Kompetenzpotential betrachten. Wäre ich für die Begriffsbildung der Pädagogik zuständig (kompetent), dann würde ich dort allerdings lieber ganz auf den Begriff verzichten ... oder hat uns das Folgende (in der Diskussion seit etwa 1969) irgendwie weitergebracht - also ich meine, wenn man sich die heutige Bildungslandschaft anschaut, die Lehrerschaft, die ja unter diesem Paradigma meist selbst gelernt hat und heute immer noch bei diesen KKs (Klein-Klein = Kern-Kompetenzen) herum macht ...

Kompetenzen der Lernenden als Ziel der Lernprozesse
Ein übergreifendes Ziel der Neuordnung der Sekundarstufe II besteht darin, Lernprozesse zu einer Einheit zusammenzufassen ... Dafür sind integrierte Lernprozesse erforderlich, die mit der Fachkompetenz zugleich humane und gesellschaftlich-politische Kompetenzen vermitteln. Humane Kompetenz heißt in diesem Zusammenhang, daß der Lernende sich seiner selbst als eines verantwortlich Handelnden bewußt wird, daß er seinen Lebensplan im mitmenschlichen Zusammenhang selbstständig fassen und seinen Ort in Familie, Gesellschaft und Staat richtig zu finden und zu bestimmen vermag. Inhalt und Formen des Lernens müssen dazu beitragen, den jungen Menschen auf die Lebenssituation im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich so vorzubereiten, daß er eine reflektierte Handlungsfähigkeit erreicht.

Deutscher Bildungsrat - Empfehlungen der Bildungskommission: Zur Neuordnung der Sekundarstufe II, Bonn 1974

25.07.2009

When backspace is removed ...

Ich liebe diese Diskussionen ...

Kennt wer Q10? Nicht dieses Präperat ... sondern den ultimativen Textschreiber. Als ich Anfang letzten Jahres das erste Mal davon gehört hatte, habe ich mich direkt daran gesetzt, das Teil in einer Web-Form nachzubilden, so hat es mich fasziniert. Minimalismus für den rechten Gebrauch. Hat ich damit auch was geschrieben? Nein! Ist wieder sang und klanglos in der Versenkung verschwunden. Warum? Weil wer tut sich das wirklich an - einen Editor, mit dem man nicht zwischen Dateien hin- und herhüpfen kann, welcher durch die Zwischenablage zu Dreh- und Angelscheibe wird.

Soviel dazu.

Und nun heute der Zufallstreffer. Hier gibt es ihn, den Editor, der keine Backspace-Taste hat. Wo man keine Zwischenablage hat. Nein, nicht ein Programmierübungsbeispiel ... er ist so per Anforderungprofil als Entwicklungsauftrag entstanden. Freeware natürlich. Und hier wird über ihn heftig diskutiert. Es ist erstaunlich, dass solch ein Texteditor anregt zum Filosofieren (ndR = neue deutsche Rechtschreibung). Ja sogar ich denke darüber nach.

Kann ein Texteditor - ein Schreibwerkzeug auf einem Computer so reduziert werden, dass es nicht mal abspeichert, sondern nur druckt ... und dann ist alles wieder weg? So wie früher auf dem Typewriter, der gute alte Schreibmaschine ohne Korrekturtaste.

Undenkbar? Nein nicht wirklich. Auch bei Twitter ist nach dem Wegschicken des Tweeds keine Korrektur mehr möglich! Alte Zeiten - neue Tools. Web 2.0 machts möglich.

Wieso lese ich nichts in Twitter darüber?!

Das Medium schlägt zurück. Wenn Twitter durch seine Gemeinde einen Ruf verdient hat, dann wohl den, sehr, sehr aktuell zu sein. Zwar trägt niemand die Verantwortung dafür, dass es immer zu Ereignissen in der Welt auch gleich einen Tweed gibt, aber irgendwie passiert das immer. Immer?

Heute gab es beim Formel-1 Qualifying einen schweren Unfall. Massa. Und in Twitter war nicht sofort was dazu zu lesen.

Das führte dazu, dass einige per Twitter nachfragten, ob denn das alle verschlafen haben? Wieso man denn diesen oder jenen auf seiner Friend-List habe, der das dann nicht in Echtzeit sofort berichtet. Schließlich sei man das doch so gewohnt ...

Konsumentenhaltung 150%-Prozentiger oder erste Anzeichen von Professionalisierung des Mediums?

Warum muss ich denn alle(!) wichtigen Informationen ganz aktuell aus einem Tweed entgegen nehmen ... darf es nicht ein wenig unvollkommen und subjektiv sein? Es ist doch schon riesig, wenn ich "manchmal" Informationen früher und durch Zeitzeugen berichtet bekomme. Aber immer und zu allem, selbst wenn es keine Leute vor Ort gibt, die das authentisch twittern könnten? Und ich denke, selbst wenn es Twitterer vor Ort gibt, sie dürfen ganz alleine für sich entscheiden, ob sie der Welt ein Ereignis mitteilen wollen. Man mag zwar nicht Nicht-Kommunizieren können, aber Twitter zwingt niemanden dazu, immer alle über alles informieren zu müssen.

24.07.2009

push versus pull

Manchmal kommt man zu neuen, alten Themen ganz unverhofft *guck*. So wie ich da gestern zum Thema 'push'. Und man fragt sich, wieso hat sich das 'alte' Thema solange versteckt. Ich meine damit die Server-push-Technik, die sich schon immer im MIME beim HTTP versteckt hatte. Werde das mal auf meine Interessen-Liste stecken.

Das Thema hat es aber noch auf andere Weise in sich. Was wäre, wenn in jedem Mobile (Handy) eine komplette Server-Landschaft ihren Dienst tun würde und wir nicht mehr japsend mit unseren Endgeräten irgendwelche Dienste in Anspruch nähmen, sondern gleich direkt den Server-Server-Connect pflegen würden. Zum Beispiel mit einem E-Mail-Server würden wird doch komplett alles Push-Dienste wie sie z.B. im Blackberry-Konzept verwendet werden, ad acta legen können. Und das push-Konzept im iPhone bräuchte man auch nicht. Klar, man wäre nicht mehr zu erreichen, wenn man das Handy ausmachen würde. Aber das könnte man ja auch verhindern, indem man dem Handy den Abschaltknopf wegnimmt. Klar werkeln dann mehr Programme rum und man braucht mehr Power - aber das hat bislang ja auch niemanden ernsthaft von irgendwas abgebracht.

Am besten direkt mit IPv6 gleich morgen realisieren. Da könnte man jedem Dienst auf dem Handy eine eigene IP-Adresse zuweisen und das ganze Port-Geraffel fiele weg.

In meinen Gedanken bin ich schnell noch einen Schritt weiter gegangen. Brauchen wir eigentlich überhaupt noch Kommunikationsformen, die mittels E-Mail, Handy-Telefonat, SMS oder Chat gerichtet zwischen zwei Kommunikationspartnern ablaufen? Oder müssen wir uns nicht langsam zugestehen, dass dieses One-to-One-Modell überholt ist? Ich meine so wie die Ehe zu zweit? In der Diskussion über Copyright, Urheberrechte, Patente gibt es wohl auch die Einsicht, dass der Schutzgedanke geistigen Eigentums weder allgemein akzeptiert ist, noch die Welt wirklich nach vorne bringt. Warum dann nicht auch die Internet-Realität betrachten. E-Mails sind doch meist für die Spam-Tonne. Und dank Facebook, Twitter und Konsorten, kommuniziert man doch eher an die Welt und nicht an einen einzelnen Person. Also weg mit der ganzen gerichtete Kommunikation!

Wenn man was zu sagen hat, egal an wen, dann schreibt man das in seine Webseite und lässt die anderen, die es betreffen könnten, danach suchen. So funktioniert das auch bei Twitter, wenn man seine Friend-List oder ein spezielle Thema abonniert hat. Es geht doch. Man darf nur nicht unterstellen, dass man auch gelesen wird. Aber auch das kenne wir doch ... Rechnungen werden ungelesen weggeschmissen ;) Klar wird das ein gewisse Umstellung in den Interaktionsformen nach sich ziehen, Verträge werden nicht unbedingt immer wirksam, Geschriebenes verliert an Bedeutung, und vielleicht muss man das ganze Rechtssystem neu schreiben. Aber auch das wäre ja nichts Neues. Ich kann mich noch lebhaft erinnern, dass es vor 30 Jahren undenkbar war, dass man Verträge/Bestellungen per Fax oder per E-Mail hätte vornehmen können. Und heute? Völlig normal. Das Finanzamt nimmt ohne Internet ja gar keine Steuererklärung mehr an ...

Also lasst uns in Zukunft nicht mehr mit einzelnen Personen Gespräche führen, sondern immer mit der 'Welt'. Wir könnten immer alle Gedanken aller lesen und Heimlichtuerei wäre abgeschafft; am besten Verschlüsselung auch. Wie viele Investitionen man dadurch sparen könnten und auch die Kriminalität würde auch drastisch abnehmen ... siehe Minority Report.

Ich freu mich drauf und trage auch gerne mit meinen "Social Web"-Kontakten und Kommunikationsformen dazu bei, dass es in diese Richtung geht.

17.05.2009

E-Book Reader PRS-505

So nun habe ich doch so ein Teil. Sieht hübsch aus und macht was her. PDF-Dateien werden (auch in den verschiedensten Varianten) recht gut wiedergegeben. Auch MP3s sind brauchbar zu hören, so kann man sich während des Lesens der leichten Lektüre auch noch ohrlich verwöhnen lassen bzw. auf Hörbücher umsteigen. Irgendwann werde ich mal das Experiment machen, mir das Buch als Hörbuch vorlesen zu lassen und gleichzeitig den Text mitzulesen. Vielleicht ist das Genusserlebnis so, wie bei manchen Musikbegeisterten, die auch die Noten mit ins Konzert nehmen.

Was fehlt, habe ich bereits an anderer Stelle hier gepostet, deswegen gibt es dazu keine weitere Kritik.

Was schön ist, ist die super gute Lesbarkeit. Kaum ein Unterschied zu einem Taschenbuch. Ja klar, das Vor- und Zurückblättern um größere Seitenzahlen ist ein wenig langsam, weil man da keine gescheite Übersichtsseite mit Vorschau bekommt, um an andere Stellen zu navigieren. Aber für einen Roman ist das eher unerheblich. Da es keine Suchfunktion gibt, kann man den E-Reader leider nicht als Nachschlagewerk benutzen.

Anderes Thema ...

Seltsame Gefühle entstehen, wenn man sich im Web anschaut, was es alles als herunterladbare E-Book-Ware gibt. Ich meine weniger die Verwaltungsprogramm (da sind auch ein paar nette dabei; calibre gefällt), sondern mehr der Content.

Was will ich eigentlich lesen? Bereits Gelesenes einscannen? Das übrigens geht recht fix ... ohne große manuelle Eingriffe mit richtig eingestelltem automatischen Doppelseiten-Scanner ca. 800 Taschenbuch-Seiten in einer Stunde. Oder gegen gutes Geld was Aktuelles herunterladen?

Ich stöbere im Web nach kostenlosen Angeboten. Es gibt mehr als man im ersten Augenblick denkt. Aber will ich von Autoren, die ich nicht kenne, die nicht über einen Verlag publizieren, irgendwas herunterladen und lesen? Nur so die Zeit vertrödeln? Komische Bauchgefühle. Klar ist das alles auch (!) Literatur. Aber alles lesen kann man nicht. Also wie verfahren? Probieren oder gleich die Finger von lassen?

Ich fühle mich eigentlich immer wohl in Bibliotheken und Bücherläden. Finde mich zurecht. Finde Bücher, die mir gefallen. Bin gut im Querlesen und kann recht schnell interessante Autoren und Titel filtern. Aber ich kann das nur, wenn ich Bücher anfassen kann. So per Katalog oder Amazon kann ich zwar Fachbücher recherchieren, aber Belletristik würde ich darüber bestellen, aber nicht selektieren. Fürs Selektieren brauche ich irgendwie was Anfassbares. Das ist jetzt mein Problem bei den E-Books. Man kann sie nicht 'begreifen'.

Mal sehen, ob sich an dieser Situation in der nächsten Zeit etwas ändern wird. Ob und wie ich meinen E-Book-Reader benutzen werde ... Ich werde berichten - auch über meine Gefühle.

12.05.2009

tumblr

Auch wenn ich gerade gar nicht mehr weiß, wie ich zu Tumblr gekommen bin, es scheint eine recht ordentliche Plattform zu sein. Etwas mehr als Twitter ...

Schön ist aber auch, dass man Twitter verbunden bleibt. Sowohl das Füttern von Twitter mit Tumblr[Blog]-Beiträgen geht (man lässt aus Tumblr heraus seine Beiträge twitter) als auch die Möglichkeit, Twitter aus Tumblr heraus zu bedienen. Und, klar doch, man kann auch seine Tweeds als Feed in Tumblr aufnehmen.

Meine Tumblr-Blog-Seite findet man übrigens hier.

19.04.2009

Medienpädagogik oder Wie kommen wir zu den neuen Medien?

Immer wenn neue Dinge in den Fokus von Wissenschaftler (insbesondere Geisteswissenschaftlern) rücken, die man nicht sofort versteht, wird ein Begriff gebildet, damit man/frau das Thema ansprechen und vielleicht auch beherrschen kann. Nichts ist ja bekanntlich für einen Wissenschaftler so schlimm, wie das Problem, dass er sich irren oder jeden Tag eine unfundierte andere Meinung haben könnte *gg*.

Also so ist das wohl auch mit den neuen Medien und der Medienpädagogik *guck*. Das Schlimme daran ist, dass die Wahrnehmung so eingeschränkt ist. Also eine neue Schultafel ist ja auch ein 'neues' Medium - wir lachen mal fröhlich - und wer beherrscht schon als Lehrer 15 verschiedene Arten des Tafelbildes - äh, so viele gibt es? Wir lachen noch mal über diesen wirklich alten Pädagogenwitz.

Aber zurück zum Kern der Dinge: Wer aufmerksam den Wikipedia-Artikel liest (und ich verzichte hier mal, die Welt abzugoogeln), der findet das Telefon, das Handy, die SMS usw. gar nicht an erster Stelle. Nur gerichtete Medien tauchen hier auf: Rundfunk, Fernsehen ... ja stimmt nicht ganz, aber die Vorstellung von neuen Medien basiert auch fast immer auf dem Paradigma, es gibt Medien-Produzenten und Medien-Konsumenten. Und es muss sich irgendwas Mediales manifestieren ... nur flüchtige Momente sind (wie das Telefongespräch) sind keine neuen Medien. Oh Entschuldung, ich vergaß, das flüchtige Tafelbild bevor der Schwamm kommt ... ist das auch medial??? Und die sich selbst-zerstörende DVD?

Medien insbesondere neue Medien sind so einnehmend.

Warum können wir nicht einfach hingehen und sagen, ach da gibt es eine neue Technik oder ein neues Gerät und ein Teilaspekt ist auch medial ...

Ganz ehrlich, ich finde E-Mail und Blog-Schreiben hat mit neuen Medien nichts, aber auch gar nichts zu tun. Es ist in fast allen Aspekten das Gleiche, wie wenn ich einen Brief schreiben oder eine Zeitung herausgebe. Stimmt! Wir lehren in der Schule ja auch das Briefeschreiben und das Verfassen von Zeitungsartikeln. Genauso wie das Telefonieren (in Sinne eines Call-Centers) oder das Abwimmeln von unangenehmen Anrufen (seh ich da eine Lücke *gg*).

Das Problem der neuen Medien ist, dass jeder etwas anderes darunter versteht und jeder seinen individuellen Zugang zu diesem Thema problematisiert. Um das mal auf den Punkt zu bringen: Medienpädagogik beschäftigt sich mit dem Einrichten und Bedienen eine Videorecorders und der dazugehörigen Fernbedienung, nicht wahr? Und dem Programmieren der aufzuzeichnenden Sendungen ... deshalb müssen wir einen Programmzeitschrift lesen können und einen Plan machen, damit wir Überschneidungen bei der Aufzeichnung vermeiden. Und natürlich müssen wir im Matheunterricht lernen, wie die Angebote von TV-Providern berechnet, um sich das kostengünstigste bestellen zu können. Klar, die Klingeltonabrechnung für Handy sollte man auch nachvollziehen können. Die Medienkompetenz eines Lehrer besteht also hauptsächlich darin, möglichst viele aktuelle Kaufangebote beim MediaMarkt zu kennen, um auch kompetent über die Vor- und Nachteile reden zu können. Gut, das wir uns so schön missverstanden haben.

Was ehe weniger bedeutsam ist, sind die Inhalte oder Neudeutsch den Content zu verstehen. Weil das ja auch den Medien-Produzenten meist abgeht, Hautpsache es wird ja konsumiert ... und zu Marktforschern wollen wird ja nicht unbedingt unsere Schüler ausbilden oder zu Kritikern oder zu noch Schlimmeren: zu kritischen Konsumenten. Oder? Nur weil wir ein Problem mit den neuen Medien haben, müssen es andere ja nicht unbedingt auch haben.

Also zusammengefasst: Computer und Web sind eigentlich nicht besonders geeignet, komplett als neues Medium betitelt zu werden. Sie sind sicherlich Tool, um sich medial auszudrücken und medialen Content zu transportieren. Aber ich denke, man sollte sich genauer mit den Dingen auseinandersetzen und nicht so pauschal. Statt Weblog könnte man sich auch auch Tageszeitschriften-Kolumne und Leserbriefe anschauen; die technische Übersetzung macht nicht den großen Unterschied aus, der Ansatz ist ja das entscheidende. Statt Twitter könnte man auch das beliebte Bild vom Großraumbüro nutzen ... Wie unterhält man sich denn dort? Welche Regeln muss man einhalten? An wie vielen Gesprächen kann man gleichzeitig teilnehmen? usw.

Meine Bitte, schaut nicht immer auf des Neue, auf das Technische, sondern lieber auf das Wesen dahinter, welches meist nicht wirklich neu und technisch ist. Lediglich immer nur auf der Dramatik des "Huch da gibts was, was ich noch nicht ganz beherrsche, also schnell mal daran und einordnen" herumreiten, wirkt im Laufe der Jahrzehnte immer monotoner und so: "ach nun kommt das schon wieder ..."

14.04.2009

Seminare designen

Beim Aufräumen fiel mir ein Prospekt in die Hand: SEMINARDESIGNER. Ein PC-Tool, das mein Interessen weckt. Auf der Webseite gibt es eine kleine Vidoedemo, die in aller Kürze das Wesentliche zeigt. Ja, es sieht ein wenig altbacken aus, aber das ist ja nicht das entscheidende. Wichtig sind die Möglichkeiten und die Freiheitsgrade (muss man sich verbiegen, wenn man das Tool einsetzt) und ich denke, da hat Michael ein durchaus als offen zu bezeichnendes System geschaffen.

Vorsicht, es ist kein Moodle oder sowas ähnliches. Es geht hier nicht darum, dass die Teilnehmer von einer Web-Plattform her versorgt werden. Es geht bei dem Tool darum, wie man Seminarveranstaltungen plant und inhaltlich/methodisch gestaltet.

Was ich auf die Schnelle nicht gefunden habe, ist, ob es einen Austausch zwischen verschiedenen Instanzen des Seminardesigners gibt, zum Zwecke des Austauschs von Inhalten und Abläufen. Also die Frage nach den Schnittstellen gestellt.

Nebenbei entdecken ich auf der Webseite eine Info über didaktische Methoden. Ich bin überrascht. Ich bin zwar sonst kein Anhänger von solchen Dingen, aber diese kleine Sammlung ist interessant.

12.04.2009

Twitwiki - Version 1

Ich hatte ja schon die Idee mit einen Screeny abgekündigt: Twitwiki. Jetzt ist es soweit. Ich hab die Zeit gefunden, mal die Dateien zu kommentieren und für den Download aufzubereiten. Man findet sie hier.

Viel Spaß.

07.04.2009

E-Books

Ich warte schon seit rund 15 Jahren auf vernünftige E-Book-Reader. Grund dafür, es spart Bäume (Papier) und könnte so viele zusätzliche Funktionen wahrnehmen:

- automatisch vorlesen,
- automatisch übersetzen,
- Bücher in verschiedenen Auflagen und Versionen vorhalten (und sogar aktuell halten, wenn vernetzt),
- Anmerkungen automatisch verwalten (gescheite Software dafür gibt es bis heute noch nicht)
- automatisch gesprochene Kommentare als Text hinzufügen (Spracherkennung),
- Lesefluß-Abweichungen in Büchern ermöglichen,
- Frage/Antwort-Spielereien
- Lexika-Integration
... die Liste ist nicht zu Ende ...

Im Grunde ein Gerät mit dem man alles tun kann (PC, Handy, Notebook, Web, Navi, Foto, GPS, MediWatch, ...), man bräuchte nur noch ein Gerät ... den Companion.

Wenn es dann noch universelle Standards gäbe, so dass man auch in 250 Jahren die E-Books von heute abspielen könnte ... und wenn die E-Book-Geräte nur 100 Euro kosten würden und die E-Books nur 10% der heutigen Bücher kosten würden ... dann könnte man langsam darüber nachdenken, ob es perfekt wird. Klar, es müsste unterschiedliche Größen-Formate geben, ich denke an die schönen Folianten im A3-Format ... Und natürlich müsste man auch lesen können, obwohl auch Bilderbücher als E-Books ihren Charme hätten.

Aber es wird natürlich erst einmal anders kommen. Zur Zeit formieren sich die Hersteller von E-Book-Geräten und ihre Pendants, die Verlage. Sie produzieren teuren (nicht wirklich guten) Schnickschnack ohne wirklich RAM und Integration für einen Preis, wo man einen guten PC für bekommt. Dann kommt noch die Format-Vielfalt, die geringe Aussicht auf Zukunftssicherheit (Wer macht mal einen Kaufvertrag über ein E-Book mit Funktionsgarantie in 100 Jahren???? Locker mit gedruckten Büchern möglich) und die unsägliche DRM-Geschichte ... Also lernfähig sind sie nicht, die E-Book-Verkaufsgemeinschaft. Sie hätten doch mittlerweile lernen müssen, wie es mit den MP3-Portalen funktioniert und was der Kunde eigentlich will. Auch ist überhaupt nicht zu verstehen, warum sie jetzt Profit machen wollen ... sie können sich doch 20 Jahre Zeit lassen, bis es break-even wird ... wenn E-Books mal da sind, dann wird es doch keine anderen Bücher mehr geben. Aber wahrscheinlich sind die Leute immer noch überzeugt davon, dass ihr Ansatz eh nur für ein paar Jahre gut ist ... was soll man mehr dazu sagen.

Die Buchhändlerin wollte mir erklären, wie das E-Book von Sony funktioniert und musste gleich bei meiner ersten Frage passen ... Sie entschuldigte sich und sagte, ich wäre wohl nicht die typische Zielgruppe für E-Books, weil Bücherkäufer ja eher nicht-technisch versiert sind. Mein Interesse an einem E-Book-Reader reicht wohl nicht und meine 35 Buch-Meter sind wohl auch nicht wirklich bedeutsam, mich als Zielgruppe zu identifizieren. Danke schön auch ... ich werden meine Computerfachbücher nun doch woanders kaufen.

In einem Artikel zu E-Books wird Thomas Schierack zitiert, die E-Book-Vermarktung wird bei der Verlagsgruppe Lübbe vorerst auf Science-Fiction-Literatur liegen, denn SciFi-Fans seien webaffiner. Wohlan, es bleibt zu hoffen, dass diese Zielgruppe sich das gefallen lässt.

Meine Prognose: Es wird werden wie bei den anderen Medien. Nach einer Zeit des Herumspielens wird irgendwo ein offener Standard kommen und den Markt aufrollen. Bis dahin getätigte E-Book-Käufe sind dann für den Arsch. Die Buchläden werden drastisch verschwinden (ich kann ja auch schon heute fast alle gedruckten Bücher beim Computerversender Alternate bestellen) und 90% aller Bücher wird es dann als Downloads geben, da wird Amazon schon für sorgen. Die Lesegeräte werden in die Handies und Netbooks integriert, das liegt doch auf der Hand - auch wenn sich die Handies und Netbooks noch dramatisch weiterentwickeln werden, so dass sie sich von heutigen sehr unterscheiden werden. Sie werden bei einschlägigen Medien-Kaufhäusern im Regal stehen.

Bei allem fehlt eines, was keiner bislang in die Marketing-Strategie eingeplant hat: Das (unprofessionelle) Vorlesen durch Menschen wird an Bedeutung gewinnen. Wieso ich darauf komme? Mit der Einführung von PowerPoint haben sich auch die Vorträge verzwanzigfacht ...

Was fehlt den E-Books wirklich? Die Kollaborations-Komponenten und das Modul zum Schreiben und Veröffentlichen von Büchern. Erst wenn jeder ein Autor werden kann und wenn jeder mit anderen über seine Meinung kommunizieren kann, werden die E-Books ihre Reife erlangen. Mal sehen, wie der Nintendo zum Bücherschreiben ausfallen wird.

18.03.2009

LdL-Evaluations-Fragebogen

Entweder hab ich ihn noch noch nicht gefunden in den unendliche Weiten des Web oder es gibt ihn nicht. Dabei ist es doch so nahe liegend, den LdL-Unterricht mal aus der Perspektive der Schüler zu untersuchen. Also hier ist er, der ultimative 5-Minuten-LdL-Fragebogen für Schüler, Studenten und andere Gelegenheiten.

Du hast gerade an einem LdL (Lernen durch Lehren) - Unterricht teilgenommen. Es wird jetzt Zeit, dass du deine Meinung dazu kundtust. In diesem Fragebogen wirst du konsequent geduzt; später vielleicht nicht mehr ;)

Frage 1: Hast du schon mal was von Lernen durch Lehren (LdL) gehört?
Antwort-Auswahl (mindestens ein Kreuz machen):
[ ] Ja [ ] Nein [ ] Noch nie [ ] Schon ganz oft [ ] Jein


Frage 2: Wie häufig hast du schon an einer LdL-Unterrichtsstunde teilgenommen?
Antwort (genau eine Zahl): .....

Frage 3: Was fandest du wirklich nicht gut an der Unterrichtsstunde?
Antwort ist frei zu formulieren (sei streng): ............

Frage 4: Was war gerade richtig gut an der Unterrichtsstunde?
Antwort-Auswahl (mindestens zwei Kreuze):
[ ] interessant [ ] locker [ ] spannend [ ] viel gelernt [ ] mich noch nie so gut gefühlt [ ] hab den Lehrer/die Lehrerin mal von einer anderen Seite kennengelernt [] die Musik im MP3-Player [ ] mein Mitschüler .... [ ] meine Mitschülerin .... [ ] weiß nicht [ ] nichts [ ] andere Dinge: .........


Frage 5: Was würdest du verbessern am Unterricht?
Antwort ist frei zu formulieren (gib dir Mühe): .........

Frage 6: In welchen Fach fändest du es auch gut, LdL-Unterricht zu erhalten?
Antwort ist frei zu formulieren: ...........

Frage 7: Welcher Lehrer / welche Lehrerin könnte deiner Meinung nach, auch gut diese LdL-Methode einsetzen (und tut das noch nicht):
Antwort ist frei zu formulieren: .........

Frage 8: Findest du es gut, dass LdL hier im Unterricht gemacht wird?
Antwort-Auswahl (genau ein Kreuz):
[ ] ja [ ] nein


Danke schön für deine Unterstützung.

Damit jeder bedenkenlos diesen Fragebogen einsetzen kann, gilt das Folgende: Der Fragebogen ist urheberrechtlich geschützt und steht unter der Creative Common Lizenz: Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland. Zusätzlich ist jede Veränderung des Fragebogens per Web-Veröffentlichung der Allgemeinheit zugänglich zu machen und per Link in diesem Blog-Thread (Kommentar) zu referenzieren.

04.03.2009

Twitwiki

Tweets sind kleine Informations-Häppchen. Das Konzept sieht vor, dass ein Tweet einen eindeutigen Absender hat und sich an alle oder per 'Reply' an einen oder einige richten kann. Ein Zeitstempel wird mitgeführt und man kann auch den Twitter-Client ausmachen. Zum Zwecke der Suche (oder auch Zuordnung) kann man 'taggen': ein Wort mit einem #-Zeichen einleiten. Es dürfen mehrere Tags verwendet werden.

Datenanalytisch wäre ein Tweed eine Relation aus den folgenden Attributen:

tweet(from[1x], to[0-Nx], timestamp[1x], tag[0-Nx], text[0-1x])
Einige Attribute werden durch Kennzeichnung im Text definiert. Soetwas kennt man auch bei Wikis. Auch dort dienen Textmarken der Definition bestimmter Informationen (Überschriften, Links usw.).

Wenn man den Tweet verlängert (z.B. 64KB) und weitere Tags definieren würde, dann könnte man daraus verschiedene Anwendungsfälle eines Informationssystems abdecken.

Mögliche Attribute könnten sein:

?text = Stichwort, Key [0-1x]
!date = Datum, Datum+Uhrezeit [0-1x] für einen Kalender oder einen Termin
^zahl = Priorität für eine ToDo-Liste
°hhh = Farbcodierung [0-1x] [h=Hexawert, hhh = rgb] bei der Anzeige
$zahl = Währung-Betrag [0-1x] für eine Buchung
=>kto = Empfänger-Konto [0-1x]
<=kto = Absender-Konto [0-1x] {id} = Link zu einem anderen Tweet per ID {url} = Link zu einer externen URL


Anwendungfälle könnten dann sein: Terminkalender, Wiedervorlage, ToDo-Liste, einfache Buchhaltung, Ideenspeicher, Memos mit Verlinkung, Listen aller Art (Adressen), Archiv (durch Verlinkung auf externe URLs), Wissensspeicher (durch Verlinkung untereinander) ...

Für die Anwendungsfälle wären spezielle Ausgabe-Sichten notwendig. Ändern und Löschen der Tweets sollten verfügbar sein. Und natürlich muss die Privatsphäre der User gewährleistet sein (Benutzerdatenbank) und auch bei allen Abfragen berücksichtigt werden. Eine Volltextsuche sollte natürlich auch vorhanden sein.

Ein Prototyp dieser Weblikation ist gerade im Test ...



Nachtrag: Hab den Name des Projekts geändert von Twaki nach Twitwiki. Warum? Weil ich nicht mit einer afrikanischen Stadt verwechselt werden wollte. *gg*

03.03.2009

Twitter-Diskussion bei Vorträgen

Sie hat sich irgendwie von alleine in den Vordergrund gedrängt: Die Frage, wie geht man bei einem Vortrag/einer Präsentation mit Twitter um (*schau hier*).

Also das Szenario kurz beschrieben: Ich halte einen Vortrag und habe zwei Projektoren. Einer zeigt meine Präsentationsfolien und der andere den Twitter-Feed über die Diskussion, den das Auditorium zu meinem Vortrag führt. Sinn: Alle können sofort und gleichzeitig eine 'stille' Diskussion über das gerade Gesagte/Vorgestellte führen und durch die Projektion wird sie auch (ver-)öffentlich(t).

Ist ein solches Szenario möglich? Oder wird die Gleichzeitigkeit zu einer Überforderung? Wann und wieviele Pausen braucht man? Wann und zu welchem Zeitpunkt sollte der Referent die Twitter-Diskussion wahrnehmen, aufarbeiten, in seine Präsentation mit einbeziehen? Wieweit können in der Diskussion Rückverweise auf vorangegangene Tweeds erfolgen, da diese vielleicht schon nicht mehr auf der Projektionsfläche sind (weil schon zu viele Tweeds oder diese schon zulange zurückliegend) und daher für Dritte nur noch schwer nachvollziehbar. Sollten auch private Zweier-Twitter-Dialoge möglich sein?

Und natürlich die Kardinalfrage: Lenkt das Twittern nicht alle zu stark ab, so dass ein twitternd diskutierender Teilnehmer weder dem Vortrag noch der Twitter-Diskussion nicht mehr gleichzeitig folgen kann? Macht es daher Sinn, dass die Präsentation auch vorher schriftlich als Kopie ausgegeben wird, damit man bei eventuellem Fadenverlust wieder schnell einsteigen kann?

Lenkt es ab, wenn was Lustiges getwittert wird und alle lachen, außer dem Vortragenden, der das ja nicht unbedingt mitbekommt?

Wie geht man mit Fragen um, die per Twitter gestellt werden. Organisationstechnisch gesehen könnte man ja einen Tag (#Frage) mit in den Tweed aufnehmen und mittels eines Feedclients selektieren lassen, so dass man die Fragen auch immer sieht. Wie hakt man beantwortete Fragen ab? Wie fasst man Fragen zusammen? Gibt es für solche Anwendungsfällte bereits geeignete Clients (Software)?

Sollte man lieber andere partizipative Kommunikationsprodukte suchen (Gruppenchat)? Ist es ein Problem, dass Twitter auch öffentlich ist, also die Diskussion immer auch öffentlich verfolgt werden kann - auch von Leuten, die den Zusammenhang der Gesamtveranstaltung nicht kennen (dem Vortrag ja nicht folgen)? Muss man für diese nicht eine Art Twitter-Protokoll der Veranstaltung liefern, damit sie die Diskussion nachvollziehen können? Gibt es schon ähnlich der Twitterfeeds eine Idee, wie man Life-Präsentationen via Twitter protokolliert (ich denke daran, das man ja bestimmte Techniken des Aufdeckens/Sichtbarmachens von Präsentationsinhalten mit einem Tweedfeed-Auslöser verbinden könnte)? Werden Twitter-Server durch eine solche Vorgehensweise überfordert (Anzahl der Tweeds, Abrufhäufigkeit, Geschwindigkeit)? Braucht man einen eigenen Twitterserver? Könnte das etwas für Dienstleister sein? Macht jemand das schon?

Also was meint der geneigte Leser, die geneigte Leserin: Kann bzw. sollte man bei Vorlesungen, Seminarveranstaltungen und Schulstunden die Teilnehmer auffordern zu twittern (mit einem entsprechend einheitlichen Search-Tag) oder ist dafür die Zeit noch nicht reif?

Ich habe im Kommentar zu obigem Link von Chris gelesen, dass er sagt, dass es auf Barcamps schon häufiger so zugeht. Also jetzt nicht die Twitterei, die nicht am Barcamp teilnehmenden Menschen über der Vortrag informiert, sondern die Twitterei, die von den Teilnehmern über den Vortrag geführt wird. Mich würden da die Erfahrungen sowohl seitens der Teilnehmer und seitens der Vortragen interessieren.

Anmerkung. Gibt es hierzu bereits Gedanken und eine schon heftig geführte Diskussion? Wenn nein, warum nicht?

NACHTRAG:

Ich habe gerade ein nettes Tool namens Twiddla entdeckt, mit dem man beliebige Web-Seiten und daher natürlich auch einen Twitter-Feed kommentieren kann und das sogar im Team. Das Teil ist auf der Webseite aufzurufen und einzurichten und ist zur Zeit kostenlos. Sieht gut aus!

24.02.2009

Weshalb meine Schuhgröße im Netz steht

Hab gerade einen Kommentar zu dem Beitrag von Sascha Lobo "Weshalb meine Schuhgröße im Netz steht" geschrieben. Er bezieht sich auf den Artikel selbst und seine bislang 3 Kommentare:

Doch - im Internet gibt es viele Seelen: Die meisten sind nicht gerade glücklich. 30km von Paderborn entfernt in einem 300 Seelenkaff (!) gibt es nicht wirklich was für junge weibliche Seelen. Ausbrechen geht manchmal nicht, weil da Kinder und der Mann abends sind. Aber es gibt das Internet! Und da kann man sein "zweites" Leben führen: fiktiv natürlich, als Avatar freilich, und nach Gefühlen und Verständnis suchend! Wäre das nicht so, für was würde man dann noch leben wollen??? Die Realität (das "real life" oder Realleben (RL)) bietet ja nicht wirklich was.

Sollen wir nun beide (lieber Leser/liebe Leserin) Google-Earth anwerfen und über die deutschen Landen fliegen und Ausschau halten nach den Inseln des Glücks? Wo sind die denn? Wer es nun immer noch nicht kapiert hat, social web, mmorpg, twitter, bloggen, chatten und flirten sind die Dinge, die einem manchmal nur noch bleiben. Wenn man sie betreibt, dann nur, um in einer schöne Illusion seine Zeit zu verbringen. Dann ist es nur natürlich, dass man sich ausstaffiert, allerdings so, dass man für andere erreichbar bleibt (26 Jahre, weiblich, Student ... - wie oft habe ich das schon gelesen).

Natürlich gibt es die Web-Elite, die das nicht nötig hat; die von einem Hype zum anderen hüpft (der Verfasser ganz oben gehört auch dazu), aber es gibt auch den 40-jährigen Arbeitssuchenden und die 70-jährige am Laptop im Heim, die ein Online-Spiel den ganzen Tag lang spielt, weil es sonst nichts im wirklichen Leben gibt. Nicht zu glauben? Seelen? Seelen! Und da können Admins so viel sie wollen an den Steckern ziehen. Das Leben - auch das virtuelle - findet immer einen Weg ...

Itari [itari_itari@twitter]

13.02.2009

Takt

Taktgefühl :: Respekt vor den Geheimnissen der fremden Seele.

Etikette, Knigge und gutes Benehmen sind eine Sache, Takt eine andere.

Ein ausgeprägtes Taktgefühl ist im sozialen Umgang nicht zu unterschätzen. Taktvolle Kommunikation bewahrt Gesprächspartner vor Peinlichkeiten. Das setzt Empathie voraus und bedeutet: Man muss sich selbst zurücknehmen können. Gar keine so leichte Sache.

Takt ist angewandte soziale Intelligenz: Er baut Konflikte ab und verhindert Stress. Kinder und alte Menschen sind oft ziemlich ehrlich - und taktlos.

Authentizität

Ein schöner Artikel in der Psychologie heute (Oktober 2008) zu diesem Thema.

"Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu!" Als authentisch gilt, wer in Übereinstimmung mit sich selbst, mit seinen innersten Überzeugungen und Werten lebt und aus ureigenstem Antrieb handelt. Authentizität ist das ungehinderte Ausleben des wahren Selbst im Alltag.

So wird versucht, den Begriff zu füllen. Echtheit - wir wollen so leben, dass wir uns treu bleiben können. Wir leiden, wenn wir uns verbiegen müssen. Maslows Idee der Selbstverwirklichung hat unsere Zeit geprägt. Aber: Erfinden wir unsere Authentizität oder entdecken wir sie nur? Die Suche nach dem wahren Ich gestaltet sich als schwierig. Ist das Zeigen von Gefühlen bereits Echtheit? Oder erst, wenn es an die Grundüberzeugungen geht, an die eigenen Werte? Hängen wir einem Selbstklischee an oder sind wir ehrlich zu uns selbst? Ist das Authentische auch das Kluge, das Sinnvolle in jeder Situation? Oder schließen wir nicht aus Rücksicht auf uns und andere ständig Kompromisse? Lieber ein charmanter cleverer Hochstapler als ein ehrlicher gradliniger Typ sein, der wegen seiner Offenheit gemieden wird?

Die Virtualisierung des Lebens schreitet voran. Wir präsentieren uns dort so, wie es unseren Wunschbildern entspricht: als Avatar oder Fake. Oft nehmen wir sogar multiple Identitäten an. Thomas de Zengitca schreibt: "Von nun an werden die Menschen sich selbst erfinden und diese Erfindungen aufführen. Sie werden nie wieder einfach nur sie selbst sein." Hat es eigentlich je die Realität gegeben? Oder war Realität nicht schon immer ein Konstrukt? Denn auch das Echte muss ja inszeniert werden und geschickt präsentiert werden, damit es überhaupt wahrgenommen wird. Wer nicht authentisch rüberkommt, muss sich "neu erfinden", heißt es, will sagen, muss sich eine neue Persona zulegen, am Image feilen. So kommt es zu der paradoxen Situation, dass uns der als authentisch erscheint, der am besten diese Rolle spielt ...

Kennen und Vertautsein

"Sage mir, mit wem du Umgang hast, und ich sage dir, wer Du bist."

Schönes Sprichwort. Enthält eine Wahrheit. Stammt aus einer "langsamen Zeit"; also einer vergangenen Zeit, wo die Lebensumstände und -entwicklungen langsam vonstatten gingen. Wo der Mensch am Morgen wusste, was er am Abend machen wird. Wo er in seiner Jugend den Grundstock für sein Leben und sein Alter legte. usw. usw.

Das Sprichwort müsste man ein wenig verändern, damit es besser in die heutige Zeit passt (es würde natürlich auch in der Vergangenheit seine Gültigkeit behalten, der Blickwinkel wäre nur anders): "Zeige mir, mit wem du deine Kommunikation pflegst und ich sage dir, wer du werden wirst."

Kommunikation verändert uns. Wir lernen hauptsächlich Neues, Einstellungen, Haltungen, Kenntnisse durch Kommunikation. Die Medienwelt hat Einfluss auf unser Leben bekommen. Die meisten Menschen kommunizieren nicht mehr direkt, sondern über Kommunikationsmittel. Wir haben zu viel mehr Kommunikationspartnern Verbindungen als in früheren Zeiten es je war. Die Welt ist vielfältig und wir müssen sie erlernen, um sich in ihr zurechtzufinden. Diese Anpassungsleistungen verändern uns ständig. Wir verändern uns.

Lernen wir jemanden kennen, dann wissen wir etwas über ihn und machen uns ein Bild über die uns wichtigen aber fehlenden Dinge. Nach einem Prozess des Abgleichens stellen wir fest, dass unser Bild stabil bleibt und wir prognostizieren, dass es auch in (naher) Zukunft so bleiben wird. Diesen "Kennen" als Basis erzeugt ein "Vertrautsein" mit dem anderen. Unser kognitiver Dissonanz-Apparat verzaubert uns ab dann, die neuen Informationen über den Anderen so zu filtern, dass wir uns in unserer Meinung bestätigt fühlen. Erst wirklich große Abweichungen werden als Abweichung wahrgenommen, denn wir möchten uns in unserem Bild vom Anderen nicht selbst enttäuschen. So stabilisiert sich die Vertrautheit selbstregulierend.

Wir verändern uns. Alle anderen auch. Es ist völlig klar und normal, dass dies so ist. Es ist auch völlig klar und normal, dass wir irgendwann einmal an die Grenzen unserer Vertrautheit mit anderen stoßen; sie werden wieder "fremd" für uns. Manchmal enttäuschen sie uns dadurch. Nein eigentlich enttäuschen sie unser Bild und unser Stimmigkeitsgefühl über das Bild von ihnen. Auch umgekehrt passiert dies: Wir werden fremd für andere.

Manchmal wird man von der "Fremdheit" positiv überrascht und man genießt sie. Man hat sich zusammen (weiter-)entwickelt. Manchmal ist die "Fremdheit" verletzend: "so kannte ich dich ja bisher noch gar nicht".

Manchmal wird jemand nicht fremd: "Herr K. traf  B. nach 20 Jahren wieder. B. war immer noch der alte - er hatte sich gar nicht verändert." Dann wird es ganz schlimm.

Nähkästchen (Teil 4)

Das Ende naht. Gegen 16:30 Uhr frage ich in die Runde: Na, haben wir genug geschafft für heute? Nicken. Wenn jemand noch mit mir etwas besprechen möchte, ich bin noch ein paar Minuten da. Wer braucht eine Mitfahrgelegenheit zum Hotel? Machen wir heute Abend etwas zusammen? Ja? Treffpunkt auf dem XYZ-Platz um 19:30 Uhr? Ok. Dann bis dahin. Verabschiedung. Zwei fahren mit mir mit.

Bis zum Treffen noch kurz ins Internet: Blogs kommentiert, E-Mails abgerufen, im Twitter nachgeschaut, was die Welt so denkt. Bürokram erledigt, soweit man das im Hotel tun kann. Dann bummeln durch die Stadt, Geschäfte anschauen, den Alltag genießen.

Wir treffen uns. Jemand schlägt ein Restaurant vor und wir gehen in diese Richtung. Kleingruppenbildung. Ich frage, ob die Unterbringung auch überall zufriedenstellend ist. Die meisten waren schon öfters im Fortbildungszentrum und berichten von ihrem gerade absolvierten Saunagang. Wir schlendern die Straße entlang und ich bemerke, dass die Gruppe doch recht gut miteinander auskommt und bislang niemand eine Außenseiterrollen wahrnimmt.

Das Studium der Speisekarte führt zum Vergleich der regionalen Küchenkenntnisse. Was man sich empfehlen würde - bei kleinem oder bei großem Hunger. Die Getränke rücken an. Man erzählt sich schnell private Kleinigkeiten: wo der letzte Urlaub war, die Hobbys werden ausgepackt und berufliche Veränderungen angesprochen. Mittlerweile sind wir alle beim Du angekommen. Ich erfahre 'bekannte' und neue Neuigkeiten. Die Zwanzigjährige bringt sich ins Gespräch genauso locker ein wie der Sechzigjährige. Familie, Kinder, Alleinerziehung, Angehörigenpflege, Auslandsaufenthalte - alles kommt irgendwann ans Tageslicht. Auch schwierige Themen, wie Mobbing und die Meinung über verfehlte Stellenbesetzungen werden beim Einnehmen der Speisen bearbeitet. Die zweite oder dritte Runde wird eingeläutet: getränkemäßig.

Was ich denn noch so mache, wird gefragt. Kurse, Coaching, Konzeption/Durchführung von Weiterbildungsprojekten und Hilfe an der Schnittstelle Mensch/Computer/Internet. Ob ich denn auch programmieren könnte oder diese oder jene Software kennen würde? Ob ich mich auch mit Projektmanagement auskennen würde? Was ich denn studiert hätte? Viele Fragen und ich beginne ein wenig über meine Arbeit zu reden ... Irgendwann auch von den neuen interessanten Erfahrungen im Web 2.0 und von Twitter. Einige kennen sich mit Chatten, Blogs und dem social network bereits aus. Andere blocken ein wenig ab: Wozu das denn gut sein soll? Dass man gar nicht so viel Zeit privat dafür hat ... Ich frage nach. Ob die Kinder in der Familie nicht damit Umgang haben oder der Partner, die Partnerin? Ob jemand auch Online-Rollenspiele spielt? Ob das Thema Computersucht ein Problemthema wäre. Ja, dazu würde ich auch Vorträge halten und man kann mich auch gerne in eine Schule einladen ... Wo denn alles hinführen wird ... Ob ich da nicht etwas zu sagen könnte ... Manchmal erzähle ich etwas von meine Spielfiguren in Online-Spielen, von den Freunden im Forum, von den neuen Bekannten in Twitter. Manchmal zeige ich die Kräuterbonbons, die meine kleine Hexe immer bei sich trägt und manchmal erzähle ich etwas von der neuen, virtuellen Welt, wo wir mit den Vorstellungen der 'realen Welt' oft an die Grenzen stoßen, wo andere Regeln gelten und wo in atemberaubender Geschwindigkeit neue intensive Beziehungen entstehen und wieder vergehen, wo Spaß und seelisches Leid wie im realen Leben gefühlt werden und wo riesige Infrastrukturen von den Beteiligten erstellt werden, um den Spielspass zu organisieren. Manchmal führt das zu Staunen, dass der Mensch solche Welten wie "Second Life" erschaffen hat in den letzten Jahren. Fast unbegreifbar für alle, die noch keinen Blick hineingeworfen haben; selbstverständlich für andere, die ihre Geschichten dann erzählen. Ich flirte für eine kritische Neugier und erzähle, dass sogar Hochschulen in diesen Welten ihren Unterricht abhalten.

Um 22 Uhr wird es Zeit für uns. Der Tag war lang und der morgige Tag ist wichtig für die Gruppe, da ist ein klarer Kopf wichtig und wenig Zeit für Müdigkeit. Wir brechen auf und auf dem Rückweg zum Hotel wird unsere Gruppe immer ein wenig kleiner. Gute Nacht und bis morgen.

Warum das alles? Der Mensch ist Mittelpunkt. Und nur wenn wir ihn ganz wahrnehmen, können ernst gemeinte Lernprozesse greifen, dann aber mit einer unerwarteten Heftigkeit.

12.02.2009

Nähkästchen (Teil 3)

Die Wände füllen sich mit Flip-Charts zu den verschiedenen Themen: Drucker, Bildschirm, Spracheinstellungen der Tastatur. Wie funktioniert eigentlich ein Programm? Datenbereich, Code-Segment, Stack, virtuelles Memory, Page-Faults, Auslagerungsdatei. Wie kann man einstellen, ändern, nachschauen, messen ... Fragen werden gestellt, gegoogelt und immer wieder nachgeschlagen im Wiki oder im Buch. Zusammenfassungen in Form von Mind-Maps entstehen. Ganz im Sinne von Visual Facilitating & Graphic Recording – das bedeutet mit Grafik, Text und Bildern die Kommunikation in Gruppen zu erleichtern. Alle stellen Fragen, alle sind engagiert. Es bilden sich spontan Zweiergruppen, die auf meine Rückfragen Einstellungen an ihrem PC ausprobieren oder im Web Details recherchieren.

Zeit für den ersten Fragebogen.Ich kündige ihn als einen Test an. Erschrecken. Wie? Tests werden hier geschrieben? Ja, klar! Aber es sind ganz besondere Tests. Man darf alle Hilfsmittel, wie Internet, Buch, eigene Skripte verwenden, inklusive der Möglichkeit, vom Nachbarn abzuschreiben. Ah so. Und Abgeben braucht man den Test auch nicht. Der erste Test ist ein Multiple-Choice-Test. Beispiel-Fragen:

1. Welche Bauteile befinden sich auf der Hauptplatine eines PCs?  Mikroprozessor | Festplatte | Bussystem | BIOS
2. Welche Aufgaben hat das RAM? versorgt den Prozessor mit Daten | flüchtiges Zwischenspeichern von Daten | ersetzt eine Festplatte | löscht überflüssige Daten
3. Was bedeutet der rote Streifen auf einem Flachbandkabel? kennzeichnet eine Festplattenkabel | kennzeichnet ein High-Speed-Kabel ("Rallystreifen") | kennzeichnet Pin-1 | kennzeichnet Pin-50

Wie der geneigte Leser sofort sieht (*gg*), sind die Fragen bei genauem Durchdenken nicht eindeutig zu beantworten. Ist das BIOS nicht eher ein Programm und gar kein Bauteil oder ist der Chip da hinten nicht der Sitz des BIOS? Kann ein RAM nicht auch eine Festplatte simulieren (RAM-Disk)? Und ist das Teil mit dem roten Streifen nicht meist ein Festplattenkabel und zugleich eine Pin-Kennzeichnung?

Die Auswertung der Fragen wird von den Teilnehmern selbst durchgeführt. Es geht der Reihe nach Frage für Frage und jeder berichtet und begründet seine Antworten. Dann wird diskutiert, ob man die Frage nicht auch anders hätte beantworten können ... manchmal muss man ein wenig nachhelfen. Niemand hat das Gefühl getestet worden zu sein.Das Gefühl ist eher wie beim Quiz - man will verstehen, was denn nun richtig ist und was unrichtig. Und man muss seinen Standpunkt vertreten. Oft ist der erste Schluss nicht ganz durchdacht und die Fragen gewinnen an Tiefe. Das ist ja auch der Sinn der Übung: Sich selbst sicherer im Verständnis und in der Kenntnis zu machen. Nicht immer sind es todernste Antwortvorgaben; nicht immer sind es Multiple-Choice-Fragen.

Wenn die Gruppe gut ist, dann dürfen die Teilnehmer ab dem 3. Fragebogen sich selbst Fragen und dazugehörige Antworten ausdenken. Entweder finden sich Zweier-Gruppen oder jeder macht 2 Fragen selbstständig. Die Fragen werden von mir eingesammelt und als Text ausgedruckt und dann wird verteilt. Bei der Auswertung dürfen die Fragesteller moderieren. Fast immer sind die Fragen niveauvoll (reflektieren den durchgenommenen Stoff) und fair. Mittlerweile habe ich einen beachtlichen Fragen-Fundus. Wenn das Fragebogen-Spiel eingeübt ist (in den weiterführenden Kursen sowieso), gibt es Zeitvorgaben beim Ausfüllen. Auch wenn manchmal eine Frage nicht beantwortet wird, empfinden die Teilnehmer keinen Stress, sondern freuen sich auf diese Art der Wiederholung und Vertiefung, denn fast immer findet eine klärende und vertiefende Diskussion statt.

Praxis, Praxis, Praxis. Die zweite Form der Teilnehmertestung sind die Fehler-Such-Workshops. Die Gesamtgruppe wird geteilt. Der eine Teil verlässt den Raum. Die andere Gruppe baut einen Fehler, ein Problem in einen Testrechner ein und wählt einen aus ihrer Mitte, welcher den "hilfesuchenden User" spielt. Dann wird die zweite Gruppe instruiert, wer Gruppenführer spielt und den Dialog mit dem User führt. Dann treffen beide Gruppe wieder zusammen und der Dialog einer Support-Situation wird eingeleitet. Natürlich werden die Rollen überzeichnet gespielt und fast immer wird alles mit einem Schmunzeln von dem Rest kommentiert. Je nach Aufgabenstellung wird mehr Wert auf das Lösen des Fehlerfalls, auf die Kommunikationssituation oder auf das methodische Vorgehen bei der Diagnose gelegt. Die Lösung dauert zwischen 10 und 60 Minuten je Fall. Wenn sich keine Lösung abzeichnet, werden schon rechtzeitig Hinweise gegeben. Anschließen wird eine Auswertungsrunde durchgeführt, wo alle ihre Gefühle schildern und die Lösungssuche und die dabei aufgetretenen Schwierigkeiten angesprochen werden.  Fast immer wird irgend etwas Neues angesprochen, fast immer gibt es humorvolle Situationen. Die Begeisterung für diese Rollenspiele ist sehr hoch. Selbst nach den Kursen wird im Kollegenkreis darüber berichtet und es gibt gelegentlich Teilnehmer, die sich nur aus diesem Grunde zu den Fortbildungen anmelden obwohl sie es gar nicht müssten. Da der Schwierigkeitsgrad beliebig skalierbar ist, sind "alte Hasen" wie "Frischlinge" bedienbar. Falls die Motivation mal nicht ganz so ausgeprägt ist oder die vorgeschlagenen Probleme unrealistisch werden, greife ich natürlich mit Vorschlägen ein. In den fortgeschritteneren Modulen werden auch kommunikative Problemsituationen gespielt. Es ist hierbei immer wieder erstaunlich, wie realitätsnah trotz Übertreibung doch die Rollen gespielt werden. Selbstverständlich findet alles auf freiwilliger Basis statt; wer nicht mag, darf auch nur als Zuschauer mitwirken oder gesellt sich nur zu der Gruppe, die jeweils die Problem einbaut. Hab ich vergessen zu erwähnen, dass die Gruppen sich immer abwechseln mit der Rollenverteilung? Und habe ich auch vergessen zu sagen, dass es oft schwieriger ist, sich ein Problem auszudenken als eines zu lösen? Na gut, dann muss das wohl auch mal gesagt werden.

Nähkästchen (Teil 2)

Erste Fortbildungsmodul. Wie alles beginnt.

Sechs Uhr Montag morgen. Zwei Stunden Autobahnfahrt, dann sind wir am Ziel. Die Fortbildungsstätte wacht so langsam auf. Der Pförtner schließt den Schulungsraum auf. Ein erster Blick verrät, dass die vereinbarten Kopien der Teilnehmerunterlagen in einem Karton bereits stehen. Ein zweiter Blick verrät: es sind die Richtigen. Schnell die Signaturseite noch in den Hefter eingelegt. Die Signaturseite ist eine beliebige Seite, die nicht als Original beim Kopiercenter liegt. Sie enthält bei jedem Kurs einen anderen Rechtschreibfehler. So kann man ein wenig genauer nachverfolgen, wann und von wem die Unterlagen möglicherweise (und unerlaubter Weise) kopiert wurden. Einschalten der PCs, einloggen und schauen, ob die Betriebssystemversion auch wie abgesprochen eingespielt ist - und ob das Netzwerk geht. Oh Pech heute morgen. Natürlich das falsche Windows auf den Rechnern. Aber ins Netz gehts. Also schnell die für einen solchen Fall vorbereiteten DVDs ausgepackt, die Netzwerk-Adressen noch gerade notiert und dann per Imagekopie die neue Software auf die PCs eingespielt. Macht 30 Minuten schlechte Laune - dann geht das auch vorbei.

Um 10 Uhr geht es los. Noch eine Stunde Zeit. Kurzer Besuch bei dem Leiter des Fortbildungszentrums: Shaking hands and some smalltalk. Ob ich einen Kaffee mag, fragt die Sekretärin. Das sollte sie so langsam doch wissen: klar! Danach eine schnelle Runde bei allen wichtigen Leuten im Center: Kopierraum, Netzwerk-Admin, und meinen speziellen Freunden. Noch 30 Minuten. Es wird Zeit wieder in den Schulungsraum zurückzugehen und sich auf die ersten Teilnehmer zu freuen. Ein wenig Gesichtstraining: Cheese, Smiling, Chester ... Wenn man nicht in den ersten 3 Minuten ein Strahlemann/-weib ist, dann wird es in der ersten Stunde zäh.

Das erste Gesicht erscheint im Türrahmen. Ja hallo erstmal ... es ist ja so schön heute morgen ... und das Wetter hält auch, was es verspricht ... und wo man denn herkommt und wie die Fahrt so war ... ob man sich schon auskennt hier ... ja die Cafeteria ist noch an der selben Stelle ... Der Nächste steht im Türrahmen ...

In den ersten 3 Sekunden in den Nahbereich per Smalltalk vorstoßen und man kann dir nicht mehr böse sein ... und immer lächeln.

Fünf vor Zehn sind alle 6 Teilnehmer da. Das ist nicht immer so. Manchmal brauchst den ganzen Vormittag, bevor alle da sind. Das ist dann ein ewiges Wiederholen der Zeremonie. Aber was solls. Der Kunde ist ja König. Hihi. Du musst nur schauen, dass die Königreiche untereinander keine Krieg anfangen.

Begrüßungsrunde. Nochmal hallo. Wer was schon einmal hier gewesen, wer ist das erstmal auf Kurs. Erläuterungen, wo was wie wann warum so ist wie es ist. Und dann der obligatorische Sicherheitshinweis: Wenns Feueralarm gibt, dann nicht per Aufzug, sondern direkt aus dem Fenster springen. Haha, war nur ein Scherz. Wo es für kleine Männer und Weiber hin geht, und wer nochmal gerade dahin muss ... Wie es mit den Pausen gehandelt werden soll (Raucher sind ja sowas von nervös) ... alles klar oder hat noch jemand etwas auf dem Herzen? Wann wir am Mittwoch aufhören ... ja am späten Nachmittag ... der Zug geht aber schon früher (??? ach nee Flieger) und man könne eigentlich nur bis ... ob das denn berücksichtigt werden könnte? (Ob ich jetzt den Scherz mit dem Telefonat mit dem Cheffe anbringen soll? - Nee ist noch zu früh und zu direkt, macht eventuell zuviel Stress.)

Ja und nun würde mich schon interessieren, wer wir so sind, was wir hier wollen und vor allem was wir voneinander halten wollen. Jeder stellt sich vor, erzählt was er/sie sonst so macht und ob der PC auch zur Hause auf einem kleinen Altar steht und ihm eifrig gehuldigt wird. Wann man sich so das erste Mal gefragt hat, was denn diese Buchstaben "PC" bedeuten ... haha als man die Windel an hatte, sozusagen mit der Muttermilch ... ach erst vor kurzem, weils bei der Aldina so verlockende Angebote gab und man endlich auch mal in Internet wollte ... nun ja ... aber auf dem Schreibtisch am Arbeitsplatz hat jeder/jede einen eigenen PC? Nicht? Doch! Klar! Und wer weiß schon alles über den PC? Experten vor ... ah, schon mal ein Betriebssystem selbst installiert ... oh, kein Windows, sondern ein Mac ... Linux? Echt? Kubunto? Toll .... Hat sich jemand auf die Fortbildung speziell vorbereitet? Autogenes Training meinte ich nicht ... haha ... nein - keine Zeit gehabt ... notwendig? ... nein, aber wäre halt schön gewesen, wenn .... effektiver das Ganze dann ... ob ich was voraussetzen würde? ... nein ... man darf auch ganz dumme Fragen stellen (sichtliche Erleichterung) und dumme Fragen gibt es sowieso nicht, nur dumme Nicht-Frager ... ich werde über die Fragenanzahl eine Strichliste führen, wer bis Mittwoch die wenigsten Fragen gestellt hat, dem wird der Titel "Dummerchen" verliehen ... ob ich das ernst meine ... klaro ... ... ...

Ich notieren die Rangfolge im Kopf: Wer weiß schon genug, wer wird wohl am meisten Unterstützung brauchen, wer wird sich mit mir reiben wollen ... 99%-Trefferquote. Wenn ich später die Gruppen zusammenstelle, dann wird 1,3 und 4 und 2,5 und 6 zusammen sein. Ja das wird dann passen. Namensschilder schnell aufs Blatt übertragen. Teilnehmerliste rundgegeben.

Was werden wir die 3 Tage zusammen machen? Ich stelle die Themenliste vor und erläutere das Ziel und das Konzept: Praxis, Praxis, Praxis soviel wie möglich. Kopfnicken in der Runde. Und soviel Theorie wie nötig, damit die Praxis auch geht. Wieder Kopfnicken. Und wir halten uns nicht mit langweiligen systematischen Vorträgen auf. Ich stelle Fragen in die Runde. Wenn die Antworten nur so sprießen, dann geht es schnell weiter. So halten wir uns nicht mit Dingen auf, die sowieso jeder kennt und können uns ganz gezielt mit dem auseinandersetzen, was noch nicht klar ist und was neu ist. Wenn es für jemanden zu schnell ist, dann legen wir eine Wiederholungsrunde ein. Und die wird dann jemand machen (ein Teilnehmer), der es schon verstanden hat. Warum? Weil jeder ein wenig anderes erklärt und man so eine andere Sichtweise kennenlernen kann.

Die Agenda halte ich auf einem Flipchart fest, schreibe die ungefähren Dauern der einzelnen Themenblöcke fest und frage dann in die Runde: Haben wir alles? Ist das unser Kurs? Hat noch jemand ein Thema, das unbedingt untergebracht werden muss? Wer hat was gegen diesen Kurs-Fahrplan? Einstimmig! Ok, wann immer jemand das Gefühl hat, dass wir etwas anders machen sollten oder etwas vergessen haben, dann korrigieren wir gemeinsam den Plan. Ach nebenbei, am Mittwoch nachmittag (am Ende der Veranstaltung), wäre der Zeitpunkt, einen neuen Plan aufzustellen, nicht sonderlich produktiv, weil wir keine Zeit mehr hätten ihn umzusetzen. Also wer dann erst feststellt, dass er/sie im falschen Kurs sitzt, der sollte sich jetzt melden (grinsen in die Runde) - Botschaft angekommen? Konsensbildung abgeschlossen.

Das erste Thema handelt von dem, was einen PC zum PC macht: dem Prozessor. Wer kennt denn einen Prozessor beim Namen? Pentium? Intel? Apple? 8088? Atom? Hmm. Sollten wir glatt mal die PCs anmachen und im Internet nachschauen, ob es etwas bei Wikipedia zu diesem Stichwort gibt. *rappel, rappel, fluch* Wo denn der Einschalter wäre ... 10 Minuten später ... Wie sucht man etwas bei Wikipedia? Wer hat schon etwas gefunden? Ach - dann schauen sie doch einfach mal bei ihrem Kollegen nach, wie er das gemacht hat .... ... .... Gibt es irgendwelche Merkmal, wie man das Thema Prozessor einkreisen kann? Takt? 32/64-Bit? Front-Side-Bus? Cache? Hyperthreading? Multi-Core? Die Antworten kommen immer schneller ... ich gehe der Reihe nach bei jedem Teilnehmer vorbei und hole mir ein Stichwort ab ... schön schön ... das Flip-Chart füllt sich. Ein neues Thema wird angeschnitten: RAM. Und auch Motherboard. Bus? Hab ich da North-Bridge gehört? Ich stelle meinen PC auf den Tisch und krame einen Schraubendreher aus meine Tasche. Wer hat schon einmal einen PCs aufgemacht? Wie geht das? Ich drücke jemanden den Schraubendreher in die Hand und fordere ihn auf, den PC zu öffnen. Wir stehen alle um den geöffneten PC herum und ich frage: Wo ist denn der Prozessor? Ein klobiger Ventilator verdeckt den Chip und jemand zeigt darauf und erklärt, dass darunter der Prozessor sitzt. Ich frage: Warum wird ein Prozessor so heiß, dass man einen Kühler braucht. Eine Diskussion über Thermik, Stromverbrauch und grüne PCs beginnt. Ich teile die Bilderbücher aus (Ron Whites visueller Streifzug durch den Computer) und wir blättern via Stichwortverzeichnis auf die Seite mit den Prozessoren. Hübsch - nicht wahr? Ja, da wird auch noch mehr erklärt. Ist allerdings nicht mehr ganz aktuell, aber das Grundsätzliche kann man da nachlesen. Tolle Bilder? Ja, ist ein gutes Buch. Ob man es behalten darf. Klaro, aber nur wenn versprochen wird, es auch zu lesen und es danach zu vererben. Wieso? Weil das kein Bücherregalbuch ist, sondern ein Leserbuch - es will von einem Leser zum anderen weitergereicht werden *vorsichtiges Lächeln* Gleich machen wir unsere erste Pause. Ich denke, wir haben sie und den Kaffee auch verdient. Vielleicht werden wir uns nach der Pause duzen. Ich hab wieder mal Glück: Ist eine tolle Gruppe. Scheint nett zu werden. Naja, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben ...

Nähkästchen (Teil 1)

Berichte über Unterricht geben mehr her als man denkt, wie wohl sich damit meine Empfehlung nach pädagogischen Poems indirekt bestätigt. Daher möchte ich auch über mein Unterrichten etwas erzählen. Da es sich hierbei nicht um spezielle Methoden handelt (auch nicht um LdL), passen diese Berichte nicht unbedingt in den Kontext anderer Stellen. Methodisch könnte ein wenig von dem enthalten sein, was ich einmal in einem Blogbeitrag "Lernen durch Questen" beschrieben habe, was aber höchstens im Nachherein als Klammer dienen könnte, denn die Situationen, die ich hier vorstellen möchte, haben dies nie zur Grundlage gehabt.

Die Beschreibung werde ich unsystematisch vornehmen, halt literarisch. Manches wird erst später erklärt und manches wird sich vielleicht erst durch Nachfragen konkretisieren. Auch sind Orte, Personen und Situationen fiktiv, da ich die tatsächliche Durchführung nicht anführen darf und kann. Sicher ist eins, dass alles irgendwann so und nicht anders passiert ist.

Der Auftraggeber war eine quasi öffentliche Einrichtung und die Aufgabenstellung war die Schulung einer größeren Anzahl von bereits im der Einrichtung beschäftigten Personen zu PC-Supporter fortzubilden. Die Einrichtung selbst war ausgestattet worden mit Arbeitsplatz-PCs, aber der Umgang mit den Anwendungen und dem PC-Handling war eher bescheiden. Viele Probleme waren nicht unbedingt komplex-technischer Natur, sondern oft Bedienungsfehler und Unwissenheit. Um Stimmung und Arbeitsmotivation nicht kippen zu lassen, sollten aus jeder Abteilung/jedem Bereich einige Mitarbeiter zu PC-Unterstützern fortgebildet werden. Da sie zum einen die typischen Aufgaben und Arbeitsorganisationen kannten und auch persönlich oft ausreichend bekannt waren, versprach man sich sehr viel davon, dass wenn diese Personengruppe ein tieferes PC-Verständnis aufweisen würde, dass sie sich dann hervorragend eignen würden, viele im Alltag vorkommenden Probleme zu beheben. Eine externe Hotline für komplexere Probleme gab es auch; allerdings sollten alle Probleme erst einmal vorqualifiziert werden, bevor die "Externen" dann den Zuschlag bekommen sollten.

Die Zielgruppe, die an der Fortbildung teilnehmen sollte, war zwischen 20 und 60 Jahre alt, hatten alle eine abgeschlossenen Berufsausbildung oder ein Studium und sollten bereits über eine gewissen Erfahrung im Umgang mit PCs, dem PC-Betriebssystem und den typischen Anwendungen verfügen. Es sollten insgesamt mehr als 100 Personen in einem Zeitraum über 3 Jahre an der Fortbildung teilnehmen. Tatsächlich sind mehr als 350 Personen über 7 Jahre hinweg geschult worden. Da der Personenkreis nur einen Teil der Arbeitszeit für diese PC-Support-Aufgaben wahrnehmen sollte, also auch weiterhin für eine Hauptaufgabe in der Organisation zuständig war, waren zeitlich zusammenhängende Fortbildungseinheiten nicht möglich. Auch gab es Kostenrahmen und natürlich die typischen Verfügbarkeitsprobleme (Krankheit, Urlaub usw.), so dass eine möglichst modulares und flexibles Angebot notwendig war. Eine weitere Rahmenbedingung bestand darin, dass der Personenkreis nicht unbedingt motiviert war und es auch eine Avantgarde gab, die durch Teilnahme an der Maßnahme ihren Segen geben sollte (also erst noch überzeugt werden musste, dass die Maßnahme inhaltlich und organisatorisch passte).

Das entwickelte Konzept (inkl. Curriculum) sah dann im Einzelnen vor:

1] umfangreicher Fragebogen, um das Vorwissen feststellen zu können und zur Verfügungstellung verschiedener Text und Materialien zum Selbststudium zwecks Aufarbeitung und Einarbeitung.

2] Einrichtung spezieller PC-Berechtigungen, um auch administrative Aufgaben am PC erledigen zu können.

3] Konzeption und Entwicklung von 4 Unterrichtsmodulen (je 3 Tage Dauer): PC-Grundlagen (Hardware/Peripherie/Betriebssystem), Netzwerk-Grundlagen, Grundlagen des Troubleshooting und des Kundendienstes und Aktualisierungs-/Vertiefungs-Workshop (Themen je nach Bedarf, später wurde hier das Update-Wissen auf neue Betriebssystemversionen behandelt). Die Unterrichtsmodule bauen aufeinander auf (Reihenfolge) und sollten immer mit mindestens 2 wöchigem Abstand besucht werden. Maximal 6 Personen sollten an einer Veranstaltung teilnehmen. Damit konnte man die Unterrichtszeit des Einzelnen von rund 22 Tagen auf 12 Tage verkürzen (intensiverer Unterricht). In den Zeiten zwischen des Modulen gab es Hausaufgaben.

4] Ausarbeitung vor Fallbeispielen und deren Abstimmung mit dem "externen Support". Die Fallbeispiele bildeten die Grundlage für die Rollenspiele in den Unterrichtsmodulen.

5] Integration eines Trouble-Ticketing-Systems (Call-System) und deren Schnittstellen-Implementation (Eskalation-Prozesse, Reports, später auch: internes Abrechnungssystem)

6] stufenweises Einbeziehen der umgebenden Administration (Personalwesen, IT-Abteilung, Einkauf/Beschaffung, Rechenzentrum, Fachabteilungen)

Da einige Maßnahmen parallel abzuwickeln waren, gab es auch die Aufstellung und Schulung eines Trainer-Teams und deren Abstimmung untereinander sowie spezielle methodische Engagements (praktische Übungen, Fragebögen und Durchführungsorganisation), die für ein gleiches inhaltliches Niveau sorgen sollten. Wechselseitige Hospitation der Trainer und Coaching gehörten auch dazu. Ein bereits bestehendes Qualitätsmanagement für Schulungen wurde genutzt (qualitätserhebende Fragebögen und deren Auswertung). Regelmäßige Abstimmungen mit dem Auftraggeber (er konnte auch jederzeit Besucher zu den Veranstaltungen entsenden) sowie ein Change-Management-Prozess (für eventuelle Veränderungen an der Durchführung und inhaltlichen Gestaltung) wurden vereinbart.

Kurzes Szenario des Unterrichts (didaktisches Design): Da es keine feste Zusammensetzung des Teilnehmerkreises für die einzelnen Module gab und sich auch nicht-bekannte Personen treffen konnten, findet immer zu Beginn eine Teilnehmervorstellung mit Erwartungsabfrage statt. Aufgrund der Erwartungen, des Vorwissens und der Modulziele wird gemeinsam (Trainer und Teilnehmer) eine Agenda beschlossen (da mehr als 50% Praxisanteile konzipiert sind, gibt es immer genug Möglichkeiten). Die Vorstellungsrunde ist zugleich als gegenseitiges Kennenlernen und miteinander Warmwerden platziert. Aufgrund der Themenschwerpunkte führt der Trainer in die wichtigsten Punkte per Vortrag oder Frage-Antwort-Dialog ein; der rote Faden und die Wissensübersichten werden auf Metaplan oder Flipchart-Seiten dokumentiert. Es gibt den Unterricht begleitende Skripte, zum Teil Bücher, immer das Web (jeder Teilnehmer hat seinen PC) und Anschauungsmaterial (PC zum Auseinanderbauen) und/oder Exkursionen (Besuch eines Netzwerk-Leitstands). Pro Modul sind 4 Tests (Fragebögen) und mindestens 2 Workshops angesetzt. In den Workshops treten 2 Gruppen gegenseitig an und bauen sich Fehler ein, die die jeweils andere Gruppe dann herausfinden und lösen soll (Dauer eines Workshops ca. 30-60 Minuten). Hausaufgaben werden auf die nächste Modul-Sitzung aufgegeben (Beobachtungsbericht oder Recherche eines Problemfalls) und dort besprochen. Wegen der kleinen Gruppen muss jeder Teilnehmer sich einbringen und Beiträge leisten; es gibt keine Zurückgezogenheit. Jeder kann jederzeit zu jedem Thema Fragen stellen (oder diese direkt beantwortet werden oder erst per Mail nach dem Modul, ist dem Trainer überlassen). Störungen haben Vorrang. Zentrales Lernziel ist: Wissen und Erfahrungen aneignen (auch humorvoll voneinander lernen), um PC-Probleme methodisch zu lösen.

06.02.2009

Spieglein, Spieglein an der Wand ...

Die Meldung ist ja eigentlich überfällig: Werbe-Plakat erkennt Geschlecht und Altersgruppe (siehe ct-Meldung 2009-02-05). Was schon seit der Märchenzeit in unserem Kopf herumgeistert, ist das Werkzeug zur Sichtbarmachung unserer (geheimsten) Wünsche. Jetzt ist es offenbar angekommen. Es verfügt über einen Erkennungsmechnismus, der die Betrachter analysieren und einteilen kann: Geschlecht, Alter.

Bald werden "Befindlichkeit", "Sehnsüchte" usw. folgen, denn auch hier gibt es ja schon zarte Softwarepflänzchen, die so etwas entdecken können. Klar kann man den Betrachter auch wiedererkennen, seine Verweilzeiten vor dem Plakat messen und dies mit anderen Daten abgleichen (er würde ja schon ausreichen, wenn sich die Plakate untereinander die Informationen zukommen lassen). Wir wissen dann das wann und wo und auch das mit wem wir uns das Plakat anschauen, wäre nicht schwierig.

Auch unsere Reaktionen auf die vorgestellten Plakatinhalte könnte man scannen und aufzeichnen, um uns möglichst keine für uns "langweiligen" Inhalte mehr präsentieren zu müssen. Ja möglich wäre das alles schon. Und sicherlich auch für Werbezwecke recht sinnvoll. Ein Schelm, der sich jetzt mehr dabei denkt. Im Grunde ist das doch genauso wie man im Web das Advertising plaziert, auswertet und aufzeichnet. Macht doch jeder so, der einen kostenlosen "social web provider" nutzt oder sich Accounts bei Yahoo oder Google angelegt hat. Wie sagte jemand vor Kurzem? Die Werbezeile bei Googlemail passt sich dem Mailinhalt an, bevor du die Mail gelesen hast.

Gut dass ich einen entspiegeltes Display bei meinem Laptop habe und auch keine Webcam. *gg*

Wenn es dann mal soweit ist, dass diese Werbe-Plakate überall hängen, dann werde ich zum Schleier greifen ...

PS. Kennt jemand zufällig den Film "Das Bourne Ultimatum"? Passt auch ein wenig in diese Überwachungs-Thematik.

05.02.2009

Gedanken zu Lernen durch Lehren

In dem Forum "Lernen durch Lehren" findet eine interessante Diskussion statt, die das Verständnis zu und über die Methode reflektiert. Ich finde es gut, dass es endlich (!) ein Forum zu LdL gibt. Es wird sicherlich noch ein wenig dauern, bis die Beiträge kürzer und die Diskussion heftiger wird. Wer einmal einen Blick auf eine sehr lebendige Forums-Kultur werfen möchte, kann gerne einmal das deutsche Synology-Forum besuchen, wo ich ja Moderator bin.

In besagtem LdL-Forum hat Marcus etwas über die Stimmen seiner Studenten verfasst, was ich hier kommentieren möchte. Es sagte, dass sie für ihr Geld einen 'professionellen Instruktor' erleben möchten und Marcus sprach in diesem Zusammenhang von der Meister/Schüler-Metapher. Ich hatte hierzu ja auch schon einen Blogbeitrag geschrieben und verstehe dieses Bedürfnis und teile es. Darüber hinaus möchte Marcus eigentlich seine bislang erfolgreiche Projektarbeit nicht aufgeben, will aber gerne LdL-Erfahrungen sammeln, wenn ich ihn richtig verstehe, und vermutet sich in einem Dilemma.

Ihm wird nun von Jean-Pol nahe gelegt, es doch mit LdL zu versuchen, weil nur LdL alles aus seinen Lernenen herausholt ("man merkt an seinem Gesicht, dass er noch einiges zu sagen hätte"). Nun ja das mag sicherlich so sein, dass man immer noch intensiver arbeiten kann, aber ob das nun von der Methode abhängt, scheint mir sehr gewagt in der Annahme zu sein. Ich denke, dass der Intensivitätsgrad nicht allen von der Methode ausgeht, sondern eher von der Lehrerpersönlichkeit. Dass Jean-Pol sehr intensiv ist, ist unbestritten, aber das wäre er sicherlich auch mit anderen Methoden.

Melanie stärkt dem Einsatzargument von LdL den Rücken mit der Aussage: "Lernen hat mit eigenständiger Leistung zu tun ... endlich dürfen Studierenden wieder denken und müssen nicht mehr nur wiederkäuen - Und eine Ausbildung egal in welcher Form kann doch nur gut sein, wenn die Lernenden wirklich für das Leben gelernt haben (und nicht für die Schule/Uni/Lehrer/Prof)." Das führt zu einer Polarisierung zwischen LdL und dem Rest der Methodenwelt. Das sehe ich nicht. Es gibt ganz viele Unterichtsmethoden, die nicht das Wiederkäuen und Nicht-Denken als zentrale Erlebnisempfindung erzeugen. Das Schöne an LdL ist, dass diese Methode Schüler-zentriert ist (soweit der Regisseur das zulässt *gg*), aber das sind auch andere Methoden. Darüberhinaus bin und bleibe ich der Meinung, dass man in der Schule vorrangig für die Schule (Schulprüfungen) und nicht fürs Leben lernen sollte.

Auch die Gegenrede von Chris zum Instruieren teile ich nicht ganz und gar. Es spricht weder etwas gegen das Instruieren, noch ist das Dafür oder Dagegen ein Argument für die spätere Weiterbildungsfähigkeit. Vielleicht sollten die persönlichen Bilder, die mit solchen Begriffen verbunden sind, nicht immer so schnell verallgemeinert werden. Ich bin auch in späteren Jahren zum Rettungstaucher "instruiert" worden und kann das weder als schlechte Erfahrung noch als schlechte Methode empfinden. Und es hat auch meine Denk- und Lernfähigkeit nicht beeinträchtigt, eher sogar gefördert. Ansonsten hatte ich den Titel eines "leitenden Instruktors", bevor ich dann zu einem Leiter eines Schulungzentrums mutierte. Also so schlimm war es nicht.

Zur Ausgestaltung und Umsetzung von LdL würde ich mittlerweile empfehlen, sich einmal mit den Gedanken des "Instruktionsdesign" auseinanderzusetzen. Hier findet man eine Handlungsanleitung (Methodik), die LdL aus meiner Sicht sehr schön unterstützen kann, wiewohl sie mit LdL nicht direkt etwas zu tun hat. Aber es steht ja immer die Frage im Raum, nach welcher Methode denn die Schüler "unterrichten" sollten und da böte sich das Instructional Design (kurz: ID) von Robert Gagné zum Beispiel sehr gut an.

Marcus hat in einem anderen Beitrag das Thema "Benotung" angesprochen. Darum drücken sich ja alle gerne. Ich würde das Problem so lösen: Mittels LdL könnten ja die Schüler/Studenten-Gruppen sich Tests und Prüfungen überlegen/entwickeln, die den zu prüfenden Stoff (Wissen, Anwendungskenntnisse, Befähigungen) auch prüfen. Am besten mit Auswertungsrichtlinien. Und sie könnten sich überlegen, wie sie ihre Kollegen dazu befähigen, diese Prüfung auch erfolgreich zu bestehen. Damit wäre man sehr zielgenau und hätte auch die nötige Motivation und (!) hätte das Lehrer/Lernende-Verhältnis aufgebrochen, denn nun sind die Probanden gleichzeitig die Prüfer und Supporter. Was will man mehr, um LdL-Unterricht zu entwickeln. Ich weiß, ich bin da ein wenig vorbelastet, weil ich auch in einem Blogbeitrag schon was dazu geschrieben hatte: Lernen durch Questen *gg*. Aber so ist das Leben nun mal und hier kommt auch schon der Quest: Suche den Blogbeitrag ;)

Nur so als Bemerkung am Schluss: Ja ich habe das alles schon in der beruflichen Fortbildung ausprobiert ... er funktioniert. Wer möchte, dem kann ich gerne dabei Support geben. Das ist ja auch mein Job: Als Hexe in der virtuellen Welt und als Coach in der realen Welt.

01.02.2009

Twitter-Alltag

Nachdem meine Umfrage nun beendet ist und die Auswertung ein wenig Hoffnung macht, dass man Spuren bei anderen hinterlässt (natürlich hat so eine Umfrage auch Ventilfunktionen), möchte ich noch ein paar persönliche Impressionen schildern.

Manchmal ist es deprimierend zu sehen, mit welch fröhlicher, ja geradezu positiver Einstellung getwittert wird: "erfolgreich - schön - umjubelt" will ich das mal kennzeichnen, wenn man gleichzeitig auch die weniger schönen Tweets lesen muss. Klar, nicht alle lesen das, was ich lese, aber so im Durchschnitt ... Da fehlt einem schon manchmal das Mitgefühl füreinander. Es scheint so, als wäre der ganz normale Egoismus auch bei Twitter nicht aufgehoben, obwohl ja eine weltumspannender Hierarchie freier Meinungsaustausch mancherorts bewundert wird, der eigentlich für das Gegenteil wirbt.

Ich habe ein paar Mal eine Diskussion zu einem umstrittenen und umstreitbaren Thema provoziert. Eine richtige Diskussion ist zwar nicht entstanden, aber es gab Rede und Gegenrede und es haben sich doch eine mehr daran beteiligt als ich gedacht hatte. Ich selbst habe gemerkt, dass sich Twitter nicht so gut eignet wie zum Beispiel ein Chat-Channel für solche Diskussionen, aber es wäre schon möglich, wenn man sich schnell zu einem eigenen Thema als Gruppe finden könnte. Hier fehlt was bei Twitter. Auch die Aufzeichnung für eine Nacharbeit ist mühsam. Zwar mag man per Tagging einen Zusammenhalt konstruieren, aber das geht dann wieder auf Kosten der Tweed-Länge.

Gut finde ich die Informationsbekanntgabe mittels Twitter, sei es dass man seinen Blog-Beiträge postet oder Links. Auch das in den Raum Fragen erzeugt oft einen gute Resonanz.

Gelegentlich lese ich von Spam-Tweeds bzw. Span-Twittern. Alles was nicht ganz auf der persönlichen Ebene bzw. nicht direkt auf einen zugeschnitten ist, aber mit einem gewissen kommerziellen Touch versehen ist, zählt wohl dazu. Ein Widerspruch zu den vielgepriesenen kommerziellen Möglichkeiten, die von Evangelisten ausgelotet werden? Weil wenn Advertising so verpackt werden muss, dass es nicht mehr so aussieht, damit es akzeptiert wird, dann stellt sich die Frage erst recht nach Spam (nur erkennen würde man ihn nicht).

Das Hinterhergelaufe nach Followern ist auch sehr zweischneidig: Auf der einen Seite trägt das zum Bauchgepinsel bei, auf der anderen Seite kann man nicht auf seine Follower eingehen, wenn die Zahl größer 200, 300 oder 500 ist. Was ist das dann für eine Heerschar, die einem da folgt? Eine Community? Eine Gefolgschaft, die einen schätzt oder sich Information verspricht? Also mir wäre das nicht wirklich was Wert, wenn da keine persönlichen Bezüge sichtbar würden, weil es eher nach Zufall riecht als nach Struktur (die ich eventuell für die Verbreitung einer Botschaft nützen könnte). Das Gleiche gilt auch analog für die Twitter-Tools, die Ranking oder Beliebtheit suggerieren.

Nach einer Weile wird Twitter eher zu einer netten Nebensache, die man mehr oder weniger verfolgt. Man kann und darf sich also nicht wundern, wenn nicht alle Tweed ankommen bzw. gelesen werden. Und umgekehrt gilt das natürlich auch. Damit der Aufwand der verbindlichen Kommunikation nicht aus dem Ruder läuft, sollte man auf jeden Fall eine zweite Kommunikationsplattform, z. B. Blog, anbieten, in der auf Tweeds refereziert werden kann. Das ist aber kaum der Fall. Es fehlen fast überall die Möglichkeiten, auf einen Tweed gezielt in einem Blog-Beitrag oder Blog-Comment einzugehen. So läuft das belanglosere Twittern, weil nicht steuerbar, nur nebenher.

Ansonsten ist viel Selbstdarstellung in Tweeds zu lesen, ob immer wahr oder nur angegeben, mag jeder selbst fühlen. Ich lese mittlerweile darüber hinweg.

Positiv vermerken muss ich für mich, dass ich einige neue Bekanntschaften machen konnte, diese aber nur in einem virtuellen Raum belassen kann, weil ich ja ein Avatar bin. Aus Games weiß ich, dass es nicht immer ganz unproblematisch ist, sie ins reale Leben zu übernehmen. Umgekehrt scheint es keine Probleme zu bereiten, reale Bekanntschaften auch in der Twitterwelt zu pflegen, weshalb ich in der nächsten Zeit probiere, diese Tworld-Variante etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ich bin zwar nicht aus der Welt, werde mich aber deutlich seltener zu Wort melden.

cya Itari

30.01.2009

Freiheit

Wie kommt man/frau dazu über Freiheit zu bloggen? Ein Blogbeitrag von ekirlu hat den Anstoß gegeben. Dann den Wikipediaeintrag zu Freiheit gelesen und nachgedacht.

Sind wir frei?

Können wir tun, entscheiden, leben, lieben, arbeiten, gestalten, reden, wählen, reisen usw. was bzw. wen bzw. wohin wir wollen? Immer wenn wir an Grenzen stoßen, denken wir über Freiheit nach. Darüber, ob die Grenzen bedeutsam sind und ob wir sie in Kauf nehmen wollen oder müssen. Da hört dann unsere Freiheit auf. Freiheit hört auf, wenn sie die Grenzen des anderen überschreitet: "Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu." Ach würden sich doch daran auch einmal die Anderen halten ...

Kinder sind nicht frei.

Ihre Eltern entscheiden und engen sie ein. Erst wenn sie "mündig" werden, dürfen sie für sich selbst sprechen. Das Problem gibt es auch bei Alten und geistig Verwirrten: Entmündigung. Auch die Entscheidung, ob wir sterben wollen, ist nicht frei. Arbeitnehmer sind nicht frei; sie müssen sich an Arbeitsordnungen und Anweisungen ihrer Vorgesetzten halten. Soldaten sind nicht frei. Knasties sind nicht frei. Manche Frauen sind in ihrer Ehe nicht frei oder werden zur Ehe gezwungen. Hunderte von Gesetzen regeln die Freiheiten: Verträge, Vergehen gegen das Eigentum und das Leben, Verkehrsregeln usw. Man sagt, dass alle vor dem Gesetz gleich sind - also gleich frei? Man sagt, dass Leute mit viel Geld, Einfluss und Macht ihre eigene Freiheit haben. Man rechtfertigt Unfreiheit manchmal mit anderen schönen Begriffen wie Verantwortung, Gemeinwohl, Terrorbekämpfung ... Warum herrschen nicht die Affen über die Menschen? Es soll da ja mal interessante Forschungsergebnisse gegeben haben ...

Der Freiheitsglaube

Freiheit und Tod ("lieber tot als rot"), Freiheitskämpfer, Menschenopfer (warum sind sie eigentlich nicht allgemein erlaubt, Krieg und Todesstrafe gibt es doch auch), Folter, Gehirnwäsche, Ruhigstellung, Unfälle (Unfallopfer und ihre Täter), Konsumterror, Nachsitzen = Strafe für das Schuleschwänzen, Notenopfer in der Schule, Mafia und Erpressung, Entführung, Rufmord, "der gute Ton" - ach wie viele Begriffe und Zusammenhänge gibt es zum Thema Freiheit. Und: Immer wollen andere besser wissen, was gut für einen ist: Glaube keinem etwas zum Thema "Freiheit", denn er will dich nur um deine Freiheit betrügen.

Wie und warum erlernen wir den Begriff "Freiheit"?

Wir lernen etwas über Freiheit von unseren Eltern, unseren Geschwistern, unserer Familie. Ihre Vorstellungen von Freiheit erleben wir in unserer Kindheit, wenn wir erlernen müssen, was wir dürfen und was nicht. Grenzregeln, die vielleicht für das Überleben notwendig sind. Man nennt das Erziehung. Was wir eher selten lernen, ist, wie man anderen Freiheit schenkt.

Später kommt die Schule, die Ausbildungszeit hinzu. Lehrer erziehen uns. Ausbilder erziehen uns. Militärdienst erzieht uns. Studium erzieht uns. Wir nennen es oft Sozialisation. Es ist immer damit verbunden, dass wir unsere Freiheit einschränken: wir können nie das tun, was wir wollen, sondern müssen uns stets daran orientieren, was andere für richtig halten. Selbst wenn wir unsere gesetzliche Freiheit (Selbstständigkeit, Mündigkeit usw.) mit dem Erreichen eines bestimmten Alters erlangen, sind es die Rechte und Pflichten ("bürgerliche Freiheit"), die wir nun beachten müssen. Fazit: Wie lernen nie, wirklich frei zu sein. Beweis: Später, im Alter, werden wir sagen, als Kind hatten wir fast grenzenlose Freiheiten und denken uns diese Zeiten schön.

Freiheit und ihre Grenzen

Wir lernen also immer, dass Freiheit nur soviel ist, wie gerade die Grenzen erlauben. Wir lernen damit zurechtzukommen. Wir lernen aber auch, dass Freiheit ein hohes Gut ist und dass wir uns im Grunde glücklich schätzen können, dass wir in Freiheit leben. Es könnte ja auch schlimmer sein, ist die Antwort bei genauerer Nachfrage. Und wir sollten uns zufrieden geben, denn "grenzenlose" Freiheit gibt es nicht. Trotzdem wird uns immer versichert, dass wir den Begriff der Freiheit schätzen sollen - auch wenn er wirklich nicht erlebbar ist. Im Grunde gibt es erlebte Freiheit nicht, aber der Schein muss aufrechterhalten werden, weil sonst der gesellschaftliche Konsens gefährdet ist und die Ordnung in Frage gestellt wird. Viele Soziologen haben hierzu Theorien entwickelt. Keiner eine, wie man ohne den Begriff besser leben könnte. Seit einiger Zeit bröckelt die Konzeption ein wenig, weil gehirnphysiologische Studien belegen, dass der Mensch keinen "freien Willen" hat, dieses Konzept aber für die freiheitliche Rechtsordnung notwendig ist.

Freiräume

Besser wäre es vielleicht, wenn man den Begriff "Freiheit" weder hoch hält noch für gesellschaftliche Begründungszusammenhänge verwenden würde. Wenn man einfach sagen würde, wir müssen uns arrangieren mit den Menschen, die uns noch ein wenig Luft zum Atmen lassen. Wenn wir unseren Kindern in dieser Enge ein paar Freiräume schaffen könnten und sie ohne Illusionen in die "Unfreiheit" entlassen würden. Ihnen vielleicht Tipps mit auf den Weg geben, wie sie trotz der vielen Grenzen, ihr Leben führen und schätzen können (jaja, der Ansatz vom glücklichen Sklaven ist nicht neu).

Ohne Ordnung und Regeln keine Freiheit.

Schauen wir uns den Begriff "Freiheit" in unserer gesellschaftliche Ordnung genauer an, also Grundgesetz, bürgerliches Gesetzbuch, Strafgesetz usw. Eine zentrale Rolle spielt hier die Beziehungsgestaltung des Bürgers zu anderen Bürgern. Sie wird im allgemeine durch Verträge geregelt. In diesen Sinne spricht man von der "Vertragsfreiheit", der Freiheit also, seine Verträge so zu gestalten, dass sie zur beiderseitigen gleichberechtigten Gestaltung einer Beziehung werden. Wir kennen das ja zu hauft: Kaufverträge (mit Kleingedrucktem), Arbeitsverträge (wo wir nur unterschreiben können), Eheverträge usw. Verträge regeln oft die Leistungen und Verhaltensweisen (ich geb dir und bekomm dafür von dir) und ihren Ausgleich. Freiheit gegen Geld (bzw. der Basis fürs Überleben). Aufgabe von Freiheiten, um Sicherheit zu erhalten. Man sagt, dass wäre fair, weil man ja nicht zu seinem Glück gezwungen wird. Und: wer es sich nicht leisten kann, der hat auch nichts zu fordern. Die Schuldnerberatung lässt an dieser Stelle grüßen.

Schule und Freiheit

Neben der Tatsache, dass Kinder noch im Stadium der Unmündigkeit die meiste Zeit in der Schule sind (die Diskussion über freiheitsberaubende Schulstrafen lass ich grad mal weg) und auch dorthin müssen (Diskussion über die Schulpflicht und ihre Befreiung lass ich auch grad mal weg ... nur zur Erinnerung: Eltern dürfen ihren Kindern keinen Privatunterricht als Schulersatz geben), wird der Erziehungsauftrag - wie man mit der Freiheit umgeht - mit Leuten umgesetzt, die eigentlich keine Ahnung davon haben: nämlich mit verbeamteten Lehrern. Wie sollen solche Menschen, die ja selten in ihrem Leben von ihrer Vertragsfreiheit gebraucht machen mussten (Arbeitsvertrag eines Lehrers aushandeln mit allen Gestaltungsfreiheiten) jemanden beibringen, wie er/sie ihre vertragliche Freiheiten fürs eigene Leben gestalten könnte. Wie viele Schüler werden in der Schule für eine Leben in einem freien Beruf ausgebildet (Selbstständigkeit), wie viele Einstellungen, Verhaltensweisen können von einem Lehrer hierzu kommen? Das macht nachdenklich. Lehrer reproduzieren Berufsrollen (ein Leben lang den gleichen Job, den gleichen Arbeitgeber) die es im aktuellen Berufsleben so nicht mehr gibt. Das ist nicht gut. Weder für die Schüler, noch für die Freiheit.

Persönliche Freiheiten

Wenn man seine Meinung sagt, wird man auch schnell merken, dass man nicht alles sagen darf. Sowas wie Meinungsfreiheit gibt es abstrakt, aber konkret darf man doch nicht alles sagen. Von Gesetz wegen ist Beleidigung, üble Nachrede und Rufschädigung was ganz Schlimmes und kann auch empfindlich bestraft werden. Auch dem beliebigen (freien) (Be-)Nutzen von Begriffen, Bildern, Geräuschen ist schnell ein Ende gesetzt: Anwälte schicken Abmahnungen und drohen mit Bestrafung. Nur wenn man bezahlt bzw. reich ist, kann man sich die "Rechte" leisten (man kauft sich sozusagen die Freiheit). Wobei die ganz Reichen durchaus auch mal Pleite werden dürfen, weil sie dann von der Gesellschaft wieder aufgepäppelt werden. "Freiheit" ist ja grenzenlos und manche können sie sich auch leisten *gg*.

Manchmal sind die Grenzeinhaltungen der Meinungsfreiheit nicht durch offizielle Gesetze, Verträge definiert. Es gibt Konventionen, wie man mit seiner Meinungsfreiheit umgeht, welche durch soziale Ächtung und Ausschluss aus Kommunikationsverbünden sanktioniert werden. Sogar im Internet. Allerdings gibt auch konkurrierende Freiheiten: So kann man legal durchaus anonym oder per Pseudonym seine Meinungsfreiheit wahrnehmen. In der virtuellen Welt kann dies zum Beispiel durch einen Avatar geschehen. Auch wenn viele dies gar nicht als Freiheit verstehen und ihr Unverständnis darüber ausdrücken. Aber immer daran denken, dass zuviel Meinungsfreiheit auch ihre Grenzen hat, und das ist doch auch gut so, sonst .... nicht wahr?

Alle philosophischen Denker über die Freiheit hatten die Freiheit über die Freiheit nachzudenken. Ob das eine Voreingenommenheit ist?

Nachtrag 2009-02-05:
Hier ist ein Artikel über die aktuelle philosophische Freiheitsdiskussion, welche auch den neuronalen Aspekt berücksichtigt: klick

Nachtrag 2009-02-06:
Ich glaube, der Aspekt der persönlichen Freiheit bzw. Unfreiheit in einem sehr speziellen Fall ist noch unerwähnt, die Meinungsfreiheit. Ein starker Indikator. Zur Meinungsfreiheit gehört natürlich auch die Freiheit der Darstellung der Persönlichkeit (Selbstdarstellung). Damit verbunden ist die teilweise Aufgabe der Privatsphäre. So lange diese freiwillig (darin besteht die Freiheit) ist, scheint alles ok zu sein, aber die mediale Speicherung macht daraus ein Problem: das des Nicht-Mehr-Vergessens. Die Diskussion hier soll dazu ein wenig erhellen. Unerwähnt ist dabei noch die unfreiwillige Preisgabe der Privatsphäre ... das wird sicherlich an anderer Stelle noch aufgegriffen.

29.01.2009

Didaktik

Hätten wir einen König oder Kaiser und hätte dieser Kinder oder Enkel, dann könnte eine Aufgabe der hervorragendsten Pädagogen des Landes sein, einen Lehr- und Erziehungsplan (Didaktik) für diese zu erstellen. Was würde da wohl drin stehen? Ich wäre gespannt. Leider haben wir in der Republik keinen Präsidenten und keine Kanzlerin, die solche Fragen so spannend machen würden, eine Ausschreibung zu einem solchen Thema zu veranlassen. Wiewohl es von allgemeiner Bedeutung sein könnte, weil es eine gewissen Verallgemeinerung erfahren könnte: Da wir ja nicht wissen, wer in 20, 30 oder 40 Jahren einmal diese Ämter bekleiden wird, könnte man ja so tun, als müsste man in jedem Heranwachsenden einen potentiellen Kandidaten sehen und ihm/ihr die best-mögliche Erziehung bzw. Bildung zu kommen lassen.

Mit Königskindern ist das einfacher, weil abgrenzbarer. Aber die Grundidee bleibt als Gedankenexperiment bestechend: Wie sähe der Lehrplan aus? Was für Inhalte, Ziele, Verfahren, Methoden usw. würde man Stand 2009 finden und guten Gewissens empfehlen? Welche Organisation müsste man wie gestalten, um die optimale Ergebnisse zu erzielen, welche Themen braucht der Mensch, wenn er später die Aufgabe eines "Herrschers" übernehmen sollte. Welche Ideale, welche Werte, welche gesellschaftliche Gesamtperspektive würden wir gerne realisieren. Spannende Fragen für Pädagogen im Zeitalter von Web 2.0, Digital Natives und global Twitters.

Gibt es eigentlich Entwürfe für solche Szenarien? Und gibt es Interesse an solchen Fragestellungen? Ich stelle einmal zwei Antworten vor.

Mittlerweile ist der dritte Band von Eragon erscheinen. Genre: fantastischer Entwicklungsroman, geschrieben von dem Amerikaner Christopher Paolini mit 15 Jahren (mittlerweile 24), verfilmt und weltweit reichlich bekannt und verkauft. Thematik: junger Bursche Eragon wird zufällig der letzte Drachenreiter (auserwählt von seiner Drachin Saphira) und muss die (bekannte) Welt von einem Tyrannen befreien (Schicksal und Lebensaufgabe): "aber der Sinn des Lebens besteht nicht darin, zu tun was wir wollen, sondern zu tun, was getan werden muss. Das ist, was das Schicksal von uns verlangt." Die Aufgabe bedarf der bestmöglichen Ausbildung. Die Ausbildung findet als Mischung zwischen Erfahrungslernen, gewonnen in kritischen Situationen (Initiationen, Erfolge, Niederlagen, Reifung, Übernahme von Verantwortung) und durch Anleitungen verschiedener (Lehr-)Meister statt. Sowohl die Methodik als auch die Lehrplangestaltung wird in einem vorwissenschaftlichen Diskurs beschrieben, ist aber an der Wertevorstellung unserer heutigen Welt durchaus orientiert: Vegetarismus, Ökologie, begrenzte Ressourcen, Freiheitsvorstellungen, Herrschaftslegitimation, Verhältnis von Theorie und Praxis, Aufgreifen der Probleme einer Konsum- und Freizeitgesellschaft (der Elfen), Elitenproblematik, Rassismusproblematik usw. Noch fehlt der vierte Band, in dem vermutlich die Auflösung des dramatischen Hauptkonflikts geschildert werden wird (Sturz des Tyrannen), aber bereits jetzt sind die drei vorliegenden Bände eine großartige Beschreibung einer Befreiungs-Didaktik. Und sie enthalten ganz nebenbei sehr schöne Gedanken zu philosophischen Grundfragen, zur Bedeutung von Religion und zur Entwicklung sozialer Gemeinschaften.

Das Interessante der Eragon-Bände ist, dass sie von einem Autor geschrieben worden sind, der sich selbst mitten in der Adoleszenz mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat und wohl auch gerne von Teenagern gelesen wird, die sich in einem ähnlichen Entwicklungsstadium befinden. Offensichtlich wird, wie in den Büchern das Erwachsenwerden problematisiert wird, es auch von dieser Generation gefühlt. Das könnte zu Insider-Einsichten führen *gg*

Die zweite Antwort stammt von Neal Stephenson, welcher bereits mit seinem Buch "Snow Crash" unser virtuelles Leben beeinflusst hat (er hat dort die Vorlage für Second Life geliefert). In "Diamond Age" wird beschrieben, wie ein genialer Nanotechniker den Auftrag realisiert, eine "Illustrierte Fibel für die junge Dame" zu entwickeln, einen Hochleistungscomputer in Form eines Nanobuchs. Ein mächtiger Großindustrieller will damit seine Enkeltochter erziehen: Es ist ein Buch, das Mutter, Kindermädchen, Kindergarten und Schule ersetzen soll und das Mädchen zur Rebellin (zwecks Verbesserung der Welt im Sinne der herrschenden Klasse!) erziehen soll. Als der Entwickler illegalerweise eine Kopie des Nanobuchs an eine andere herrschende Gesellschaftsgruppe verkaufen will, fällt diese einem Mädchen aus der Unterschicht in die Hände. Dieses loggt sich in das in der Fibel verborgenen Informationsnetz ein, womit nicht sich nicht nur ihr Leben für immer zu verändern beginnt ...

Neal Stephenson hat "Diamond Age" im Jahre 1995 veröffentlicht, daher sind noch nicht alle Implikationen des Web berücksichtigt; er kommt aber visionär sehr dicht an das heutige Verhältnis zur Information im Web heran: Wissenspeicherung, der Umgang mit ihr (Wikipedia, Google) und die moralischen Implikationen der Wissensnutzung für die Veränderung von Gesellschaft (Herrschaftswissen, heimliches Wissen, beherrschendes Wissen).

Nach dem Durchdenken solcher Bücher drängt sich die Frage auf, welchen Lehrplan wir denn für unsere Kinder haben. Hat er sich in der letzten Zeit durch das Web geändert? Und wenn ja, wohin wird/soll er sich in den nächsten 10 Jahre entwickeln?

25.01.2009

Charlottenburg

Wenn man eine Reise tut, dann kann man was lernen. Wenn man aufpasst, dann sogar richtig.

1] Wenn breite Männer sich im Hotel zum Frühstück ihre Teller voll beladen, dann denkt man sich nichts dabei. Wenn schlanke, große Frauen dasselbe tun, dann hört man sie meist in einer anderen Sprache sprechen. Oh holde Landwirtschaft, welche Kulturen bringst du zur grünen Woche in Berlin zusammen. *gg*

2] Blick vom Frühstückstisch auf die andere Straßenseite 5. Stock 7:45 Uhr. Fünf junge Frauen sitzen um einen Tisch herum und spielen Karten. Eine halbe Stunde lang. Ein eigenartiges Spiel. Sie sprechen viel dabei. Danach verlassen sie die Wohnung und man sieht sie ein paar Minuten später ihrer Wege ziehen. Die ganze Woche lang jeden Tag. Ich bin neugierig. Ich frage. Die Antwort: Sie lernen Deutsch. Mit einem Spiel ähnlich trivial pursuit. Die Fragen und Antworten stehen in verschiedenen Sprachen auf den kleinen Kärtchen. Sie fragen sich nun gegenseitig ab und lernen dabei Deutsch und wahrscheinlich noch mehr. Alles ganz ohne Lehrer (LoL = Lernen ohne Lehrer). Darf man das eigentlich? *gg*

13.01.2009

Weltenwanderer

Twittern, bloggen usw. das ganze Web 2.0 Zeugs ist eine neue Welt, sagt mann/frau. Die Kommunikation ist anders, die Themen sind andere, die Leute sind ganz anders, die Rollen sind anders, einfach alles ganz anders. Mann/frau lernt sich anders kennen. Richtig? Native Digitals werden die Leute manchmal genannt, die sich in diesen eher virtuellen Welten/Großraumbüros usw. treffen und sich gegenseitig beglücken/gruscheln, informieren und zwitschern.

Und alle finden das ganz toll. Besser als alles andere (sonst wärs ja kein hype). Und sie sind zufrieden mit den neuen Kommunikationsmitteln, weil sie Zeit und Raum überspannen & verbrauchen, die eigene Gestalt ganz anders erscheinen und das Vier-Augen-Gespräch in aller Öffentlichkeit führen lassen.

Und alle sind zufrieden. Naja nicht ganz. Da gibt es noch dieses kleine Dorf, äh dieses kleine Fleckchen auf dem Westchen: die Sehnsucht nach realer Nähe. Puh! Es ist noch nicht alles im Herrschaftbereich des Web 2.0. Noch gibt es ein paar aufrechte Kämpen, die Widerstand leisten. Wie? Mit Barcamps, Blogger-/Twitter-Treffen, real social events usw. Gut das es das noch gibt in der Zeit, wo Briefe, das persönliche Gespräch, die Geselligkeit in der Kneipe (für Süddeutsche: Wirtschaft) doch komplett durch die neuen Medien abgelöst sind und man auch gar nicht mehr richtig weiß, wie das geht.

Mit der eigenen Stimme reden ist schon ein wenig seltsam, weil man sich ja an die Sprachsynthese bei Navigationsgerät und beim Vorgelese der Tweeds schon richtig gewöhnt hat: "Please observe the speed limit". Das Handy, pardon iPhone schaltet sich per Gesture an und aus und auch sonst irgendwie ... man/frau ist das gewohnt. Und nun gibt es die wackeren Helden ("be my hero"), die mit ihre real life events alles wieder in Frage stellen wollen? Oder ist das nur ein wenig Urlaub auf der Insel?

PS:
Wir schreiben das Jahr 2005 und sind in EQII, in Freeport am Hafen.
"Oh holde Maid, wollen wir nicht auch einmal im realen Leben gemeinsame Schlachten schlagen?"
"Alda, willst Ärger machen? ka Zeit für RL"

11.01.2009

Zweck der Pädagogik

Wieder mal ein wenig Wikipedia:

Es besteht innerhalb der Disziplin kein Konsens über das Ziel/die Ziele der Pädagogik/Erziehungswissenschaft. Weit verbreitet ist z.B. die Auffassung, Ziel oder/und Aufgabe der Erziehungswissenschaft sei die wissenschaftliche Beobachtung von Pädagogik (als handlungsleitender Theorie) und pädagogischer Praxis. Im Anschluss an den Philosophen Immanuel Kant ist eine weit verbreitete Ansicht, dass Pädagogik (als Handlungswissenschaft) der pädagogischen Praxis Wissen zu Verfügung stellen solle, und dass diese Praxis dazu diene, Mündigkeit und Selbstbestimmung bei Heranwachsenden und Bildung bei Erwachsenen zu befördern.

Wenn man Kant vertraut oder mir *gg*, dann besteht der Zweck der Pädagogik darin, dass Lernende optimal (von Lehrenden) bedient werden. Also sind Lehrende (kurz: Lehrer) Dienstleister, die einen Serviceauftrag zu erfüllen haben, nämlich den, als gute Lehrer/Lehrerinnen die Lernenden bei ihrem Lernen zu supporten. Die Pädagogik liefert dazu Analysen und gibt Verfahrensvorschriften, wie das möglichst optimiert abzuwickeln ist. Klar wird sofort, wer selbst keine Heranwachsenden hat und auch keine Praxis im Lehren in unterschiedlichen Projekten, der hat kaum was als Experte im Rahmen der Pädagogik verloren. Weil bei einer reinen Erfahrungswissenschaft (Sozialwissenschaft und Kunst des Lehrens) nur die eigene persönlich gewonnene Praxis überzeugen kann, wobei man ja schon früh damit anfangen kann, wenn man an die Geschwistererziehung denkt.

Wie kann ein Lernender am besten von einem Lehrer lernen? Das liegt auf der Hand: Wenn der Lehrende den Lernenden fast wie das eigene Kind kennt und eine vertraute Beziehung zu ihm unterhält (pädagogisches Eros - wussten ja schon die alten Griechen *gg*). Ohne den Anspruch an eine total individuell ausgerichtete Lehrer-Lehrende-Beziehung geht nichts optimal (24/7-Service). Das Lernleistungen, Lernzeiten, Lernvoraussetzungen usw. ja bei jedem Individuum unterschiedlich sind, gibt es also nur ein Ziel: Individual- bzw. Privatunterricht oder modern ausgesprochen: Einzelcoaching. Alle anderen Rahmenbedingungen, Methodiken usw. verblassen, wenn die Lehrer-Lehrende-Beziehung stimmt und funktioniert.

[Da es sich bei der Pädagogik streng genommen um Kunst handelt, weil es ja kein Handwerk ist, sondern Kopfwerk *gg*, darf man immer und überall Behauptungen aufstellen, so abstrus sie auch immer scheinen, ein Fünkchen Wahrheit ist immer enthalten. Und das ist auch gut so, denn das lehrt Demut und Toleranz den Andersdenkenden gegenüber.]

Doch zurück zum Thema. Jetzt seh ich nur ungläubige Gesichter. Staunen. Hat doch aber jeder instinktiv gewusst, dass es nur so geht. Oder? Wenn es nicht möglich ist (als Perspektive), individuelle Lehrer-Lehrende-Relationen herzustellen, dann sollte man ernsthaft überlegen, ob man nicht den Lehrer abschafft, denn für was braucht man ihn, wenn er nicht seinen Job wirklich tun kann? Also her mit den Lehrern!

Wie bekommt man es hin, dass man die Relation Lehrer-Lernenden so organisiert, dass Lehrer auch ganz individuell die Lernenden versorgen können? Politiker würde das nun zahlenmäßig betrachten: Angenommen wir bräuchten 10x mehr Lehrer/Profs usw. , dann könnten wir denen nur 10% ihres jetzigen Gehalts geben und schon geht es. Das hat was - ist ja auch was Kluges dran: es wurde richtig gerechnet *gg*.

Wenn sich nun an dem Verhältnis nicht auf diese Weise was ändert lässt, könnte man überlegen, ob man nicht aus der Bevölkerunggruppe, die sowieso schon ihr Salär erhält, rekrutiert: die Pensionisten und Rentner. Sind ja meist lebenserfahren und hätten sicherlich auch gerne Sozialkontakte. Da ließe sich viel machen, aber das sollte mal jemand anderes genauer analysieren.

Also schauen wir uns die Organisationsseite in Lehrer-Lernenden-Relation an. Wie kann man mit einem Informationssystem einen Lehrer/Prof so ausstatten, dass er locker - sagen wir mal - 2000 Lerneifrige pro Semester ganz individuell 24/7-mäßig supporten kann. Heißt, dass der Lehrer jeden genau kennt, den Support individuell gestalten kann und auch immer für den Lernenden da ist, so dass dieser das Gefühl hat, der Lehrer ist nur für ihn da (Kundenorientierung). Geht nicht? Ah ... hab mir schon gedacht, dass jetzt Zweifel laut werden. Die Antwort heißt Web 2.0 - oder etwa nicht? Und warum nicht? Gibt es keine best practise dafür? Hat es schon jemand versucht? Ist zu ambitiös? Ja toll doch - endlich mal was, wo man sich mal richtig beweisen kann, ob man was drauf hat - auf los, hopp hopp - ANGEFANGEN.

Wenn wir die Lernenden wirklich unterstützen wollen, dann müssen wir im Großen denken und im Kleinen ausprobieren. Manchmal stelle ich so komische Fragen im Twitter. Ja, weil ich gerne große Antworten suche. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als wenn dieser pädagogische Traum vom perfekten Lehrer-Lernenden-Verhältnis wahr werden würde. Wie eine Elternschaft. Wovon die von großen Pädagogen immer gesprochen haben: Rousseau, Montessori, Makarenko, Neill ...

I have a dream ... YES WE CAN!

Tube im Web

Nur dass wir uns gleich zu Beginn richtig verstehen:

1] Ich schaue leidenschaftliche gerne Filme und TV!
2] Ich habe nichts dagegen, dass es im Web Filme, TV und andere multimediale Spots gibt.
3] Das Web lebt davon, dass es multimediale Elemente gibt.

Wenn jemand eine Web-Site pflegt, um andere damit zu erreichen, muss er sich immer überlegen, wie er wen erreicht. Form, Inhalt und alle anderen wichtigen Elemente müssen die Botschaft transportieren, sonst wird es nichts. Wenn ich unterschiedlichen Zielgruppen habe, muss ich eventuell für jede, ein anderes Angebot liefern, sofern sie mir wichtig ist. Als Betrachter und Repräsentant einer Zielgruppe muss mir das Angebot zusagen, sonst wird es nicht akzeptiert. Soweit die Grundsätze.

Allgemein erwarte ich im Web Text, denn das tragenden Element des Webs ist Text (unter anderem sichtbar im HTML und anderen Codes). Warum? Weil es die höchste Symbolstufe der Sprache ist. Mit Texten kann ich am schnellsten und offensten komplexe intellektuelle Botschaften vermitteln. Ich zähle mal die Mathematik zu der höchst entwickelten Botschaftsvermittlung; stärker als durch Formeln kann man Botschaften nicht mehr reduzieren. Und nun keine Ablenkungsmanöver: Selbst jede Art von Kunst ist auch nur ein Ausdruck eines mathematischen Gehalts *da knabber mal ein wenig dran herum*.

Also im Web braucht man Texte zur Vermittlung von Botschaften. Klar dürfen die auch multimedial illustriert sein. Das ist überhaupt nicht das Thema. Die Texte sollen auch verarbeitet werden können, dazu sind alle unterstützende Maßnahmen erlaubt. Zum Kennenlernen müssen also die Texte eine gewissen Ordnung und Umgänglichkeit erhalten. Da jeder Mensch Texte auf sehr unterschiedliche Weise wahrnimmt (Lesen sagt man allgemein, ist aber eine zu kurze Betrachtung ... man denke auch mal an die Eidetik), muss man Leseofferten anbieten (die Werbung kennt sich da aus *gg*), die zum Leser passen. Ich habe zum Thema Buch eine recht interessante Proklamation gefunden, könnte man auch mal auf das Web übertragen. Wer sich von dieser Betrachtung ausnimmt und kein geeignetes Leseangebot formuliert (oder so versteckt, dass man es nicht findet), darf sich über Unmut nicht beklagen.

Institutionen, die sich besonders der Lehre und Erziehung - also den Menschen widmen und vielleicht sogar von der Gesellschaft (dem Staat) finanziert werden, müssen sich zudem gefallen lassen, an ganz hohen Maßstäben der Informationsdarstellung gemessen zu werden - an dem Grundgesetz nämlich. Deren Webauftritte dürfen nicht diskriminierend sein. Dazu gehört auch die Barrierefreiheit. Texte, die bestimmten Regeln folgen, gehen da oft konform mit; zum Beispiel Bilder nur, wenn sie von Texten begleitet werden usw. ... kann man hier nachlesen. Ein deutlicher Hinweis auf Alternativen sollte bereits auf der Eingangsseite der Site (Homepage) erfolgen. Sites, die wenig oder keine Texte anbieten und nur auf Bilder oder Video-Spots setzen, erfüllen die Anforderung nach Barrierefreiheit nicht.

Weil das alles nicht immer einfach ist, sollte man sich beizeiten drum kümmern, in dem man seine Seiten gegenprüfen lässt und auch Alternativen anbietet. Noch einfache ist es, von vornherein seine Webseite auf der Basis von Texten zu gestalten, die schlicht und sinnvoll strukturiert sind.

Frau Holle

Heute morgen gab es Frau Holle im TV. Schön! Warum müssen Märchen immer so hautnah an der Realität sein? Ist schon ein Wahnsinn, was in solchen Geschichten drin steckt. *guck*

Über die Liebe

"Schatz? Hab ich dir heute schon gesagt, dass ..."
"Nein, hast Du nicht ..."
"Äh, dann sagt ich es Dir. Ich liebe Dich!"

kurze Pause

"Hab ich Dir schon gesagt, dass ich Dich liebe?"
"Nein, noch nie!"
"Ich liebe Dich."

kurze Pause

"Liebst Du mich auch?"
"Klar! Hab ich dir doch schon vor Wochen gesagt. Kannst Dich nicht mehr dran erinnern?"
"Ich wollte Dir sagen, dass ich Dich unendlich liebe."
"Na endlich sagst mal was Nettes ... wird aber auch Zeit ..."

10.01.2009

Barrierefreies Twittern

Manche Menschen haben hinsichtlich ihrer Sinne Einschränkungen. Manche von Geburt an. Ich rede von Nicht-gut-sehen-können, Nicht-gut-hören-können. Manche können auch nicht gut mit den Händen umgehen oder gut sprechen. Manche haben Schwierigkeiten mit dem Fühlen, dem Verstehen und dem Weltbild der anderen. Für viele ist der Computer und die Vernetzung eine Möglichkeit, ihre Einschränkungen zu überwinden oder zumindest teilweise zu umgehen. Die Reduktion der Kommunikation auf Text ist dabei ein entscheidendes Kriterium, weil es mittlerweile viele Programme, Schnittstellen und Endgeräte gibt, die gut mit Text umgehen können.

Auch im Twitter wird vorwiegend Text verwendet. Das ist gut so. Das bietet Chancen. Das integriert. Manchmal ist das sogar so gut, da kannst du dir gar nicht mehr verstellen wie es anders wäre.

Meine Bitte an euch: Denkt immer ein wenig darüber nach und macht nicht immer alles wieder kaputt, nur weil ein neuer Trend so verlockend ist. Es gibt Menschen, die werden dann wieder ausgeschlossen.

Wenn dich irgendwas angesprochen hat, dann magst vielleicht auch mehr darüber erfahren. Wenn du Mut hast und auch ein wenig Zeit, dann schau einfach mal in eine andere Welt.

09.01.2009

Der Stein der Weisen

Aus der Wikipedia:

"Als den Stein der Weisen (lat.: Lapis philosophorum; arab.: El Iksir, daraus im Deutschen „Elixier“) - oder auch den Azoth - bezeichneten die Alchemisten seit der Spätantike eine Substanz, mittels derer man unedle Metalle, wie etwa Quecksilber, in Gold oder Silber verwandeln könne. Vielen Alchimisten galt der Stein der Weisen zudem als Universalmedizin.
...
Für den Stein der Weisen existierten verschiedene Bezeichnungen: Roter Löwe, Großes Elixier, Magisterium, Rote Tinktur, Panazee des Lebens, Astralstein. Aus dem Stein der Weisen sollte sich auch - vor allem in den Vorstellungen der Araber - eine Universalmedizin gewinnen lassen, die auf den menschlichen Körper heilend, stärkend und verjüngend wirken sollte. Wer dieses Mittel gefunden hätte, sollte Adept genannt werden."

Wenn man die Bedürfnisse oder Motive von Menschen erforscht, dann darf man nicht an deren geheimsten Wünschen vorbeischleichen. Bis heute sind Macht, Reichtum, Gesundheit und Unsterblichkeit unübertroffene Wünsche, für die man alles tun würde. Weil der Weg dahin aber nicht jedem eröffnet ist - zum Beispiel durch die Suche nach dem Stein der Weisen (Zauberei/Alchemie/Wisssenschaft) -, gibt man sich gelegentlich auch mit weniger zufrieden. Trotzdem noch mal Wikipedia lesen, wer sich da alles hat inspirieren lassen.

Auch die Ost- und Südasiaten kannten die Bedeutung der wichtigsten Bedürfnisse und formulierten ihre fünf Segen: Glück, Gesundheit, Frieden, Reichtum und ein langes Leben. Das da noch der "Frieden" vorkommt, hat zum Teil mit der Sozialisation zu tun: sie haben halt lernen müssen, dass auch der Thron des Kaisers wackeln kann, wenn die Horden kommen ...

Für das Thema "Unsterblichkeit" haben sie eine andere Lösung gefunden: Wiedergeburt ... das ist in unseren religiösen Konzepten leider ein wenig untergegangen, deswegen haben wir Europäer, Afrikaner und Westasiaten lieber auf die Unsterblichkeit gesetzt.

Also lieber Herr Maslow, die Sehnsucht nach Unsterblichkeit genauso wie das Komplement, die Todessehnsucht haben sie erst ganz zum Schluss gefunden. Wiewohl doch diese Triebkraft des ganzen Wissenschaftsbetriebs vor (und auch ein wenig) nach der Aufklärung waren. Macht aber nichts, besser später als gar nicht. *gg*

Was hat das nun wieder mit Twitter zu tun? Unsterblichkeit durch Tweeds und Blogs? Daten(friedhöfe) für die Ewigkeit? Ja, sowas kann einem schon durch den Kopf gehen und auch: Wie sichere ich meine Tweeds für die Ewigkeit? Oder lebt Twitter nur für den flüchtigen Moment? Was passiert eigentlich, wenn jemand meine Tweeds auswertet? Und mir bis in alle Ewigkeiten vorhalten kann? Harmlos? (Was bedeutet eigentlich 'Harm'?)

w 26 blond 176 68 C Studentin

Wenn du ingame eine(n) Mitspieler(in) findest und eine Zeit lang mit ihm/ihr unterwegs bist, dann stellst dir irgendwann die Frage, mit wem haste es eigentlich zu tun. Du fragst und erhältst dann ein Profil: weiblich, 26 Jahre, Studentin usw. Ah, denkst dann: nett!!! Nach dem 5. Mitspieler/ der 5. Mitspielerin mit gleicher Beschreibung fragst dich dann, spielen eigentlich keine anderen Leute hier im Game?

Machen wir einmal die Probe:

1] 45, männlich, arbeitssuchend, irgendwo im Thüringer Wald ...
2] 19, weiblich, Auszubildende Einzelhandelskauffrau, Bodensee, wohnt bei ihren Eltern ...
3] 16, männlich, Schüler, irgendwo in Österreich ...
4] 22, weiblich, Hausfrau, verheiratet, 2 Kinder (1 & 3), Sauerland ...
5] 32, männlich, Leiter eines Servicecenters, Hamburg, ledig, 195, 85, freut sich auf Karribikurlaub ...
6] 55, weiblich, Sekretärin, verheiratet, Ehemann ist Pilot, Vordertaunus, 168, 78 ...
7] 68, weiblich, Rentnerin, verwitwet, lebt in einem Heim ...
8] 31, weiblich, medizinisch-technische Assistentin, verheiratet, 1 Kind (10), 178, 72, Nürnberg, Tel ....
9] 39, männlich, Hochschule, ledig, Köln, 186, 126 ...
10] 26, weiblich, Studentin, blond, 176, 68, C, Job in einer Werbeagentur ...

Na was gefällt uns? Und warum? Und wenn es immer die gleiche Person wäre, was dann?

Geschlecht: weiblich. Ist akzeptabel für weibliche und männliche Mitspieler.

Alter: 26 ist ein "gutes" Alter ... kleiner wäre im RL ok, aber im Game nicht (Kiddi-Effekt) - wenn über 30 ist, stellt sich dir Frage, warum macht er/sie das? Keine Familie? Kein fester/feste Partner/Partnerin? Oder ein Partner, der auch spielt? Man beginnt über Gründe nachzudenken ...

Beruf/Ausbildung: Was bedeutet das Spiel? Harmloser Zeitvertreib? Sucht? Mangelnde Gelegenheiten im realen Leben? Passt er/sie im Niveau zu mir? Ist zwar alles im Game unerheblich und unbedeutend, wird aber reflektiert - oder etwa nicht?

Haarfarbe: ist wirklich nur ein unbedeutendes Attribut, spielt trotzdem eine riesige Rolle ...

Körpergröße: Körperlänge, Körpergewicht und der daraus zu errechnende BMI. Das ist ein wichtiger Indikator zur Validierung der Spiel-Motivation. Und er spielt für die verschiedenen Fantasien ähnlich der Haarfarbe eine nicht unbedeutenden Rolle. Die äußerliche Einschätzung ist für die zwischenmenschliche Beziehungen das erste Kriterium; folglich ist dem auch im Spiel eine sehr hohe unbewusste Bedeutung beizumessen. Beweis: Zu diesem Thema wird bis zum Foto so viel wie möglich kaschiert. Die Körbchengröße kann gelegentlich eine zusätzliche Attraktion sein. Ist aber nicht (!) abhängig vom Geschlecht des Beurteilers.

Wohnort, soziale Ausstattung: Dient der zusätzlichen Validierung der Spielmotivation ähnlich wie der Beruf/Ausbildung.

Es gibt noch weitere diffizilere Merkmale, die ich hier aber einfach mal überspringe.

Da die Spielerfigur mehr oder weniger durch die Rahmenbedingungen des Games vorgegeben sind (manche Spiele sind da sehr fantasiereich und hübsch), kann man nicht wirklich viel über den realen Spielepartner aus der Charakterausformung ableiten. Die Wahl des Charakters ist eher der gefühlsmäßigen Disposition des Spielers/der Spielerin zuzuordnen und ... erst wenn ein Spieler/eine Spielerin das Game zum Rollenspiel im engeren Sinne einsetzt, werden Attribute erst wichtig. Also bleiben Sprachstil und Kommunikationsformen der erste Anhaltspunkt, um etwas über das Gegenüber zu erfahren. Und natürlich die direkte Befragung: Wer bist du denn im realen Leben?

Dass hier nicht unbedingt die Wahrheit ans Tageslicht kommt, ist klar. Wenn eine Spielpartnerschaft durch Merkmale der realen Welt "gefährdet" werden würde, wird immer ein Ausweg gefunden: eine Kreation einer realen Person mit Merkmalen, die für einen (selbst vorgestellten) Vorteil bringen. Bei weibliche Mitspieler ist das sehr viel häufiger der Fall als bei männlichen. Erstens weil sie auch in der Realität über viel mehr Übung zur Anhebung ihrer Attraktivität verfügen (und auch schon in ihrer Jugend damit anfangen) und zweitens, weil sie in einer scheinbar oder tatsächlich von Männern dominierten Spielewelt ihre Chancen verbessern möchten. Ich habe da schon sehr viel Verbissenheit beobachtet, die darin mündete, den Männern es mal zu zeigen, was man als Frau drauf hat ... und es ist ja auch so: Frauen sind die besseren Spieler.

Last not least möchte ich noch anführen, dass mir einmal eine ältere Mitspielerin (älter als 60 Jahre) erzählt hat, dass sie von den Jüngeren gemobbt wurde, nachdem sie ihr Alter offenbart hatte. Sie hat das Game verlassen und in einem anderen neu begonnen. Das soll nur auf die Diskriminierung hinweisen, die auch im Spiel latent vorhanden ist und dass die Lüge über die eigenen Person auch legitimerweise ein Schutz darstellt.

Kurve zum Twittern und nicht-wissenschaftliches Ende des Diskurses: Ist das im Twitter ähnlich mit den Vorurteilen? Oder ganz anders? *gg*

Hexe, *1498, schwarz, 158, 49, hat Vampirblut in den Adern, wohnt im letzten Häuschen vor dem Wald, hat Umgang mit Waldelfen und Bachfeen, bekommt gelegentlich Besuch von Rentieren und einem alten Mann mit langen weißen Bart und rotem Wams, kennt viele Kräuterbonbonrezepte und kennt sich mit den Menschen und ihren Maschinen recht gut aus ...

w, 26, blond, 176, 68, C, Studentin ...

08.01.2009

Twitterer = Spammer, die in Foren OT schreiben würden

Wenn man ein schönes Forum hat (wie z. B. das Synology-Community-Forum, wo ich ein wenig moderiere), dann gibt es gelegentlich Leute, die lustige (nicht sachbezogene) Dinge zu Themen schreiben, also das sogenannte off-topic oder OT. Jeder schämt sich ein wenig dafür, wenn er/sie OT spammt, aber manchmal ist es einfach das Salz in der Suppe. Gerade in einer Community von mehreren tausend Leuten sind auch die kleinen Nebensächlichkeiten, der Humor, die Art und Weise, wie man die Theads führt, wie man Leute motiviert, ihre Fragen und Sorgen zu formulieren, aber auch wie man Besserwisser zurückweist, entscheidend für den Foren-Stil.

Deswegen gibt es fast immer auch einen OT-Thread oder sogar ein Subforum für OT, in welchem man die vielen kleinen OT-Blüten zu einem schönen Garten zusammenführen kann. Manchmal muss man dort sogar eine Diskussion vom Zaume reißen. Bei genauem Nachfragen stellt man durchaus fest, dass die 'lästerliche' kleine Nebensache gerne gelesen und sogar eifrig mit eigenen Beiträge verfolgt wird. Aber es ist oft der Zufall, der ein Thema "reifen lässt". Ein Beispiel für einen legendären OT-Thread ist hier.

Was sind das für Menschen, die gerne mal OT-Beiträge schreiben? Schwierige Frage - kaum zu beantworten. Wahrscheinlich Menschen, die mit Humor auch sonst gerne einmal einen kleinen Smalltalk beginnen und sensibel auch auf andere Menschen eingehen und den Humor teilen. Die sich nichts dabei denken, auch einmal einen scherzhaften Beitrag zu schreiben bzw. es nicht unter ihrer Würde ansehen, nicht nur laufend total trocken oder sachorientiert zu sein. In meinen Augen einfach Menschen, die gerne mit anderen reden.

Jeder hinterlässt mit seinen Beiträgen in einem Forum ein Profil. Nicht immer ist das Profil gezielt angelegt worden, sondern oft hat es sich einfach aus der Gelegenheit ergeben. Manchmal ist ein solches Profil mit einem Erwartungsanspruch verbunden (meine Blogbeiträge müssen immer ein tolles Thema thematisieren oder so). Belanglosigkeiten sind dann nicht mehr so einfach möglich. Wie kommt man aus diesem möglichen Dilemma heraus? Zum Beispiel mit Twitter.

Twittern ist auf Belanglosigkeit ausgerichtet. Man darf einfach Dinge in den Raum stellen. Natürlich nicht immer ganz ohne Folgen, aber sehr viel leichter als in einem Forum, kann man sich dem OT hingeben. Man wird sogar belohnt. Denn die Anzahl der Beiträge (auch wenn sie purer Spam sind) werden gezählt und verschönern die Statistik.

Also eigentlich sind alle Twitterer Menschen, die einen Hang zum OT haben und gerne darüber spammen. Alles klar? *gg*

[Dieser Beitrag spiegelt nur meine Meinung wider und ist werde sorgfältig recherchiert noch sonst wie methodisch zufriedenstellend erstellt worden.]

Twitter unter der Lupe

Wieder mal was im Heise online: Twittern unter der Lupe. Die Kommentare sind auch wieder interessant zu lesen.

06.01.2009

Schulferienkalender 2009

Der Schulferienkalender ist wieder aktualisiert worden. Zum Anzeigen der Ferientermine, einfach auf das Bundesland klicken. Die Tageszahl sowie besondere Termine werden durch das Darüberfahren mit der Maus angezeigt.



Eigene Ferieneinträge sind möglich (Doppelklick). Auch eigene Termine kann man je Tag eintragen (einfacher Klick). Alle Eingaben werden (nur) als Cookie im Browser gespeichert. Es findet keine Übertragung zum Web-Server statt! Den Schulferienkalender 2009 kann man auch hier aufrufen. Wer möchte, kann sich aber auch das Source herunterladen und lokal auf seinem Rechner laufen lassen; es ist kein Server erforderlich. Dieses Kalenderskript ist frei benutzbar und darf kopiert und verbreitet werden; es ist aber nicht frei verfügbar und verwendbar im Sinne einer GPL (Veränderungen am Source sind nicht erlaubt). Falls irgendwelche Fehler enthalten sind, wäre ich dankbar, darüber per E-Mail informiert zu werden.

05.01.2009

Was Schüler über das Web lernen sollten

Ich gehe mal davon aus, dass Kids einen Zugang zum PC oder vergleichbarer Hardware haben und auch schon mal im Internet waren, wenn sie in die Schule kommen.

Damit alle gleichermaßen wissen, wovon die Rede ist, sollten Kids in der Schule lernen, wie man einen PC bedient. Begriffe wie Programm, Datei, Verzeichnis, Editor (zum Schreiben), Rechner (zum Rechnen), Zeichenprogramm (zum Malen und Zeichnen) sollten sie kennen und auch ein wenig können. Das Ausdrucken und das Kopien (zum Beispiel auf einen Speicherstick) gehört ebenfalls dazu. Und auch, wie man einen PC ein- und wieder ausschaltet. Der Umgang mit der Tastatur und der Maus ergeben sich von selbst.

Im nächsten Schritt sollten sie etwas über Netzwerke und das Web erfahren. Dass man sich Texte zuschicken kann (Mail) und sich unterhalten kann (Chat). Das man im Web Bilder, Informationen und andere Dinge finden kann (Browser, Suchmaschine) und das man selbst Informationen, Bilder und andere Dinge ins Web stellen kann (Blog, Wiki usw.). Und dass nicht immer alles im Netzwerk funktioniert, das manche Angebote Geld kosten und manche nicht für Jugendliche freigegeben sind.

Ich denke, mehr oder weniger ist das 'common sense'. Wer sich die vielen kleine Problemchen hierzu noch ansehen möchte, dem empfehle ich den folgenden Beitrag (danke für den Tipp @Tobinski).

Was die Kids allerdings auch lernen sollten, sind Einstellungs- und Verhaltensgrundsätze für den Aufenthalt im Netz. Dies ist vielleicht am ehesten mit dem Sexualkundeanspruch zu verdeutlichen, dass Aufklärung auch Prävention ist.

Ein Kid muss wissen,

- dass es Grundrechte auf Informationen hat
- dass es eine Identität hat, die es zu schützen gilt
- dass es Rechte anderer an Informationen, Werken usw. gibt, die man achten muss (Urheberrechte, Verwertungsrechte)
- dass es die Persönlichkeit anderer nicht verletzten darf
- dass es zu seiner Sicherheit beitragen muss und seine Identität schützen muss
- dass es seine Informationen sichern muss, damit sie nicht verloren gehen
- dass es durch zu viel Genuss von Computerspielen und Web süchtig werden kann

Daraus ergeben sich Themenkreise, die ein Kind über das Web lernen muss:

Wie meldet man sich bei Webdiensten an?
Wie vergibt man Kennworte?
Wie geht man mit Kennworten um?
Wie häufig wechselt man Kennworte?
Wo legt man sich E-Mail-Accounts an?
Wie legt man sich anonyme E-Mail-Accounts an?
Was gibt man von sich preis?
Wie legt man einen Avatar an und wie benutzt man einen Avatar?
Wie wehrt man sich gegen Spam oder Verletzungen der Persönlichkeitsphäre?
Was macht man, wenn man im Web (sexuell) angemacht wird?
Was darf man über andere im Web schreiben, berichten oder mit Bildern darstellen?
Was darf man von anderen nutzen und was nicht?
Was darf man kopieren oder herunterladen?
Was kostet zusätzlich Geld?
Wie kann man von einem im Internet geschlossenen Vertrag zurücktreten oder ihn kündigen?
Wie speichert man Web-Links und Web-Inhalte?
Wie stellt man für sich fest, ob man zu lange im Web ist?

Wahrscheinlich ist diese Liste nicht erschöpfend und vollständig, der Tenor aber deutlich. Überall, wo Web steht, darf man das auch getrost durch Computerspiele ersetzen, wenn es passt.

Der Begriff "Internet" ist ein technischer Begriff und sollte, wo immer es um das Dienstangebot geht, vermieden werden. Oder um es deutlich zu sagen: Internet2 ist kein inhaltliches Angebot, sondern bezeichnet eine andere Netzwerkinfrastruktur, die es bereits seit 1996 gibt, also nichts mit dem Schlagwort Web 2.0 gemein hat.

Wer will, kann seinen Kids auch zeigen, wie man twittert. *gg* Und wer noch mehr will, sucht den Kontakt zu den Eltern der Kids und redet darüber, was man/frau mit den Kids zusammen macht.

Warum und wozu wir spielen

Wikipedia definiert spielen mehrdeutig. Im Hauptbeitrag steht:

Das Spiel (v. althochdt.: spil für „Tanzbewegung“) ist eine Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck zum Vergnügen, zur Entspannung, allein aus Freude an ihrer Ausübung ausgeführt wird. Es ist eine Beschäftigung, die um der in ihr selbst liegenden Zerstreuung, Erheiterung oder Anregung willen und oft in Gemeinschaft mit anderen vorgenommen wird. Ein Großteil der kognitiven Entwicklung und der Entwicklung von motorischen Fähigkeiten findet durch Spielen statt, beim Menschen ebenso wie bei zahlreichen Tierarten. Einem Spiel liegen oft ganz bestimmte Handlungsabläufe zugrunde, aus denen, besonders in Gemeinschaft, dann Regeln hervorgehen können. Die konkreten Handlungsabläufe können sich sowohl aus der Art des Spiels selbst, den Spielregeln (Völkerball, Mensch ärgere dich nicht) oder aber aus der Tatsache, ergeben, dass unterschiedliche Individuen miteinander interagieren wollen (Bau einer Sandburg).

Und weiter:

Im Umkehrschluss sind Tätigkeiten eines Menschen oder eines Tieres kein Spiel sondern ernst, wenn sie erzwungen oder zweckgebunden sind, das heißt unmittelbar der Existenzsicherung, Pflichterfüllung, Notdurft, Suchtbefriedigung, Schadensabwendung oder Schmerzvermeidung dienen. Es gibt aber auch einen (notwendigen) „heiligen Ernst“ des Spieles, das Spiel hat also auch religiöse Züge.

Im Spiel drücken sich also viele Facetten menschlichen Empfindens und Handelns aus. Spiel ist zum einen eine Vorbereitung auf das Nicht-Spiel des Lebens ("Ernst des Lebens"), zum anderen ist es eine Alternative zum "Ernst des Lebens", die ebenfalls alles enthalten kann, aber nicht "ernst" ist. Wie wohl auch das Spiel eine "Ernstfunktion" hat und somit als Ersatz für den Ernstfall gelten kann (Wettspiele, Gladiatorspiele, Ritterspiele, Brot und Spiele, Fußballweltmeisterschaften, Olympische Spiele, Kriegsspiele ...). Dadurch dass es als "Spiel" gespielt wird (und es nicht zum der Ernstfall kommt), können die Akteure und Veranstalter einen gewissen Abstand zum "Ernstfall" wahren, sich aber trotzdem "austoben". Anmerkung: Die Grenzen zwischen Spiel und Ernst sind nicht immer für alle gleich und ändern sich. Und es gibt Spiele die sehr ernst sind und Menschen, die sich damit beschäftigen und ihre Lebensunterhalt damit bestreiten (Animateure, Gamemaster, Schiedsrichter, Sportmoderatoren, professionelle Sportler, Sporthallenbesitzer ...)

Also ist das Spiel "Vorbereitungshandeln" aus pädagogischer Sicht, "Ersatzhandlung" aus sozialer und politischer Sicht und "zwecklose Handlung" aus psychologischer, sozialer vielleicht auch medizinischer Sicht.

Die Frage bleibt noch aus: Wozu gibt es das Spiel aus philosophischer Sicht? Antwort: Weil der Mensch (und ich zähle mal alle Lebewesen, die ähnlich funktionieren dazu) ein "spielendes" Wesen (homo ludens) ist, dessen Daseins-Zweck das Spielen ist? Da beißt sich aber ein wenig die Katze in den Schwanz: Weil diese Ansicht ja die "Zweckfreiheit" des Spiel aushebelt. Oder anders gefragt, wieso bezwecken Menschen etwas, das keinen Zweck hat? Oder ist doch alles nur eine Ersatzhandlung im Spiel?

Befriedigen wir durch das Spiel "Bedürfnisse"? Und wenn ja, welche? Oder gibt man nur vor (auch in der Analyse des Begriffs), dass es ein "zweckfreies" Spiel gibt? Oder dient doch alles nur dem sozialen Rollenspiel (und damit einem verdeckten Machtkampf)? Oder ist "Spielen" wie auch die gesamte Schöngeisterei eine medizinische (psycho-hygienische oder sonstwie zu formulierende) Angelegenheit, ähnlich wie das "Schlafen und Träumen"; Zeiten in der unser Körper bzw. Gehirn (Geist) eine Pause vom alltäglichen Ernst macht?

Ist Twittern nun ein Spiel oder schon der Ernstfall?

PS. Und es gibt auch Spiele, die eigentlich tatsächlich ernst und auch ernst gemeint sind, sich aber Spiel nennen ("@$#%&-Spiel"). Der Begriff hat es schon in sich.

04.01.2009

Ist Twittern nur ein Spiel? (Twittern Teil 7)

Solange man die Twitterer als Teilnehmer an einem Web-Dienst betrachtet und die Individualität keine weitere Bedeutung hat, ist Twittern ein netter Zeitverteib bzw. ein Spiel.

Wenn man allerdings Meinungsäußerungen, Zeitpunkte, Reaktionen usw. eines Accounts zu einem Profil zusammenfasst und möglicherweise geschäftlichen Kontakt zu der entsprechenden Person pflegt bzw. pflegen will, dann bekommt Twittern einen völlig anderen Charakter. Will man über sich als Kunden oder Lieferanten oder Firma in Twitter Äußerungen vernehmen? Will man die privaten Meinungen von Menschen wahrnehmen, die für einen arbeiten und sich in der Arbeitszeit eventuelle mit ganz anderen Dingen auseinandersetzen als 'offiziell' vereinbart? Ist Twittern dann nicht sogar ein Kündigungsgrund?

Oder wird Twitter von Professionals nur als Marketing-Instrument (und entsprechender Kommunikations-Filterung) eingesetzt. Also in einem solchen Fall Werbung pur? Nur ohne Kennzeichnung?

[wird fortgesetzt]

6.1.2009: Statt einer Fortsetzung ein Link.

Twitter & Identität (Twittern Teil 6)

Wer twittert eigentlich?

(1) Menschen, die in Twitter eindeutig zu identifizieren sind. Mit ihrem Namen und/oder Vornamen ihren Account belegt haben. Mit einen Verweis auf eine Webseite/Blog usw., der weitere Auskünfte über die Identität liefert.

(1a) Einige, die beruflich mit dem Web zu tun haben, geben ihre offizielle (berufliche, geschäftliche) Identität an und verlinken meist auch auch auf ihre berufliche, geschäftliche Web-Site.
(1b) Einige geben statt dessen ihre private Web-/Blog-Site an (mit eventuellem beruflichen, geschäftlichen Link auf derselben) und geben sich auch in ihrer privaten Rollen im Twitter zu erkennen.
(1c) Einige haben einen spezielle Software, eine für sie bedeutsame Information oder ein spezielles Anliegen und geben sich aus dieser Perspektive heraus bekannt: Politiker, Professoren, Prominente ...
(1d) Einige sind als juristische Person unterwegs: Verlage, Zeitschriften, Dienste aller Art ... Sie wollen Informationen über ihr professionelles Web-Angebot verbreiten.
(1e) Einige Sonstige, deren Motiv ich nicht als Kategorie zusammenfassen kann.

(2) Menschen, die in Twitter anonym bleiben wollen. Sie geben ihre Identität nicht preis und sind daher unter einem Pseudonym unterwegs in Twitter. Aber sie sind authentisch, d. h. sie sind in Twitter so wie sonst auch. Sie müssen allerdings ihre Identität aufdeckende Informationen vermeiden.

(3) Menschen, die in Twitter wie im realen Leben mit einem Pseudonym auftreten: Künstler usw. Sie verhalten sich ihrer Künstlerrolle entsprechend und sind selten als "Privatmensch" anzutreffen. Vermutlich twittert eine Agentur/Fanclub für sie.

(4) Menschen, die als Kunstfigur twittern.

(4a) Kunstfigur. Meine vielen Katzenfreunde sollen erstmal das Beispiel hierfür sein. Sie treten in einer speziellen Rolle auf und beschäftigen sich mit der Welten-Perspektive, die dieser Rolle entspricht.

(4b) Kunstfigur "künstlicher Mensch" - Variante A: Es wird ein menschliche Figur kreiert (also eine Fiktion wie eine Romanfigur) und aus dieser Perspektive getwittert. Für einen Nicht-Eingeweihten ist diese Person nicht von einer realen zu unterscheiden.

(4c) Kunstfigur "künstlicher Mensch" - Variante B: Es wird eine Fantasiefigur kreiert (die kleine Hexe) und aus dieser Perspektive getwittert. Auch für einen Nicht-Eingeweihten ist diese Person sofort als Fiktion erkennbar.

Multiple Identitäten sind hier erstmal nicht erfasst; also wenn jemand mehrere Accounts hat und sie zusammen twittern lässt und möglicherweise Referenzen oder Dialoge zustanden kommen. Dass es sie gibt, ist unbestritten.

6.1.2009: Welche Twittertypen gibt es? Link

Kann man via Twitter Freundschaften schließen (Twittern Teil 5)

Die Frage überraschte mich: "Wenn du als Avatar twitters, dann kannst ja keine Freunde bekommen." Eine Expertin macht mich gestern darauf aufmerksam. Ich musste lange darüber nachdenken: Will ich über Twitter überhaupt Freundschaften schließen?

Das Szenario: Ich kenne die betreffenden Personen nicht aus dem realen Leben und haben den Erstkontakt über Twitter.

Twitter, egal wie man es nun sieht, ist ein schnelles und flüchtiges Medium. Da gibt man Antworten und stellt Fragen. Auch ein wenig Selbstdarstellung ist dabei. Man folgt und wird gefolgt. Sind das die Keimzellen für Freundschaften? Einladungen zu Blogs und Kommentierungen werden gegeben. Folgt dem Gedanken(aus)tausch auch ein Kennenlernen? Sind die flüchtigen Momente bereits der Beginn von mehr? Und suche ich das? Will ich das?

Grüße zu Weihnachten und zum neuen Jahr. Herzlich und gut gemeint. Macht man unter Bekannten so. Ja auch unter Freunden. Rätselraten: Wird man Freundschaft schließen? Oder ist man gar schon befreundet? Wann fängt es an? Wenn man ein gewisses Maß an Vertrautheit oder Interessensähnlichkeit gefunden hat? Und was bedeutet es? Gibt es Verpflichtungen? Gibt es Gefühle?

Werde ich jemanden vermissen, wenn er/sie nicht mehr twittert? Werde ich vermisst werden?

Zum zweiter Teil der Aussage: der Avatar macht es schwerer oder unmöglich.

Wenn ich es zulasse, dass sich Freundschaften bilden oder sich Bekannthaftigkeit ergibt, ist dann eine Kunstfigur wie ein Avatar nicht hinderlich? Weil er ja verbirgt, was sonst offen liegt? Oder verdeutlicht er bestimmte Seiten - Seiten, die für Freundschaft wichtig sind? Oder spielt es keine Rolle?

Ingame gibt es auch Bekannte, Freundschaften und Liebe (was auch immer für Gefühle man darunter alles subsummiert). Man lernt sich kennen im Spiel, erlebt Ähnliches und steht (im Spiel) füreinander ein. Man beschützt und heilt. Man verteidigt und siegt. Man erreicht Ziele und gewinnt Erfahrungen. Ich glaube schon, dass sich Freundschaften ingame ergeben. Freundschaften, die auch im realen Leben weiter gesponnen werden und ich habe auch von Liebe und Heirat gehört. Ingame bedeutet aber auch stunden- oder tagelanges Zusammensein. Bedeutet Gemeinsamkeit. Kann man das auf Twitter übertragen?

Es macht mich nachdenklich, weil ich in Twitter mit meinen anderen Accounts noch wenig Erfahrung habe. Als Avatar kann ich mittlerweile feststellen, dass man Bekanntschaften schließen kann. Ich lasse mal offen, ob es auch Freundschaften sind oder werden können. Im Moment habe ich dabei nicht das Gefühl, dass der Avatar hinderlich ist. Er ist schillernd und bunt und folgt anderen Regeln, die aber - so mein Gefühl - die Kommunikation nicht behindern. Aber das könnte natürlich auch ein unrichtiger Eindruck sein.

Weitere Beiträge werden dieses Thema vertiefen.

30.12.2008

Reale Suchtgefahr fürs virtuelle Ich

Unter diesem Titel gibts einen Beitrag bei Heise *guck* . Der Beitrag ist nicht wirklich so spannend, aber die Kommentare haben es in sich. Das wollte ich nun doch niemanden vorenthalten.

28.12.2008

Regeln, Grenzen, Konsequenzen

Pädagogik 2008 Heft 12:

Weshalb ist das Thema "Disziplin" ein Thema? Weil die Lehrkräfte darunter leiden! Deshalb ist der Wunsch nach geordneten Verhältnissen, klaren Regeln und wirksamen Sanktionen im Schulalltag allzu verständlich. ... Letztlich verbleibt die Schule als einzige Institution, die um ihren Bildungsauftrag willen den Erziehungsauftrag mit erledigen, d. h. soziale und personale Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler entwickeln und einüben muss.

Beitragsüberschriften:

- Es ist gerecht, Unterschiede zu machen!
- Wenn ich nur wüsste, wie ich es besser machen kann?
- Schüler übernehmen Verantwortung
- Vorbild Janusz Korczak: Der Pädagoge kann nicht einfordern, was er nicht selbst lebt
- Das "Cool in School(R)"-Projekt
- Schulische Ordnungsmaßnahmen: Was man darf, was man nicht darf und was man beachten sollte
- Ohne Sanktionen keine Disziplin: Umgang mit Disziplin als pädagogische Herausforderung
- "Das Ärgste war die Angst": Grenzen und Konsequenzen in der Schulgeschichte

Man ist das spannend, was die Lehrer da in Sachen "Disziplin" drauf haben sollen. Wie sagte der alte Gamschie im Herrn der Ringe so schön: ein Augenöffner ...

Wahrscheinlich einfacher wäre es, wenn nur Lehrer und Lehrerinnen zum Schulamt zugelassen würden, die mindestens 4 Kinder haben ... dabei lernt man ganz beiläufig Einiges in Sachen Disziplin. Aber soweit denken ja die Suppenkasper heutzutage in den Ministerien und in der Politik nicht. (Suppenkasper ist eine Bezeichnung für Menschen, die noch nie richtig in Not waren oder gehungert haben, und absurderweise ihre Nahrung verweigern - siehe auch hier).

Früher war das ja ganz anders, da war Schule ein Inbegriff für Müßiggang, Nichtstun, freie Zeit, Muße *gg*

Über die Liebe

Die LIEBE geht durch den Magen. Ja, unser zweites Gehirn hat da eine Menge mitzureden: das Kribbeln, wenn man vor lauter Sehnsucht vergeht, gehört dazu. Auch der Sex spielt eine große Rolle, ohne ihn geht Liebe nicht. Sex, das sind immer erstmal die Hormone, die einen anders fühlen und denken lassen. Und eben auch der Kopf. Wie sagte mir ingame mal ein netter Typ: "Sex - der findet immer erst im Kopf statt." Und er hat Recht.

Ohne Vertrauen keine LIEBE. Ohne Hingabe keine LIEBE. Liebe gibt Sicherheit, ohne das sie sicher ist. Liebe ist schön, wenn sie auch romantisch ist. Liebe kann sehr weh tun, wenn sie verletzt oder enttäuscht wird. Liebe heißt auch Verantwortung für den Anderen/die Andere übernehmen. Liebe entscheidet über Leben und Tod. Liebe macht blind, naja sie verschleiert einiges, was sonst nicht so toll wäre. Ohne Liebe gäbe es uns nicht wirklich. Jeder auf der Welt kennt das Gefühl der Liebe oder ahnt zumindest, was es bedeuten könnte. Wenn man die große Liebe findet, dann kann man sehr glücklich sein - auch wenn sie nur einen Augenblick lang dauert. Ohne Liebe geht man zugrunde. Die Liebe ist das höchste Glück auf Erden, was einem Menschen widerfahren kann. Nichts bewegt die Menschen so sehr wie die Liebe. Liebe kann man sich nicht erkaufen, höchstens mieten für eine Weile.

Es gibt viele Arten zu lieben: Gattenliebe, Elternliebe, Kinderliebe, Geschwisterliebe, Freundinnenliebe ... blinde Liebe, heimliche Liebe, verbotene Liebe, unmoralische Liebe, tödliche Liebe.

Die Seele spiegelt sich in den Augen der Liebenden. Sie können Dinge darin lesen, die allen anderen verborgen bleiben. Beim Liebesakt erfährt man ein Stück vom Anderen, welches sonst im verborgenen bleibt. (Auch wenn man nur Zuschauer ist.) Ja - und man kann Liebe vortäuschen.

Wahre Geschichten, die auch etwas mit Liebe tun zu haben:

Sie war schon 80 Jahre und wohnte in einem großen Haus mitten in der Stadt. Sie war eine Künstlerin und hatte lange Jahre ein Professur an der Kunsthochschule. Ihre Zimmer waren voll von ihren Gemälden. Ja - sie konnte immer noch malen auch wenn die Pinselstriche schon sehr zitterig waren. Sie liebte die Gesellschaft, deswegen war ihre Tür auch offen für neue Gäste. - Sie kochte einen schrecklichen Kaffee, aber sie mochte Besuch. Am Abend ging es in eine Kneipe an der Ecke. Sie machte sich zurecht: Dunkelroter Lippenstift und ein wenig Rouge auf den Wangen. Ein weites Kleid und eine Stola. Im Laufe des Abends erzählte sie viele Geschichten. Längst war Mitternacht vorbei und ihre Augen glänzten. Sie amüsierte sich köstlich und niemand hätte ihr Alter noch schätzen können. Sie wirkte 20, nein 30 Jahre jünger. Ihr kleiner Körper war gerade und sie war aufgedreht von den vielen Komplimenten. Sie umarmte und küsste jeden. Kein Zweifel, diese Frau war von der Leidenschaft durchdrungen.

Drei Monate zu früh auf die Welt kommen, ist ein Risiko. Der Professor und der Chefarzt hatten etwas Kleines, Blutiges in der Hand. Das sollte ein Baby sein? Er durfte dabei sein und wurde gefragt: "Soll es leben?" Er nickte und es überlebte.

Sie war 13, er 15. Sie gingen nun seit 10 Tagen zusammen. Er war schon ein toller Typ: groß und breitschultrig. Wann immer man sie sah, hielten sie sich bei der Hand oder küssten sich. Der Diakon hatte viel Vertrauen in seine Jugendlichen und ließ es gewähren. Am Bergfestabend kam sie total aufgelöst ins Zelt und heulte. "Was ist den los?" wurde sie gefragt. "Ich weiß nicht was ich machen soll. Er hat mir vorhin gesagt, dass es doch langsam an der Zeit wäre, sich Kondome zu besorgen. Er liebt mich nicht." - "Wieso?" sagte eine 12jährige, "das ist doch völlig normal."

Sie hatten sich im Spiel kennengelernt. Heute trafen sie sich. Die Fantasien waren bereits fest im Kopf. Erste Berührungen, ganz vorsichtig an der Hand, der erste flüchtige Kuss. Natürlich sah er anders aus, und sie sicherlich auch für ihn. Nur ein Foto hatten sie per Mail getauscht. Er fasste ihren Unterarm an und sie konnte es nicht verhindern: sie schüttelte sich, so wohlig war das Gefühl. Er schaute ihr in die Augen und las die Sehnsüchte, die er schon im Chat gelesen hatte. Es war wahr: Eine Stunde lang gehörten sie sich, dann würden sie sich nie mehr sehen. Eine unvergessene Stunde.

Die Sonne kitzelte. Sie lag neben ihm. Seit vielen Jahren sind sie schon ein Paar. Sie werden zusammen alt. Wenn er sie anschaut, dann sieht er Geschichten, in denen sie beide vorkommen. Alte Geschichten. Wenn sie ihre Augen dann aufschlägt, sehen sie ihre grenzenlose Liebe zueinander. Er wird dann immer melancholisch. Sie bläst ihm die Gedanken fort und grinst frech und denkt, warum kann er den Moment nicht einfach genießen. Sie lächeln sich an. Liebe macht Trunken vor Glück. Traumfrau und Märchenprinz.

27.12.2008

Lehrertheater

Manchmal fällt einem was in den Schoß: "Vor der Klasse stehen" als Thema der Zeitschrift Pädagogik 2008/11. Worum geht es?

Didaktisch gibt es für die Situation, vor der Klasse zu stehen, wenig Neues zu sagen. Aber sozialpsychologisch ist sie kaum beleuchtet worden. Dass Lehrkräfte auf ihrer "Bühne" stehen, z. B. auch mit dem Körper kommunizieren, ist oft nicht bewusst. Überraschend sind dabei die Parallelen zum Theater: Zwar sind Lehrkräfte keine Schauspieler, aber die Szenen sind verwandt, wir können einiges vom Theater lernen.

Spannend und schön, dass das Thema endlich einmal aufgegriffen wird. In den Beiträgen werden unterschiedliche Aspekte vorgestellt:

- Körperstellung, Blickkontakt, Mimik und Gestik
- Achtsamkeit und Präsenz
- Selbstwertgefühl und natürliche Autorität trainieren und entwickeln
- Wirkung der Raumregie
- Die Stimme wirkungsvoll einsetzen

Sätze wie "Es ist keineswegs gleichgültig, wo sich die Lehrkraft im Klassenraum aufhält und wie sie mit dem Körper agiert." oder "Das gesamte Klassenmanagement kann über nonverbale Signale erfolgen." oder "Seien Sie stolz auf Ihre Stimme, denn sie ist etwas Einmaliges, etwas, das Sie auszeichnet" hören sich gut an. Die erklärten Empfehlungen sind auch redlich.

Nun, das Spiel im Klassenzimmertheater hat Wirkungen. Schüler sind hervorragende Beobachter. Kramer wird zitiert.

"Im Schullandheim stellten meine Schüler mich als Lehrer dar. Zuerst pantomimisch, dann auch mit Sprache. Es ist unglaublich, wie gut Schüler auch kleine Details beobachten können. ... So war mir nach dieser Theatervorstellung klar, dass der Lehrer nichts, aber auch gar nichts vor seinen Schülern verstecken kann."

Das weiß ich, denn ich habe solches Spiel auch in meiner Schulzeit kennengelernt. Und ich darf ergänzen, dass wir damals auch sehr viel Privates über unsere Lehrer wussten. So auch, welche Lieblingsthemen man wie bei ihnen anstößt oder wie man sie anderweitig manipulieren konnte. So manche Schulstunde wurde so zu einem Gaudi, weil wir unsere Rollen so perfekt kannten und konnten, dass sogar wörtlich die Dialoge vorhersagbar waren. Mein kurz vor seiner Pensionierung stehender Mathematiklehrer durfte sich einmal etwas von uns wünschen und wir haben ihm eine ganze Schulstunde seines Unterrichts vorgespielt. Am Anfang war er erstaut und nach der Hälfte der Zeit hat er die Show kurz unterbrochen und in die Runde gefragt: "So bin ich wirklich? Das ihr das mit mir so aushaltet, rechne ich euch groß an." Dann lachte er und sagte: "Ich kann mich leider nicht mehr ändern. Also spielt weiter, ich will noch mehr über mich erfahren." Seit dem Tag hatten wir alle ein großartiges Verhältnis zu ihm gehabt und er zu uns.

Welche Rolle(n) spielt ein Lehrer auf der Klassenzimmerbühne? Leider schweigen sich die Artikel darüber aus, obwohl das ja eigentlich das Interessanteste wäre. Schade eigentlich, liebe Zeitschrift Pädagogik. Denn dann wäre das Modell perfekt. Nur an einer Stelle wird als Technik etwas Interessantes berichtet: Und zwar über die Aufgabe von Fridolin, dem Plüschtier. Fridolin hat eine eigene Lernbiografie: Angst vor Prüfungen, Vorlieben für bestimmte Themen, stellt gerne dumme Fragen, hat Sorgen und alltägliche Probleme. Fridolin traut sich, naheliegende, aber falsche Hypothesen aufzustellen: so hat Fridolin nachgezählt, dass jedes Elektron, das ihm das Kraftwerk geschickt hat, auch wieder zurückbekommt. Keines, wirklich keines wurde weggenommen ... also warum dann die Stromrechnung bezahlen. Jeder Lehrer sollte eine Handpuppe haben, oder der Zahl zwei *gg*. Ich habe auch immer eine dabei.

Ja welche Rolle(n) spielen eigentlich die Lehrer im Unterricht? Vielleicht gibt es ja irgendwann von klugen Leuten Antworten darauf.

An einer andere Stelle in diesem Heft bin ich auf eine Antwort gestoßen, die nun gar nichts mit der Bühne im Klassenzimmer zu tun hat, aber durchaus auf einer anderen Bühne eine Rolle spielt. Eckhard schreibt folgendes in das Poesiealbum seiner Schüler:

Als Lehrer will ich dir helfen, so gut ich kann.
Aber mach es dir nicht zu leicht und mute dir einiges zu.
Aber ich lasse dich spüren - trotz aller Anstrengungen: Du bist wichtig! Für Dich selbst, für die Deinen und für die Zukunft.
Es lohnt sich zu lernen, um so leben zu lernen.
Also lerne gut und fleißig -
Bis du keine Lehrer mehr brauchst -
Auch keine guten, denn gute Lehrer machen sich schließlich überflüssig für dich.
Dann sind sie wirklich gut.
Besser: am besten.

Ich denke Eckhard hat schon einiges von dem gerafft, worum es wirklich geht *gg*

26.12.2008

Liuvar Alveredar

"Und jetzt?", fragte Luc.
"Jetzt wirst du etwas trockenes Holz suchen, und wir sehen uns nach einer windgeschützten Stelle um, um dort ein Lager aufzuschlagen. Man muss auf der Lichtung übernachten." Yulivee senkte ihre Stimme, als Myrielle zu ihnen zurückkehrte. "Vielleicht wird dann ... etwas geschehen. Auf jeden Fall aber hast du der Kleinen ihr Lachen zurückgegeben und ihr eine wunderbare Schneeballschlacht geschenkt. Ich finde, allein das war unsere Reise wert."
Er ging zum Rand der Lichtung und tastete im Dunkel nach dürren Ästen. Er schrammte sich die Hände an gesplittertem Holz auf, strauchelte und stieß sich einmal den Kopf an einem Eichenstamm. Dann kam Myrielle. Sie trug einen Stein, wie er ihn auch einmal gefunden hatte. Er leuchtete von innen heraus. Luc dachte an die Heidengöttin im Rosengarten in den Ruinen. An die Göttin, die er enthauptet hatte. Das Herz wurde ihm schwer.
Myrielle sagte etwas. Sie leuchtete in sein Antlitz. Das Licht des Steins schmerzte nicht in seinen Augen.
Myrielle wiederholte ihre Worte, doch er konnte sie nicht verstehen. Er kniete sich vor ihr in den Schnee. "Yulivee wird mir gleich übersetzen, was du sagst."
Das Mädchen versuchte es noch einmal. Endlich zuckte sie mit den Schultern. Der leere Ärmel pendelte dabei hin und her.
Luc presste die Lippen zusammen. Hoffentlich irrte sich Ollowein. Er würde alles darum geben, wenn die Kleine in dieser Nacht ihr Wunder bekam.
"Liuvar Alveredar", sagte sie feierlich und gab ihm einen scheuen Kuss auf die Wange. Dann klemmte sie sich so viel Reisig, wie sie nur tragen konnte, unter den Arm und kehrte zum Lager zurück.
Der junge Ritter legte sein Holz bei der Feuerstelle nieder. Myrielle blies mit Begeisterung auf die Glutfunken, die Yulivee in ein Bett aus Zunder geschlagen hatte.
Er ging hinüber zu Ollowein, der die Pferde versorgte.
"Was heißt Liuvar Alveredar?"
"Wie kommst du darauf? Wer hat das zu dir gesagt?"
"Sag mir einfach, was es heißt."
"Liuvar Alveredar ist eine alte Grußformel. Man begrüßt sich unter Blutsverwandten so. Oder unter sehr engen Freunden. Man sagt das nicht oft, weißt du. In deiner Sprache würde es ungefähr heißen: Frieden für den Freund."

...

Er erhob sich und wollte zu ihr gehen, doch er hatte das Gefühl, von einer körperlosen Macht zurückgedrängt zu werden. Etwas war dort draußen ... Vielleicht kam es aus dem Licht oder auch aus dem uralten Monolithen.
Silbernes Licht umspielte Myrielle. Und plötzlich war sie verschwunden. Im selben Augenblick war auch der Bann gebrochen. Luc lief auf die Lichtung hinaus und rief den Namen des Mädchens. Er erhielt keine Antwort.
Er folgte ihrer Spur im Schnee bis zu der Stelle, wo sie verschwunden war. "Was ist das für eine Magie? Was ist mit ihr geschehen?"
Das grünsilberne Licht zog sich tiefer in die Wälder zurück. Hatte es Myrielle geholt? Luc sprang auf und wollte zum Rand der Lichtung laufen, als Ollowain ihm den Weg vertrat.
"Sie ist ins Mondlicht gegangen. Du wirst sie nicht mehr finden. Ihr Schicksal hat sich vollendet."
"Was soll das heißen? Du redest ja, als sei sie tot!"
"Du musst nicht um sie trauern, Luc. Wir Elfen sterben und werden wiedergeboren. Dieser Kreis endet erst, wenn wir unsere Erfüllung finden. Dann gehen wir ins Mondlicht. Es geschieht sehr selten, dass man Zeuge eines solchen Ereignisses wird."
"Aber sie lebt noch?"
"Das kann man nicht sagen. Wahrscheinlich nicht in der Art, wie wir es kennen."
Luc verstand nicht, wie der Elfenritter das meinte. Er tastete über den zerwühlten Schnee. Überdeutlich sah er die winzigen Eiskristalle. All seine Sinne waren zum Zerreißen gespannt. Er schmeckte den auffrischenden Nordwind auf den Lippen und die Vielzahl von Düften, die um den Monolithen wogten.
"Das ist nicht gerecht!" Er schlug mit den Fäusten in den Schnee. Frost biss ihm in die Knöchel. "Sie sollte doch einen neuen Arm bekommen. Was habt ihr für grausame Götter! Warum haben sie das Mädchen in Vahan Calyd überleben lassen? Warum musste sie so viele Schmerzen erdulden, nur um dann hier, an diesem Ort, an den ihre Hoffnungen und Träume sie gebracht haben, zu sterben? Das ist nicht gerecht!"
"Luc, sie ist nicht tot. Nicht so, wie du es verstehst."
"Hör auf mit deinen elfischen Spitzfindigkeiten! Sie ist aus dem Leben gegangen. Oder irre ich mich da vielleicht?"
Der Elfenritter blieb ihm eine Antwort schuldig.
"Du hättest mir sagen müssen, dass dies geschehen kann. Dann wäre ich niemals mit ihr hierhergekommen."
"Es war ihr Schicksal, diesen Ort aufzusuchen. Oder vielleicht war es auch ihr Schicksal, dir zu begegnen. Mit dir eine Reise zu machen und ihr Lachen wiederzufinden. Oder einfach nur die beiden Worte Liuvar Alveredar zu dir zu sagen. Ausgerechnet zu dir, dessen Brüder ihre Eltern gemordet und sie verstümmelt haben. Sie ist in Frieden und Harmonie gegangen. Wir leben in Zeiten, in denen diese Gunst nur wenigen zu Teil wird."
"Erzähl mir nicht, dass das Ziel des Lebens der Tod ist, Elf!"
Ollowein ließ sich von seinem beleidigten und anklagenden Tonfall nicht aus der Ruhe bringen. "Sag mir, was das Ziel des Lebens ist, Menschensohn, wenn es nicht der Tod ist. Jedes Leben mündet in den Tod!"
"Sie war zu jung. Zu ..."
"Myrielle war jung. Doch ihr Leben war alt. Sie ist oft wiedergeboren worden. Ich bin mir sicher, dass sie erleichtert ist, ihre Erfüllung gefunden zu haben."
Luc sah in das alterlose Antlitz des Elfenritters. Vielleicht könnte er ihm ja glauben, wenn er nicht so traurige Augen hätte. Sie waren so fremd, die Elfen. So anders.

gefunden in Bernhard Hennen: Elfenritter - Das Fjordland, 2008.

24.12.2008

Eine Geschichte über die Ahnen einer Hexe

Wie du sicherlich bemerkt hast, bin ich eine Hexe (witch), die am Rande einer kleinen Stadt wohnt. Einen Steinwurf nur entfernt von einem Wald, ganz in der Nähe eines kleinen Sees an dem ein Bach entlang fließt. Nicht allzu weit entfernt sind die Überreste (Brunnen) unserer gemeinsamen Vorfahren zu finden und wenn ich über den Berg gehe, dann komme ich zu einem großen Steinmonument, dass viele Jahrhunderte den Druiden diente, ihre Kraft zu sammeln.

Weißt du eigentlich, wer unsere Vorfahren sind? Ich meine die, die aus Hallstadt kommend hier diese Lande bezaubert haben? Ja, ich meine die Völker, die man Kelten nennt und bis heute unsere Sitten und Gebräuche und auch unsere Begriffswelt geprägt haben. Leider haben wir nicht viele gute Überlieferungen, aber ein paar Dinge will ich dir verraten.

Vielleicht hast du schon mal den Begriff "Teutonen" gehört? Es stammt von dem keltischen Wort túath ab, was soviel wie Volk bedeutet. Auch die römische Bezeichnung für die rechtsrheinischen Länder "Germania" wird wohl von einem keltischen Stamm, den Germani abgeleitet.

Bei den Kelten spielt das Übernatürliche immer eine große Rolle - die Geister wohnen überall: in alten Bäumen, in geheimnisumwitterten Felsen, in Flüssen und Sümpfen. Alles unterliegt dem Einfluss der Götter. Sie beherrschen die Welt der Natur, von der der Mensch ein Teil war. Der uralte Glaube an eine große Göttin ist immer noch in unserer Welt zu finden. Nebenbei stammt auch mein Hexenkessel aus dieser Welt: Es ist eine Reminiszenz an Dagdas unerschöpflicher Kessel, dessen Inhalt Erleuchtung, Verjüngung und Heilung bewirkt.

Die Kelten hatten auch einen großen Kalender und viele wichtige Ereignisse sind in ähnlicher Form bis heute erhalten: das Beltine-Fest am ersten Mai sowie das Fest der Samain-Nacht, an dem man den Anfang der dunklen Jahreszeit feiert. Es ist das Fest der Wiedergeburt. Brauch ist es, dass man etwas von dem verschenkt, was man im Jahr zuvor erhalten hat. Ich muss wohl nicht noch erwähnen, dass die Druiden Misteln hierfür sammelten (natürlich von starken Eichen). Und das es im wahrsten Sinne ein Fest der Liebe ist. Ähnlichkeiten zum Baumfest im zweiten Drittel des Dezember sind ersichtlich. Nebenbei bemerkt, auch mein Rabe hat einen Namen einer keltischen Gottheit: Abraxas.

Was ich dir nun mit auf den Weg geben möchte, ist, beachte die kleinen Dinge, die wir von unseren Vorfahren geerbt haben: Nicht nur die Sprache zum Begreifen der Welt, sondern auch die tiefen Achtung zur Natur, die unserer Seele speist und uns erhält.

Hexe Hexenlehre Kelten Germanen Seele

21.12.2008

Moderator 2.0

Immer wieder schaue ich mir gerne Web/Blog-Sites oder Community-Sites an. Auf die ersten Eindrücke kommt es meist an: Sind sie verödet (man hat das Gefühl, dass sich da keiner mehr drum kümmert) oder nur müde (nur 2 Einträge im letzten Monat) oder haben sie Feuer. Nur bei letzteren hat man Lust und Spaß weiterzulesen.

Ich beobachte zunehmend, wie man das Web 2.0 zum Thema im Unterricht macht, um Web 2.0-Kompetenz* zu erzeugen. [*der Begriff wird hier nur als Erkennungsmarker für spezielle Zielgruppen verwendet] Mit einem Browser, mit Google, mit Wikis sollen sie umgehen lernen und auch selbst aktiv ihren Input einbringen können. Vielleicht nicht unbedingt technisch versiert (Programmieren), aber mit dem Werkzeugen halbwegs souverän umgehen lernen sollen sie schon. Und auch das Internet in seiner mannigfaltigen Wirkung erfahren und was es zur Informations- und Kommunikationskultur beitragen kann. Leider wird selten operationalisiert, was die Unterrichtsteilnehmer ganz genau alles können sollen. Vielleicht auch deshalb, weil sich so viel ändert und man als Unterrichtsgestalter auch mittendrin in der Erkenntnisgewinnung steckt.

Web 2.0-Kompetenz soll alles beeinflussen, auch und vor allem die Informationsdistribution und das DENKEN und VERARBEITEN von Informationen an sich. Neue Metaphern müssen herhalten zur Sinnstiftung. Manchmal halt nur bis zur Pausenklingel, denn eigentlich wird doch immer versucht, das unfassbar Neue (per Definition sich selbst regulierend und nicht durch Kategorien beschreibbar) in hierarchischen Wiki-Gliederungen und Büchern abzubilden, wo doch eigentlich nur das Erlebnis zum Begreifen führt: "Du musst dich schon eine Weile mit Twitter abgeben, bevor du verstehst, was es für dich bedeuten kann." Eigentlich müsste man Tanzkurse zum Einüben anbieten, statt darüber zu schreiben. Und das ist schon die ganze Wahrheit: Fast alle Protagonisten üben sich durch eigene Web-Beiträge, sei es in Blogs, in Community-Plattformen oder über andere Kanäle des social webs. Aber nicht immer ist das wirklich erfolgreich: Das "Was bringt es mir?" wird ja nicht an den Absichtserklärungen "hey, wir sind eine Community, wir haben uns gefunden, juchu" gemessen, sondern in seiner Langzeitwirkung an dem Nutzen. Dass das zur Verfügung stellen einer Plattform ohne treibende Inhalte/Content nicht wirklich ausreicht, ist doch auch schon allgemeines Erfahrungsgut geworden, das kennen wir seit dem Aussterben der unterschiedlichen Such- und Findeportale. Also zurück zur Frage: "Was bringt mir das?"

Die Argumente sind schnell zusammengezählt: Wir lernen Gleichgesinnte kennen. Wir können (!) miteinander kommunizieren und können die Hoffnung haben, dass uns jemand liest. Wir können darüber hinaus, (meist kostenlos) Materialien/Informationen/Veranstaltungstermine zur Verfügung stellen und auch im Bedarfsfall nach Hilfe schreien. Also das "Schwarze Brett" als Metapher - oder? Da hab ich noch was vergessen, man kann sich gegenseitig verlinken und auf die anderen (eigenen) Seiten verweisen ...

Spannend? Puuuuh! Manchmal erwischt man in einem Thread einen post oder comment, auf den heftigst reagiert wird ... ja da fetzt sich was oder ist lustig oder es wird was als gemeinsamen Werk entwickelt. Meist ist eine Kontroverse der Startpunkt für das Drama. Kennen wir doch irgendwo her? Ja aus der Literatur, aus dem Schreiben eines Drehbuchs ... Wie bringen denn Autoren den drive bzw. flow in die Geschichte? Durch Dramaturgie! Durch geschickt besetzte Rollen, durch Dialog-Regie, durch das Entwickeln von Höhepunkten usw. usw.

Auf einer Web/Blog/Community-Site sind wir die Regisseure als Moderatoren, Agitatoren, Hebammen und ich weiß nicht was noch. Wir bieten ein gutes Theater für unser Publikum, bitten auf die Bühne, suchen Anknüpfungspunkte und beziehen ein. Das kann nicht nur Spaß machen, sondern auch Faszination des Zuschauers auslösen. Wir wollen aber mehr. Einbeziehung des Publikums, und nicht nur für eine Vorführung. Das geht nur, in dem wir Mehrwerte bieten, die etwas Besonderes sind. Zum Beispiel Antworten auf längst oder noch nicht gestellte Fragen. Oder auf gerade gestellte Fragen in einem Blog.

Wie muss man so etwas strategisch anlegen? Wie führt man eine Community? Wie moderiert man Beiträge? Wie baut man Spannung ein? Wie integriert man sein Publikum und macht Akteure daraus? Viele weitere Fragen schließen sich an. Klar - dazu gibt es auch Literatur und Anleitungen. Und im Grunde muss man das nur umsetzten. Aber alles funktioniert wirklich nur, wenn auch die Motivation und der Mehrwert sich lohnen. Am dankbarsten sind immer die Helfer/Hilfesuchenden-Konstruktionen, wo durch den Rat der Leidensdruck vermindert wird. Also muss am Anfang aller Dinge die Forschung nach dem Leidensdruck erfolgen und der Rat gut und teuer (exklusiv) sein, dann wird die Bindung entstehen. Und es darf keine einmalige Sache werden, entweder muss der Druck immer wiederkehrend sein ("Jo-Jo-Effekt") oder die Vermittlung des Ratschlags muss pädagogisiert werden ("vom Anfänger zum Experten").

Zur Konstruktion von Wirklichkeit 2.0 gehört Anleitung. Lernziel: "Moderator 2.0". Dazu würde ich gerne viel mehr lesen. Und mehr action sehen wollen.

Ergebnisorientiertes Lernen

Immer wieder bin ich mit Menschen zusammengekommen, die irgendwann vor einer Prüfung standen und lernen wollte, wie man sich am besten auf diese vorbereitet. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil ich zu diesem Thema Kurse angeboten habe.

Die Motivation dieser Menschen war oft darin begründet, dass sie schlechte Erfahrungen bislang mit Prüfungen hatten und es nun besser machen wollten oder mussten, aber keinen Plan dazu hatten. Nun muss man wissen, dass Prüfungen Angst machen, sozusagen Prüfungsangst und diese bewirkt oft, dass Prüfungen übermächtig wirken. Prüfungen übrigens, die keine Angst machen, die sozusagen en passent passiert werden, werden oft gering geschätzt und nicht als Prüfung empfunden. Man erfreut sich auch nicht sonderlich an deren erfolgreichen bestehen. Irgendwie muss man schon das Gefühl bei Prüfungen haben,

(1) dass es um etwas geht,
(2) dass es auf die eigene Leistung/Anstrengung/Reifung attributiert werden kann und
(3) dass es auch anerkannt wird, was man geleistet hat.

Nicht jeder wird sie prinzipiell bestehen = scheitern ist möglich = mit dem Bestehen ist etwas verbunden, z. B. die Aufnahme in den Kreis der Bestandenen (Initiation). Es gibt Regeln für den Prozess, so dass er Vergleiche zwischen den Kandidaten ermöglicht (Bild: jeder unterzieht sich der gleichen bzw. gleichartigen Prüfung - Reliabilität).

Nun das Bild von der Prüfung hat noch viele weitere Aspekte, die nicht alle an dieser Stelle vertieft werden müssen. Für viele Kandidaten ist sind also zwei Dinge bedeutsam:

(1) was kann ich tun, um mich möglichst optimal auf diese Situation vorzubereiten und
(2) was muss ich in der Prüfungssituation beachten, um gut abzuschneiden.

Beides hat mit den eigenen Ansprüchen und Erwartungen zu tun, weil das 'unvorbereitet' in eine Prüfung gehen, von allen Seiten (und der Vorerfahrung) als Glücksspiel angesehen wird, bei dem man kaum eine Chance hat zu bestehen.

Wie plant man nun ein 'sicheres' Vorgehen, um durch die Prüfung zu kommen bzw. sie glanzvoll zu bestehen? Man muss alle Anforderungen und Rahmenbedingungen realistisch einschätzen und durch Kenntnis-, Einstellungs- und Verhaltensänderungen planvoll vorbereiten! Meist wird das reduziert auf die vermeintlichen Prüfungsinhalte bzw. den Prüfungsstoff und sehr schnell wird überschlagen, wie viel man davon weiß bzw. nicht weiß und steht vor einem unüberwindbaren Berg. Um aus dieser Einschätzungsfalle herauszukommen, kann man 'ergebnisorientiert' lernen. Was ist das nun?

Zum ergebnisorientierten Lernen gehört zunächst die Kenntnis über die 'reale' Prüfungssituation':

Wann findet sie statt? Wie lange dauert sie? Wer nimmt daran teil? Welche Kriterien liegen der Prüfung zugrunde? Wie lässt sich die Prüfung abgrenzen? Kann man einen Eindruck von der Prüfung, den Prüfern, dem Prüfungsablauf gewinnen? Kann man sich selbst auf Probe prüfen lassen? Kann man die Prüfung wiederholen? Kann man mangelnde Prüfungsleistungen ausgleichen? usw. usw.

Um auf den Kern zu kommen: Es gibt zwei Phänomene, die bei der näheren Betrachtung der Prüfungssituation und Prüfungsbefindlichkeit (Angst usw.) verblüffen:

(1) in Rollenspielen findet man häufig exzellente Besetzungen der Rollen Kandidat und Prüfer vor. Selbst in für alle sichtbar harmlosen Prüfungssimulationen befinden sich die Kandidaten schnell in einem Prüfungsstress, der von überzeugend (ohne vorherige Absprachen oder Übungen) gespielten Prüfern verursacht wird. Das heißt, dass wir alles die Grundmechanismen einer Prüfung bereits internalisiert haben und sie unbewusst auch einsetzen können. Daraus kann man schließen: Prüfungsangst ist also fast immer ein psychisches Problem kein reales. In der Literatur wird nun über die Ursachen hierfür ausgiebig reflektiert - und versucht, durch Ursachenanalyse auch den befreienden Durchbruch zu erzielen - kann man so machen - ist aber nicht wirklich systemsprengend. Durch systematische Desensibilisierung erhält man ähnlich gute Ergebnisse und kann vor allem auch methodisch breiter ansetzen. Desensibilisierung bedeutet, dass wir durch 'ergebnisorientiertes' Lernen, die Prüfungssituation in den Mittelpunkt des Lernens rücken. Je mehr wir wissen, was in den Prüfungen stattfindet, je häufiger wir an Prüfungen teilnehmen (in welcher Rolle auch immer), desto 'geübter' und 'lockerer' werden wir mit dieser Situation fertig.

(2) es ist schwierig, durch eine Prüfung bewusst durchzufallen. Das ist ein wirklich ganz schwieriges Ding. Ich habe einmal die Empfehlung ausgesprochen, einfach testweise völlig unvorbereitet in eine Prüfung (an der Uni) zu gehen, um das als Erfahrungserlebnis kennen zulernen und die Kandidatin ist nicht durchgefallen, sondern mit einer durchschnittlichen Note bewertet worden. Und sie hatte dadurch ihre Chance vertan, die Prüfung zu wiederholen, um mit einer sehr guten Bewertung abzuschließen. Nach diesem Fall haben wir immer eine Durchfallstrategie vorbereiten müssen (bewusster Verstoß gegen eine Rahmenbedingung der Prüfungsordnung), um das Scheitern auch gezielt herbeiführen zu können.

Ergebnisorientiertes Lernen geht methodisch davon aus, dass es gilt, Prüfungen zu bestehen. Also ist die beste Vorbereitung, Prüfungsinhalte und Prüfungssituation einzuüben. Am besten durch Simulation der Prüfungssituation, durch das Beantworten von Prüfungsfragen, das Durchspielen der Prüfung, das Verfolgen und Auswerten vergleichbarer Prüfungen. Viele erfolgreiche Prüfungsvorbereitungskurse, die ich für Microsoft/Novell-Zertifizierungen durchgeführt habe, bestätigen durch hohe Erfolgsraten diese Vorgehensweise.

Durch die systematische Vorbereitung auch auf die Situation des Durchfallens entsteht auch eine eher sportliche Note. Die Desensibilisierung durch Prüfungsrollenspiele in Gruppen kann man auch immer als erfolgsversprechend einsetzen. Was sich da an einzelnen Maßnahmen noch weiter ableiten lassen könnte, spar ich mir an dieser Stelle. Aber ein Bild möchte ich noch weitergeben. Ein Teilnehmer per Video in seiner Prüferrolle gefilmt, sagte mir bei der anschließenden Betrachtungsanalyse: "Mir möchte ich nicht in einer realen Prüfung begegnen. Ich wusste gar nicht, was für ein Schwein ich sein kann." Er hat sich danach geändert.

Auch wenn es nur ganz kurz erwähnt werden soll: Eine Prüfung ist ein Kommunikationssituation, in der es nicht nur um den 'inhaltlichen' Aspekt geht, sondern um alle Seiten der Kommunikation (vier nach Schulz von Thun, um mal ein Modell anzuführen). Souverenität im Umgang mit dieser Kommunikationssituation ist natürlich der Schlüssel - selbst bei Fragebögen oder schriftlichen Ausarbeitungen ist das nicht zu leugnen. Selbst die Farbwahl der Tinte kann bedeutsam sein *gg*. Die weiteren kleine Geheimnisse der Verführung eines Prüfers/einer Prüferin behalte ich an dieser Stelle mal für mich. Grundsätzlich sind auch Computerprogramme (für die Prüfung) auch nur Menschen(werk). Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass Mitte der 90er Jahre für bestimmte Online-Prüfungen der Tipp kursierte: 'Wenn folgenden Frage kommt, dann musste C ankreuzen, das gibt volle Punktezahl, auch wenn es inhaltlich nicht stimmt ...' oder 'Zwischen Fragenabschnitt 3 und 4 kannst dir per Pinkelpausen-Knopf 30 Minuten Zeit lassen ... ' - üblich waren nur 10 Minuten.

Die Frage steht noch im Raum: Wie veranstaltet man Unterricht, der mit ergebnisorientiertem Lernen zu tun hat. Recht einfach: Man stellt die Prüfung in den Mittelpunkt allen Tuns und lässt alles andere weg - denn das kommt eh wieder zurück, aber mit einer ganz neuen Bedeutung. Interessant ist dazu eine Einschätzung, die ich von einem Kandidaten hörte: "Ich hab bei der Vorbereitung auf die Prüfung gelernt, dass diese Prüfungsinhalte nicht für meine Berufspraxis bedeutsam sind und sehe nun mittlerweile auch die Dinge, mit denen man etwas anfangen kann. Den Unterschied habe ich vorher nicht gekannt."

20.12.2008

Web 2.0 - Mensch 2.0 - Avatar 2.0

Im wirklichen Leben (real life = RL) spielen Menschen in verschiedenen Situationen unterschiedliche Rollen. Soziologen, Psychologen, Pädagogen usw. beschäftigen sich damit, versuchen das Warum und Wieso und die Bedeutung für die Identität eines Menschen zu ergründen bzw. zu nutzen. Wer kennt nicht den Begriff des Rollenspiels? Sogar das Einüben neuer oder anderer Verhaltensweisen und Einstellungen wird darüber vorgenommen. Theater, Kino, Schauspieler, Politiker, Berufsgruppen usw. assoziiert man mit diesem Phänomen. Wer nicht aus der Rolle fällt, der ist berechenbar, authentisch, angenehm, vorzeigbar. Wir wissen alle was wir davon haben, wenn wir unsere Rollen gut spielen und wenn jemand es nicht so gut beherrscht, der fällt schon ein wenig auf. Rollenkonformität!

Manchmal stehen uns die vorgegebenen Rollen im Weg. Wir brauchen viel Kraft und Aufwand, um aus der Rolle auszubrechen, oder über ihr zu stehen. Manchmal braucht es sogar professionelle Hilfen dabei: Er steht sich selbst im Weg. Wenn er doch nicht so förmlich wäre. Kann sie nicht über ihren Schatten springen. Sie wird durch ihre Doppelrolle hin- und hergerissen. Er kann die Rollenerwartung nicht erfüllen ... oder er füllt seine Rolle nicht aus. Mehr Schein als Sein. - Nimm doch mal eine andere Perspektive ein. Lass dich doch nicht immer von deiner Rollenerwartung treiben. Schau doch mal hinter die Fassade. Er spielt seine Rolle perfekt, aber im wahren Leben ist er nicht so.

Auch das kennen wir, das Leid, welches sich hinter der Rolle verbirgt, weil uns die Rolle nicht auf den Leib geschnitten ist oder wir andere Bedürfnisse haben, die uns durch die Rollen nicht möglich sind zu befriedigen. Das Vorurteile mit einer Rolle verbunden sind, ist auch für jeden klar: Immer diese "Bürokraten" usw.

Rollenspiel im Web 2.0

Natürlich spielen wir auch eine Rolle im Web 2.0. Wie viel vom RL hineinfließt, ist eine Frage der Darstellung, welche Rolle des RL wir im Web 2.0 spielen wollen/können. Bekannte werden manchmal auf Veränderungen stoßen und sagen: "Ah, das hab ich ja von ihm/ihr noch gar nicht gewusst" oder "Oh im Internet ist sie/er ja ganz anders". Bei neuen Begegnungen/Bekanntschaften spielt das vorerfahrene RL keine Rolle und daher werden sofort alle Antennen ausgefahren und die personality abgeklopft nach bekannten Mustern (Schubladen), um den Anderen/Fremden einzuschätzen (schönen Wort): Schätzwert feststellen oder einen Schatz für sich gewinnen oder abschätzen, wie billig komme ich ans relationship [investment for social contact] heran bzw. steht er/sie auf der selben Statusstufe [Ranking für hoch- oder runterschauen oder sogar manchmal auf gleicher Augenhöhe betrachten]. Da muss man etwas von sich preisgeben bzw. über spezielle Kommunikationscodes Signale setzen: Wortwahl, passendes Bildchen, Satzbau, Kommunikationspräsenz, Themenwahl, Beziehungsmanagement per Beipflichtung oder Abwertung oder Kritik oder Verteilung von Komplimenten usw. usw, Auswahl der Kommunikationspartnerschaften usw.

Nach einer Weile verfestigt sich das Bild und auch die Erwartungshaltungen (z. B. nach 2000 Beiträgen) im Web 2.0 und sind ähnlich stabil wie im RL. Manchmal hat man sogar mehr Glück als im RL: das ausgeformte Rollenensemble trägt sich besser und man wird vielleicht durch das Versteckenkönnen des ein oder anderen Handikaps (Äußerlichkeiten, Sprachfehler usw.) nicht in gleicherweise behindert wie im RL (hic!). Manche empfinden auch mit der Möglichkeit des prinzipiell einfacheren Rollen-Selbstmords im Web 2.0 (ich mach mir eine neue Identität, die alte lösch ich) durch das damit verbundene Provisorische der Rolle eine Erleichterung.

A Star is born

Wie macht man sich oder jemanden populär. Viele TV-Sendungen zeigen die Grundmuster der Sternchen-Werdung auf:

1] hab eine glaubhafte passende Legende (Schicksal meinte es gut oder schlecht mit einem usw.)
2] zeige eine besondere Leistung (nicht arrogant, überheblich, sondern zeig Einsatz, Leistung, die Unsicherheit darüber, ob du dazu gehörst, zeig Glauben an den Erfolg, zeig Aufsteigermentalität: vom Looser zum gemachten & verehrten Sieger)
3] habe eine Bühne (du brauchst Publikum, dass dich wahrnimmt und dich lieben kann)
4] habe eine Initiation (durch eine Jury oder eine Instanz, der du dich stellen kannst, die dich stellvertretend prüft)
5] habe glaubwürdige Fürsprecher (Promotoren, die in ihrer Reaktion auf dich das Publikum überraschen - wer kennt nicht diese Heulsuse: 'Du bist ein Star ...' oder der Hardliner: 'ich hab soviel Scheiße gesehen, da fällst du echt auf ...')
6] habe immer den Glanz der Dankbarkeit für deine Fans in deinen Augen und falle dabei nicht aus deiner Rolle (ach wie viele Sternchen haben sich durch negative Presse wieder als Sternschnuppe auf dem Boden wiedergefunden)
7] wenn du ein Star geworden bist, dann verhalte dich wie einer (keine Angst vor der neuen Rolle, es ist eh alles nur eine Show)

Wir können hier also Muster für eine erfolgreiche Star-Karriere im Web 2.0 ableiten. Ob wir wollen oder nicht, so oder fast so funktioniert es zur Zeit. Mag sein, dass es noch andere Weg gibt ...

Avatar 2.0

Im Wiki kann man sich über den Avatar erkundigen. Was ist er im Zusammenhang mit dem Web 2.0 bzw. als Alternative zum Mensch 2.0? Er kann Rollen austesten! Er kann als Anonymous auftreten! Er kann unerwartete Rollenerwartungen auslösen bzw. sich vorschnellen entziehen.

Ein Avatar zeigt, dass er nur spielt und nimmt daher einen fiktiven Charakter ein. Da er auch fiktive aber dennoch bekannte Rollenverstellungen einnehmen kann (der Frosch und die Prinzessin) kann er mit Metaphern und Allegorien spielen und konfrontieren und weil er eine bewusste Kunstfigur ist, dies auch tun ohne direkt zu verletzten. Es ist die Nähe zur litararischen Figur bzw. der Rolle des Narren, Dinge auf eine direkte Art anzusprechen, die jenseits der normalen Rollenkonformität liegen. Es ist aber auch immer das Geheimnis, wer steckt dahinter, dass für eine ambivalente Kommunikationsstruktur sorgt: Wer zum Narren spricht, der darf auch Dinge sagen, die man sonst nicht sagt.

Solche Situationen werden in alles sozialen Strukturen als Ventil verwendet und dienen der Psychohygiene. Ein beliebtes Beispiel zeigt den Kern: In Japan darf man einer Äußerung eines offensichtlich total Betrunkenen keine Bedeutung beimessen. Das ist ein Codex. In nüchternem Zustand verbietet sich jegliche Kritik an einer im social ranking höher geltenden Person. Was macht also ein japanischer Cheffe? Er lädt seine "Mitarbeiter" (lies: Untergebenen) am Nachmittag in eine Bar zum Beispiel in der Kabukichō ein und füllt sie mit Hochprozentigen ab. Nach einer Schamfrist (alle Beteiligten kennen ja das Spiel) beginnen die Ersten sich über allgemeine Themen des Büroalltags fotzelnd zu unterhalten. Es ist common sense, dass der männliche Japaner nicht viel Alkohol verträgt (das ist eine Konvention, kein Fakt und dient der Kostenkontrolle *gg*) und daher muss man auch nicht lange warten, bis die erste Kritik am Cheffe vorgebracht wird. Er darf dazu nichts sagen, kann sich aber fragend alles genau schildern lassen. Das Spiel geht solange weiter, bis jeder etwas Kritisches zum Cheffe vorgetragen hat und der Frust sozusagen raus ist. Dann verabschiedet sich der erste oder die ersten beiden und innerhalb kürzester Zeit sitzt der Cheffe allein in der Bar. Und jetzt kommt das Spannende. Natürlich ist keiner der Beteiligten wirklich betrunken. Aber 5 Meter vor dem Etablissement fallen sie im tadellosem Anzug mit Aktenköfferchen zu Boden, als wären sie sturzbesoffen. Keinen der Passanten kümmert das. Nach weiteren 10 Minuten verlässt der Cheffe das Lokal und geht schwankend (!) in eine anderen (!) Richtung von dannen. Weitere 5 Minuten später ist die Schamzeit abgelaufen und die am Boden liegenden Gestalten stehen auf als wäre nichts gewesen und gehen nach Hause (bloß nicht in die Richtung, die der Cheffe eingeschlagen hat). Sollte einmal das Maleur passieren, dass sich aus Unachtsamkeit beide begegnen, wird so getan, als würde man sich nicht kennen.

Also alles Theater? Ja, aber mit einer wichtigen Funktion in einer Gesellschaft, die extrem von Rollenkonformität geprägt ist. Und was hat das mit dem Avatar 2.0 zu tun? Er/Sie lotet das Spiel aus und ist möglicherweise ein Analogon zum Mensch 2.0.

19.12.2008

Ich twittere, also bin ich - Teil 4

Wenn ich nicht twittere, bin ich dann nicht? Bin ich? Bin ich nicht? [Matrix 2]

Wie macht man jemanden klar, dass er fürs 'richtige' Twittern Follower braucht und auch followen sollte? Wem sollte er folgen? Wer sollte folgen? Klar gibt es Tools, die einem verraten, welche Gefolgschaften sinnvoll und erfolgsversprechend sind. Und es gibt auch Hinweise, dass wenn man jemanden folgt, er/sie (aus welchen Gründen auch immer) zurückfolgt. Natürlich gibt es auch das aktive Suchen nach Stichworten oder das Sich-bekannt-machen per Reply. Irgendwie bleibt immer was hängen im Netz. Erinnert mich an einen Messe-Verkaufstrainer mit seiner Schleppnetz-Masche.

Aber mal Hand aufs Herz. Wenn man sich so manchen Twitterer bzw. Twittererin (es sieht ja fast so aus, als gäbe es eine 50-50-Verteilung - weiß da jemand was Genaueres?) ansieht, mit Hunderten von Verfolgern oder Verfolgungen, das kann schon deprimieren. Was da eine Zeit und Motivation zu gehört, um das zu erreichen. Und die meisten Twitter-Friends tweeten ja nicht nur, sondern bloogen, facebooken, foren und haben was weißt ich für viele social contacts an allerlei Stellen. Manche Twitterer haben sich dem Thema sogar professionell angenommen und schildern wie wild, wie die Web-Personality gepflegt sein muss, damit man auch ja dazu gehört. Also das ist schon ein Menge und so ganz nebenbei geht das nicht.

Kannst dir vorstellen, wie das auf jemand Neuem wirkt. Erschlagend. Frustrierend. Und es gibt auch keine "Selbsthilfegruppe" oder ähnliches zum Eingewöhnen. Das ich nicht ganz alleine mit dieser Meinung bin, kann man in diversen Foren nachlesen: "Wie erreiche ich den Mensch 1.0?" wird da sinngemäß gefragt. Und als durchaus richtige Analyse folgt dann, dass man ja erst im Tun nach einer Weile den Sinn erkennen kann, den Durchbruch im Verstehen finden kann. Wenn er denn wirklich kommt und nicht vorzeitig abgebrochen wird. Schlenker: Die Gamer haben das oft geschickt durch ihre Probe/Erst-Instanz im Griff. Da kannst sehen, ob dir das Spiel gefällt und wirst auch nicht durch High-Level-Chars irritiert. Man ist halbwegs unter sich und kann tagelang erkunden, was den Reiz des Spiels ausmacht. Klar ist nicht alles so glatt, denn auch da wird geworben und mit Gildengeschenken um sich geworfen. Aber die Welt bleibt überschaubar - und das ist für den Anfänger wichtig!

Anderes Feld.

Wie kann man wirklich noch den Überblick behalten, wenn einem 200 oder mehr Leute folgen? Wenn es die Metapher "Großraumbüro" wirklich gibt, dann frag ich mich, ob ich je die Namen aller Leute und deren Wesen (Funktion, Stelle, Bild usw. ) je merken könnte. Geschweige denn mir irgendwas Spezifisches dazu merken. Ja wenn ich den lieben langen Tag immer mit Ihnen zu tun hätte, dann würde es was werden, aber bei 500 oder ganr 2000 - nee, nie im Leben. Was macht also den Reiz aus, möglichst viele Tweeds zu konsumieren? Oder verfolgt man die dann gar nicht mehr? Dann bräuchte man sich ja auch nicht in Gefolgschaft zu üben. Oder ist das nur ein Gradmesser für irgendein Popularitäts-Ranking? Oder glaubt jemand ernsthaft, die Leute würde auf den Pups warten, den man gelegentlich von sich gibt? Irgendwas stört mich an diesem Verlangen nach Vielen. Es ist nicht echt und nicht wirklich. Wenn ich meine Kommunikationsverhältnisse anschaue (jaja, auch Visitenkarten werden von mir mindestens einmal im Jahr durch sortiert), dann sehe ich Bilder von Begegnungen und Gesprächen vor mir und kann etwas damit verbinden. Aber das ist garantiert nicht das Großraumbüro-Geschwätz (um dieses Bild noch einmal zu bedienen).

Um eine Abbildung meines Kommunikationsvermögens herzustellen, darf es erstens nicht zuviel technischen Aufwand geben (technisch in dem Sinne, dass ich nicht an 1000 Stellen in irgendeiner Form meine Präsenz zeigen möchte und nun nicht noch selbst für die wechselseitigen Bezüge sorgen muss, die ich dann nicht ohne Aufwand dynamisch steuern kann) und ich muss die Möglichkeit haben, verschiedenen Ebene/Kanäle für mich zu definieren, die den unterschiedlichen Beziehungen auch entsprechen. Ich habe nun mal keine persönliche Beziehung zum Spiegel oder der FAZ und möchte zwar mit Informationen bei Bedarf versorgt werden (wie Google news aggregation), aber nicht immerzu damit beworfen/betwittert werden. Wer will sich das antun? Das gleiche gilt für viele andere Beiträge von Leuten, die ich manchmal verfolgen möchte, manchmal nicht und manchmal einfach nur als Verdichtung haben möchte. Ich habe das alles schon einmal erlebt mit der Einführung von E-Mails in Unternehmen. Auch da haben sich die Leute gegenseitig auf Verteiler gesetzt und zugespammt. Irgendwann kann dann die Erleuchtung, dass man nicht mehr alles mailt ... naja beim größten Teil *gg*.

Meine Vorstellungen werden bestimmt auch noch in Twitter irgendwann erfüllt werden. Solange ist es aber nur ein Spaß für ein paar hunderttausend (???) Ambitionierte*, aber kein Modell für alle. Und der Langzeit-Spaß ist noch nicht wirklich erwiesen, es ist ja erst die Avangarde dabei.
*) ich meine damit nicht die bei Twitter angemeldet sind, sondern die tatsächlich twittern.

Also bin ich auch, wenn ich nicht twittere? Oder nicht?

18.12.2008

Entwicklungsprojekt "Schule"

Wenn man von einem Projektauftraggeber das Entwicklungsprojekt "Schule" bekäme, dann würde man sich über die Projektziele, Rahmenbedingungen und "stake-holders" Gedanken machen: Der Sinn und Zweck würde dann wohl aus dem gesellschaftlichen Bedarf nach Bildung abgeleitet werden.

Ohne den Bildungsbegriff allzu zu strapazieren, würde er die Dinge enthalten, die notwendig sind, um die Gesellschaft auch weiterhin zu erhalten: Bildung als Basis zum Selbsterhalt von Gemeinschaft. Neben den selbst-erhaltenden Fähigkeiten und Fertigkeiten (Wissen und Kenntnisse über Nahrung, Wohnung, Kleidung, Fortpflanzung, Körperpflege/Gesundheitsbewusstsein, handwerkliche, sportliche, künstlerische und musische Ausdrucksfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit/Sprachen zu erhalten) gäbe es sicher noch viele weitere Schwerpunkte (Literatur, Geschichte, Philosophie, Mathematik, Sozial- und Naturwissenschaften, usw.), von denen jeder in der Gesellschaft so viel als möglich verstehen sollte, weil die gesellschaftliche Arbeitsteilung bereits innerhalb einer Generation völlig neu strukturiert sein kann und sich auch immer wieder neu strukturieren können muss.

In der weiteren Systemanalyse würde man sicherlich bald feststellen, dass die Festlegung und Spezialisierung auf ein Fachgebiet oder Beruf ist kein fester Orientierungsrahmen mehr ist, der als Bildungsziel dienen kann. Um individuelle Bildung mit dem gesellschaftlichen Bildungsbedarf in Einklang zu bringen, wären Schulen oder ganz allgemein Bildungsinstitute auch weiterhin als Bildungsträger der geschickteste Weg. Zwar ändert sich der gesellschaftliche Bildungsbedarf und es ist auch nicht immer einfach ihn zu operationalisieren, dennoch wäre er - ähnlich wie Unternehmensziele - festzulegen. Über Zielfindungsworkshops würde man die verschiedenen Interessensträger das gemeinsame Anforderungsprofil definieren lassen.

Im folgenden würde das Change-Management dafür sorgen, dass genügend Flexibilität für die kontinuierliche Anpassung möglich sind. Eine Implementation eines "Project-Steering-Committees" würde das Institutionalisieren. Als Vorprojekt würde man wie immer mit Prototypen beginnen, um dem Projekt genügend Fahrt zu geben.

Als kritischer Erfolgsfaktor sind die Beschreibungen der Bildungsziele und deren Operationalisierung zu werten, denn für die Realisierungsphase sind genaue Beschreibungen der Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein Absolvent einer Schule aufweisen sollte, notwendig, damit diese zu erbringenden Bildungsleistungen für das Qualitätsmanagement auch nachprüfbar sind. Wegen der Wichtigkeit verbietet sich eine stichprobenartige, statistische Überprüfung (Ranking-Verfahren, Normalverteilung) ; nur sachstandserfassende Endkontrollen (100%-Qualität) durch geeignete Qualitätsprüfungen sind daher angebracht und können den kontinuierlichen Verbesserungsprozess genügend in Gang bringen.

Das Schulsystemdesign müsste also, damit keine für das Individuum bedeutsamen Nachteile entstehen, diese Überprüfungen jederzeit in beliebiger Reihenfolge und in beliebiger Wiederholbarkeit zulassen. Organisatorisch wären also Prüfungswesen und Unterrichtswesen strikt zu trennen. Eine Prozessbegleitung bei komplexen Verfahren wäre angebracht. Eine Dreiteilung der Bildungsorganisation würde sich anbieten:

(1) die Prüforganisationen,
(2) die Lehrorganisationen und
(3) die lernbegleitenden Organisationen.

Die Funktionsbeschreibung sähe dann so aus:

Die Bildungsteilnehmer (Schüler, Studenten usw.) würden sich im Rahmen einer solchen Organisation immer genau die Bildungsinhalte aneignen, die sie möglichst schnell und mit geringstem Aufwand durch die Prüfungen bringen würden, denn mit dem Nachweis eines bestimmten Kenntnisstandes usw. würden sie sich sofort der nächsten Prüfung zuwenden können. Solange der Nachweis nicht erbracht wird - beliebige Anzahl an Prüfungen sind möglich, wäre noch Nachzuarbeiten. Aufgrund der Rückmeldungen aus der Prüfung wüsste man aber immer genau, welche Lücken noch zu schließen sind. Damit wäre der PDCA-Zyklus implementiert.

Die Lehrorganisation bietet mit kollektiven und individuellen Unterricht die Vermittlung, das Training an. Da die traditionellen Einheiten, wie Schuljahre, Jahrgangsklassen, Semester fehlen, wird die Ausrichtung fast nur noch inhaltlich an den Prüfungen vorgenommen. Damit fällt viel Redundanz fort. Bemerkung am Rande: Wiederholungen bestimmter Sachstände werden natürlich auch durch das Prüfsystem abgedeckt - da gerät also nichts zu kurz.

Die lernbegleitende Organisation ist für die Einschätzung, Planung und Organisation der Bildungsteilnehmer zuständig. Psychologen, Sozialarbeiter, Bildungsberater würden den Stand und die Potentiale der Schüler erkennen und fördern/unterstützen. Das Ziel wäre die optimale Durchlaufzeit bis zur Abschlussprüfung zu erzielen und dabei die maximale Ausgestaltung der Potentiale zu fördern.

Alle drei Bereiche würde man teamübergreifend miteinander koppeln: Prüfungsorganisation stellt Sachstand fest und gibt Rückmeldung über fehlende Stände, Lernorganisation stellt die kollektive und individuelle Unterrichtungsleistung zur Verfügung und die lernbegleitende Organisation ist für die Planung und den Support zuständig. Auf diese Weise würde das System genügend Rückkopplungs-Effekte wahrnehmen können und sich immer wieder neu justieren.

So wäre das Entwicklungsprojekt "Schule" als Organisationsmodell vollständig und implementierbar. Sicherlich gäbe es noch Schnittstellen, die hier nicht skizziert sind, aber das kann ja in der Phase der schrittweisen Verfeinerung noch ausgearbeitet werden. Nach der Einführung ist vielleicht Schule nicht mehr das, was sie heute ist, aber sie würde Ziel- und Ressourcen optimierter stattfinden können. Was auch eine Entlastung für die alle Beteiligten wäre. Sie hätten einfach mehr Zeit für sich.

Anmerkung: Was als eine etwas ironische Darstellung geplant war, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als durchaus bedenkenswerter Stoff ...

17.12.2008

Ich twittere, also bin ich - Teil 3

In dem folgenden Link sind einige Szenarien und Definitionen enthalten, die die Twitterei betreffen. Mit Prologue schafft man möglicherweise die Brücke zwischen Twitter, Blog und Chat.

Web 2.0

Es ist schon erstaunlich, was Menschen mit Begriffen verbinden. Web 2.0 ist ein solcher Begriff. Er dient als Worthülse für eine neue Qualität des Internets, des Webs (auch hier ist so manches in der Begrifflichkeit durcheinander geraten - aber das heb ich mir für ein anderes Mal auf).

Also Web 2.0 ist als Synonym für die veränderte Autorenschaft und Interaktivität im Web geprägt worden. Damit das auch vom Volk genutzt wird, braucht es 'leichte' Formen des Schreibens im Web (AJAX). Also her mit aufpolierten Webseiten, die sich wie eine Windows-Anwendung benutzen lassen. Dies ist deswegen common sense, weils im Wikipedia so steht *gg*. Ich lass auch mal die Bewertungen weg, ob man nicht auch schon vor der Prägung dieses Begriffs das nicht genauso gemacht/gedacht hat per Chat, Foren und auf vielen privaten Webseiten. Sei es drum, Fakt ist, dass nun Millionen von Möchtegern-Autoren auf den Weg sind, 'ihr' Web zu machen und das mit aller Macht und Kraft.

Da werden alle Register der Vorteile einer grenzenlosen und direkte Kommunikation gezogen und evangelisiert. Weil man endlich das Gefühl hat, Mann/Frau redet mit ganzen der Welt ... und diese interessiert sich (auch einen Dreck) dafür. Jeder soll erreicht werden und auch beglückt, so versprechen es uns die Promotoren. Was spricht gegen diese Fiktion? Eigentlich nichts, wenn es nicht so verrückt wäre zu glauben, dass alles andere so bleiben könnte, nur angereichert mit ein wenig Web 2.0.

Anachronismen.

Es findet eine (herkömmliche) Konferenz zum Thema Web 2.0 statt. Web 2.0 ist in aller Konsequenz die Abschaffung von herkömmlichen Konferenzen.

Es gibt Bücher zum Thema Web 2.0, welches sich an Web 2.0 Benutzer wendet. Bücher sollen wegen ihrer Statik ja gerade durch Web 2.0 ersetzt werden.

Web 2.0 im Klassenzimmer. Das Klassenzimmer wird durch Web 2.0 abgeschafft, weil es keine Begrenzungen mehr durch Raum und Zeit gibt.

...

BEDENKE: Das Internet wurde erfunden, damit der Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern schneller, einfacher und direkter erfolgen konnte, ohne den Umweg über Kongresse, Bücher, Zeitschriftenartikel. Ohne Rücksicht auf Raum und Zeit sollten die Gedanken ausgetauscht und verknüpft werden können. Das ist der Motor aller Web-Anwendungen!

BEDENKE AUCH: Durch die Veröffentlichung von Informationen/Wissen, wird Informationen/Wissen beliebig. Manche halten sich daher bedeckt oder zurück oder geben falsches Wissen weiter. Nur wer Informationen/Wissen besitzt und dessen Einsatz steuert, verfügt über Informationen/Wissen (im Sinne von "regelt den Zugang zu Informationen/Wissen"). Die Freude über die technischen Möglichkeiten sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass alles seinen Preis hat. Irgendwann wird dieser fällig und eingefordert.

LESE: Kritik an Wikipedia

16.12.2008

Bloggen - Twittern - Replien

Wildfremde Menschen sind es zuerst. Dann liest man sich ein und sie werden vertrauter. Im Kopf passieren Vergleiche, ob denn das was da steht auch so gesehen wird. Manchmal möchte mal laut schreien, weil man auf etwas gestoßen ist, das genau das ausdrückt, was man auch denkt oder überhaupt nicht denken mag. Manchmal antwortet man dem Schreiber bzw. der Schreiberin und bestätigt oder konfrontiert die Gedanken.

Für wen wird das alles nur geschrieben? Schreiben ist immer auch ein Dialog mit sich. Vielleicht weil man beim Sprechen zu schnell, zu voreilig ist, um den Dingen das rechte/richtige Wort zu verleihen. Das ist beim Schreiben anders. Da kann man noch einmal darüberschauen. Oft lösche ich ganze Absätze oder sogar alles, weil es mir auf einmal nicht mehr so bedeutsam erscheint. Aber diese Entscheidung kann erst getroffen werden, wenn man sich entäußert/leer geschrieben hat.

Bilder entstehen vom Anderen. Man fühlt mit und versteht, warum manches so und genau dann und auch nicht gesagt wurde. Gefühle, die trügen können, weil geschriebene Worte natürlich Blendwerk sein können. Aber wenn das Bild in sich stimmt, dann wird es bedeutsam und zutraulich. Zwischen den Zeilen quellen dann Botschaften hervor, mit denen man nicht gerechnet hat: Berührungen der Seele. Verstehen entsteht. Begreifen des Anderen vollzieht sich. Aus der Flüchtigkeit wird Nähe.

Was gewinnt man dazu, was kann verletzten? Will man eingefangen werden und sich einbringen? Kann aus dem einseitigen Verständnis wechselseitiges werden? Wird der Andere zu vergleichbarer Nähe fähig sein? Aus Neugier heraus wagt man sich vor und kann sehr schnell zu weit gehen. Verstecken? Wo hinter? Ach sind Fassenden schön! Die vermeintliche Unverbindlichkeit ist trügerisch. Oder darf man das alles nicht? Braucht man schon bei Zeiten ein dickes Fell und wahrt den Abstand?

Wie einfach fällt es,
mit wenigen freundlichen Worten,
die selten ausgetauscht werden,
verborgenen Türen zu öffnen.
Die Kommunikation ist direkt
und die Formen sehr locker.
Wir sind ja alles
erfahrene Blogger.

Die Entfernung ist weit
die Gedanken direkt
es sind ja nur Worte
man ist nicht verletzbar.

Antworte ich oder lass ich es bleiben
die Enttäuschung und den Schaden vermeiden.

Die kleinen Pandora-Kistchen der Netzwerk-Kommunikation sind schnell geöffnet. Wir müssen sehr sehr vorsichtig mit den Worten in Blogs, Tweeds und Replies umgehen, weil die Augen als Spiegel der Seele fehlen. Wie sagte eine alte Spiele-Freundin einmal: Es tut sau weh beim ersten Mal, beim zweiten Mal willst nicht mehr, jetzt spiele ich nur noch meine Rolle, tob mich dabei aus und lasse keinen mehr an mich heran. Seelenschmerz gibt es auch in virtuellen Welten.

Meister Lehrer

Wer etwas richtig kann, der tut es. Wer etwas nicht richtig kann, der lehrt es. So ungefähr fasste es einmal ein netter Kollege selbstironisch zusammen. Wir waren zusammen als Trainer bei einem Kunden und haben Programmierer ausgebildet, ohne selbst programmieren zu können.

Muss man als Lehrer auch ein Meister seines Faches sein?

Viele Trainer, die ich zu Beginn ihrer Karriere kennengelernt habe, waren der Meinung, dass sie auch alles beherrschen müssen, was sie unterweisen. Und da sie so wenig kannten, hatten sie fürchterliche Angst, bei Fragen passen zu müssen. Deshalb haben sie in ihrem Unterricht alles Mögliche veranstaltet (schmuzele gerade über die Übungsblätter mit Musterlösungen), um ja nicht in die Fallen der Fragen hineinzutappen. Entsprechend langweilig war der Unterricht.

Aber muss man nicht ein Meister seines Faches sein, wenn man unterrichtet will? Ist man sonst nicht unglaubhaft, wenn man keine Leidenschaft für die Inhalte, die Themen, die Leistungen in seinem Fachgebiet entwickelt? Ist man nicht als Lehrer auch Vorbild bzw. Repräsentant seines Faches?

Lehrererinnerungen: Der Kunstlehrer war auch Steinmetz und machte Ausstellungen; der Religionslehrer war auch Pfarrer; der Musiklehrer war auch Chorleiter und gab Konzerte; der Geschichtslehrer schrieb Bücher zu der Motorisierung der Landwirtschaft in seiner Heimat; die Französischlehrerin war an der bolivianischen Botschaft Übersetzerin; der Chemielehrer überraschte uns mit Selbstgebranntem; der Sportlehrer war einmal deutscher Jugendmeister im 10-Kampf; die Deutschlehrerin schrieb ein Buch über ihre Jugenderinnerungen (Flucht aus Danzig); der Geografielehrer sammelte alte Karten ... über jeden fällt mir etwas ein, jeder hat mich durch seine Interessensgebiete ein wenig beeindruckt.

Der Meister unterrichtet seine Schüler durch seine vorbildlichen Leistungen. Meisterschüler ... ach wie oft habe ich meine Freunde an der Kunstakademie darüber reden hören. Konzertmeisterin mit 15 Jahre ... sie konnte wirklich gut Geige spielen. Meister Gerhard. Die Meisterschaft. Der höchste Grad der Freimaurer ...

Ein Meister muss nicht alles wissen, aber danach streben sollte er. Das gleiche gilt für einen Lehrer. Leider ist der Gedanke der Meisterschaft bei Lehrern eher untergeordnet. Es gibt auch im Studium keine Anleitung zur Persönlichkeitsentwicklung eines Lehrers im Sinne einer Meisterschaft. Schade eigentlich.

15.12.2008

Endlichkeit

Vampire habe es uns voraus, die einfache "Unsterblichkeit". Normale Menschen sind das nicht, verhalten sich aber oft so, als gäbe es für sie kein Lebensende. In diesen Tagen wird wieder viel über Sterbehilfe diskutiert, aber trotzdem wird kaum über Lebensanfang und Lebensende etwas wirklich reflektiert. Es ist halt ein Tabu-Thema. Auch das Töten gehört kaum mehr in den Lebensalltag. Und wenn es auftaucht, dann sieht man bei vielen Menschen, dass sie kaum damit umgehen können.

Gerade in der Vorweihnachtszeit gibt es doch Anlässe ohne Ende: Neben der durch Unfälle erhöhen Sterberate durch witterungsbedingte Verkehrsunfälle ("hoffentlich muss ich nie einem Unfallopfer helfen"), ist der Gang zum Fischhändler höchst brisant ("warum lebt der Karpfen noch?", "wie, die Languste kocht man lebendig? wusste ich gar nicht") und auch die Gänse laufen noch auf dem Feld herum und werden im Bauerhofladen gerne vor deinen Augen massakriert. Meine Großmutter konnte noch richtig schlachten; welches junge Mädchen kann das noch? Sollen sie auch nicht? Warum? Es gehört doch zum Leben eines Omnivoren dazu: Friss, was verdaulich ist.

Als Kind haben wir lebendige Regenwürmer heruntergeschluckt. Mutproben halt. Lebt ein Wurm im Bauch weiter? Jeder Regenwurm bekam einen kleinen Grabstein. Nein? Aber die Meersauen und -schweine haben einen! Tod bedeutet immer etwas, wenn man Abschied nehmen muss. Abschied nehmen tut man nur von jemanden, der einem etwas bedeutet hat.

Die Entscheidungsfrage "Hase oder Hund" kann in Familien durchaus mit folgendem Kriterium entschieden werden: Den Hasen werden wird zwar nicht schlachten, aber er lebt nicht so lange und macht daher weniger Arbeit. Perspektivisch offensichtlich richtig. Und vielleicht erlebt man auch nicht so viel mit dem Hasen, damit der Abschied einfacher wird. Seinen Hund wird man ja nur im Tierheim wieder los.

Wie lebt man, wenn das Ende eines Menschen abzusehen ist? Ich meine, wenn man ein Kind hat, welches aufgrund von Krankheit, Behinderung oder anderen Gründen nur eine bestimmte Zeit zu leben hat und es höchstwahrscheinlich klar ist, dass man es überlebt. Ich meine, wenn der Arzt zu einem sagt: "Hey, du hast noch 6 Monate". Ändert das was im Leben? Was? Wird der Alltag anders? Leben wir bewusster? Manchen wir uns jeden Tag zum Geschenk?

Genug der Gedankenspiele. Wieso ändert die Kenntnis des Abschieds, der Endgültigkeit etwas an unserer Art zu leben? Wir öffnen die Kalendertürchen im Dezember und wissen auch, nach dem 24. ist alles vorbei.

Was ist mit uns selbst? Hinterlassen wir genug? Legen wir im Leben genug Spuren? Kann man sich an uns erinnern, wenn wir mal nicht da sind? Und was ist, wenn nichts mehr ist ...

Hör auf, das macht ja keinen Spaß mehr ... höre ich das? Warum sich mit Dingen beschäftigen, die sowieso nicht zu ändern sind? Warum nicht einfach das Leben genießen - der Tod kommt früh genug. Alles das hört sich immer so an, als wäre der Tod etwas schlechtes und das, obwohl wir im christlichen Abendland leben und eigentlich von der 'frohen Botschaft' überzeugt sein sollten, die den Tod nicht als endgültig bewirbt.

Hör auf ... hör auf ... so kann man doch nicht darüber reden ...

Im Spiel trafen die Helden auf ihre Feinde und die Schlacht begann. "Wie viele muss du noch schlagen, bis du den nächsten Level erreicht hast?", knarrte es aus dem Teamspeak.

Keine Angst, der Tod ist da und klopft auch an deine Tür - bitte ihn herein und leb mit ihm friedlich zusammen. Das hat er verdient.

Ich twittere, also bin ich - Teil 2

Mir ist aufgefallen, dass Twitterer unterschiedliche Aufmerksamkeitsstrategien zeigen. Der Urform der Tweed-Anmache: "What are you doing?" wird von manchen in Reinkultur gefolgt und sie beschreiben ihre gerade begonnen Tätigkeit oder ihre Tätigkeitsabsicht, wo sie sich dazu befinden, was sie gerade erleben. Manche beschreiben, wie sie sich gerade fühlen, welchen Gedanken sie gerade haben. Es ist ein wenig Selbstdarstellung und Preisgabe von Privatheit ... aber das ist ja auch und gerade beim Smalltalk wichtig.

Davon verschieden sind Aufforderungen, Fragen, oder Grüße an andere Twitterer. Es sind diejenigen, die einen Dialog suchen. Manchmal mag das weitergehende Motive haben, manchmal mag das aus Langeweile entstehen.

Wie viel von allem ist echt und authentisch? Kann man mit Twittern die Einsamkeit vertreiben? Die Chance erhalten, in der weiten Welt gleich Gesinnte oder gleich Interessierte oder gleich fühlende Andere zu finden? Oder zumindest hoffen? Kann man dabei so sein wie man ist, oder muss man sich hierbei in seiner Persönlichkeit besch(n)eiden, damit die anderen einem folgen können? So wie im alltäglichen Kommunikationsrollenspiel?

Manche Twitter-Anleitungen geben Empfehlungen für erfolgreiches Twittern. Aber was ist denn der Erfolg, wenn ich aus meiner Kommunikations-Einsamkeit mittels Twitter ausbrechen möchte? Einen Zuhörer zu finden, der versteht, was ich zu sagen habe? Oder einen Zuhörer, der mir zuhört, damit ich gehört werde?

Ich werde gehört, also habe ich etwas zu sagen ... also bin ich ... am Anfang war das Wort ...

Ich twittere, also bin ich - Teil 1

Was macht jemand, der twittert, aber niemand liest es? Wer liest überhaupt meine Tweeds? Wieso kann man sich das nicht anzeigen lassen? Kann man sich darauf verlassen, dass jemand ein entsprechendes Frontend hat, das beliebige Tweeds anzeigt? Wird man ausreichend wahrgenommen, wenn man keine "Follower" hat? Ist die Anzahl der "Follower" ein Indikator für das Wahrgenommen werden? Oder kann man sich nur auf die tatsächlichen "Replies" sicher verlassen (siehe mal hier)? Wenn ja, wieso gibt es kein vernünftiges Reply-Management, bei dem man die Dialoge verfolgen kann oder Abwesendheitsinfos automatisch versenden kann oder Threads aufzeichnen kann? Jeder Chat kennt sowas.

Kann ich überhaupt (noch) meine "Follower" kennen lernen, wenn sich deren Anzahl über ein gewissen Größenordnung von vielleicht 200 bewegt? Müsste nicht eine abgestufte Vertraulichkeit meiner Replies, meiner Tweeds möglich sein, die den üblichen und auch schaffbaren Kommunikationsverhältnissen angemessen sind?

Viele Twitterer sind dialogisch orientiert und haben einen inner-cycle von vielleicht 10 bis 30 Kommunikationspartnern - zumindest ist das meine Wahrnehmung. Diese Kreis ändert sich hinsichtlich der Zusammensetzung vielleicht etwas schneller als üblich. Mit wem man einmal einen Dialog hatte, aber nicht ständig in einem steht, mag einem dialog-cycle zugehörig sein. Die Zuhörerschaft per "Follow" dem outer-cycle; diejenigen Tweeds, die dann noch per Stichwort zu finden wären, würde sich noch weiter entfernt eingeordnet wiederfinden.

Twitter hat noch viel in dieser Hinsicht zu entwickeln. Im Moment ist es noch vorzivilisatorisch: 'Trommeln im Busch schlagen' oder 'anschreien'. Die leisen Töne der Kommunikation werden noch nicht wirklich unterstützt. Ganz zu schweigen von dem zwischen den Zeilen lesen ...

13.12.2008

Lernen veranstalten

"Klagen hilft nicht, hast Alternativen?" twitterte Mel. Wie immer muss einen eine Muse küssen *gg*, bevor man zum Nachdenken greift.

Wie veranstalte ich Lernen? Vor vielen Jahren noch während des Studiums habe ich begonnen, Kurse über Lerntechniken abzuhalten. Also Lernveranstaltungen zum Thema "Lernen". (Ich verwende bewusst nicht "Lehrveranstaltungen".) Zusammen mit einem Kommilitonen (team-teaching [1]) haben wir die Themen der Lernpsychologie greifbar und anwendbar gemacht und sie unseren Teilnehmern (14 bis 70 Jahre) nahe gebracht. Das Schöne an dem Thema war, wir alle zusammen konnten es ausprobieren, ob Ratschläge und Methoden es auch brachten. Das "Lehrer-Schüler-Verhältnis" war nicht durch ein allzu großes Wissensgefälle [2] geprägt, weil wir immer an die Erfahrungen [3] eines jeden Einzelnen anknüpfen konnten. (Mach deinen Schüler zum Experten. [4]).

Wir haben uns natürlich bei der Auswahl der Themen an den Interessen der Teilnehmer [5] ausgerichtet. Meist haben wir zu Beginn einer Veranstaltungsreihe (10-12 Abende) einen Katalog zur Abstimmung der Themen [6] ausgegeben und aufgrund der Rückmeldungen den Themenfahrplan gestaltet [7]. Alles in der Annahme, dass wir uns in der kurzen Zeit nicht mit Dingen befassen sollten, die eh keiner wirklich will. Bei der inhaltlichen Vorqualifizierung der Themen war die Praxisrelevanz [8] das Kriterium: Was kann man aus einer theoretischen Erkenntnis für die Bewältigung eines Lernproblems nutzen. Mit anderen Stich-Worten: Problemorientierung [9], Nutzenrelevanz[10], Alltagstauglichkeit [11].

Soviel zur Didaktik *gg*. Rückblickend haben wir methodisch darauf vertraut, dass wir unsere eigenen Erfahrungen [12] zu den Themen immer einbringen können und falls das nicht ausreichte, die Teilnehmer zum Gegenstand der Exkursionen [13] machen konnten ("Schildern sie uns mal ihre Erfahrungen zu ..."), diese analysierten und verallgemeinerten und Anwendungshilfen ableiten konnten [14]. Wir waren ja durch intensive Diskussionen im universitären Seminarbetrieb reichlich aufgefallen und berüchtigt für unseren Argumentationsstil, so dass uns wohl nichts aus der Fassung hätte bringen können. Zudem hatten wir keine Scheu, in schwierigen Zusammenhängen auch zuzugeben, dass wir keine Ahnung haben, wie man das Problem löst, wir uns aber bis zum nächsten Treffen um eine Lösung bemühen würden [15].

Fast alle diese Punkte [1-15] sind auch später erfolgreich in Hunderten von Kursen, Seminaren, Lehrveranstaltungen usw. immer wieder eingesetzt worden, so dass sie zur zweiten Haut geworden sind. Natürlich erweitert und ergänzt durch Moderationsmethoden, Praxis-Workshops, Fallstudien, Gruppenarbeit und ich weiß nicht was noch alles. Aber sie erklären nicht, was wirklich den methodischen Erfolg ausmacht. Klar liegt es oft an der Persönlichkeit dessen, der eine Veranstaltung leitet, an seiner Präsenz, an seinem Umgang mit den Teilnehmern, an der Authentizität und der damit verbundenen Glaubwürdigkeit. Aber oft eben auch an der Beziehung, die man zu seinen Teilnehmern entwickelt: Ob man Kritik zu jedem Zeitpunkt wünscht, ob man auch ausschweifende Fragen zulässt, ob man allen Aufmerksamkeit entgegenbringen kann usw.

Aber was ist die Grundhaltung, die grundlegende Methodik?

Lernen durch Magie

Lernen soll Spaß machen, aber auch fordern (möglichst bis an die Grenzen). Damit Lernen flutscht, müssen Aufmerksamkeit, Konzentration und Sinne (unterschiedlichen Lernzugänge) in einem bunten Spiel angesprochen werden; es muss eine faszinierende Show sein. Warum? Weil wir in unserem medialen Alltag über solche Shows mit Informationen versorgt werden (auch unterschwellig) und wir es gewohnt sind, per Show zu lernen. Shows haben Tradition: Theater, Schauspiel, Zirkus ... Alle haben gemeinsam, einer spezielle Ebene in unserem Bewusstsein aufzumachen. Ich muss das nicht weiter ausführen, über Theater ist soviel schon geschrieben worden.

Was ist das Besondere an der Show? Sie ist faszinierend, bezaubernd, magisch. Man kann Dinge aus dem Alltag, aus den normalen physikalischen Gesetzmäßigkeiten herausziehen und (märchenhaft) in den narrativen Stil überführen: durch Geschichten lernen wir. (Lyrik, Tanz und Musik usw. eingeschlossen) Selbst NLP kennt diese Art des 'Ankerns'. Durch eine Geschichte wird der Zugang zu einem Zusammenhang, einen Inhalt usw. gelegt. Durch Sprachspiele, durch Rhythmen kann man etwas besser auswendig lernen. Sogar Repetitionen im Handwerk (der Hammerschlag des Schmiedes wird zum Lied) oder Sport (wir singen ein Lied beim Laufen), an die eher weniger in diesem Zusammenhang gedacht werden, können zur Magie werden.

Wir wissen zwar nicht wie es funktioniert, aber das es funktioniert wissen wir auf jeden Fall. Wer einmal bezaubert worden ist, kann sich an diese Situation immer wieder erinnert. Spätestens beim nächsten Zauber. Wir haben auch eine innere Sehnsucht nach 'Verzauberung' und nach 'Verzaubern' - nach 'Verführung' und nach 'verführt werden'.

Wie funktioniert Magie? Keine Ahnung, aber man muss an sie glauben, man muss sich für sie einmal geöffnet haben und sie verspürt haben und man muss wissen, dass sie ein Geheimnis in sich trägt, welches für jeden ein wenig anders ist. Über Zauberlehrlinge muss ich nicht erzählen, da gibt es schon genug zu. Und über die theoretische Seite, die Psychologie (der Wissenschaft von der zwischenmenschlichen Magie) muss ich auch nichts erzählen.

Bezaubern, betören, verführen ... ja, wenn man das will und sich auf sein Publikum einlässt, dann funktioniert das recht gut. Manche sagen dazu, wenn die Ziele nicht gebilligt werden, auch Manipulation. Stimmt. Wenn wir lehren und andere dazu verführen, dann manipulieren wir sie. Das ist so und dazu muss man auch stehen - am besten mit lauteren Absichten *gg*.

Lernen durch Questen

Ich möchte das Rätsel lösen. Er/sie hat sich ihr Leben lang mit dem Rätsel beschäftigt. Rätselraten. Die Forschung löste endlich das Rätsel. Das Leben ist das größte Rätsel ...

Quest = Rätsel = Aufgabenstellung, die uns so packt, dass wir total motiviert sind, sie zu lösen.

Das stärkste intellektuelle Motiv in uns ist das Aufdecken von Unbekanntem, das Lösen von Rätseln, mit anderen Worten: unsere Neugier. Alles, aber auch alles in unserem Gehirn ist darauf angelegt, Signale auszuwerten, sie zu klassifizieren, unsere Aufmerksamkeit auf die Dinge zu lenken (die Hormontrommeln spielen zu lassen), die uns es Wert sind, neu zu entdecken zu werden. Irgenwie will das Gehirn eine Bestätigung, dass es sich entweder um etwas Bekanntes handelt, dass sich aber gut versteckt hat oder dass es sich um etwas Neues handelt, dass einen 'neuen' Nervenkitzel hervorrufen kann. Denn wir sind süchtig nach Nervenkitzeln ("Neu-Gier"). Klar gibt es auch Abstumpfung durch Überreizung usw., aber im Prinzip es dreht sich immer um das eine: Wenn wir in der richtigen Stimmung sind, dann wollen wir hinter das Rätsel kommen. Hatte ich schon erwähnt, dass Sex, gutes Essen und Trinken, nette Sozialkontakte auch zu den Rätseln gehören *gg*.

Spielen ist auch das Lösen von Rätseln, sozusagen auf der virtuellen Ebene. Wenn man sich Computerspiele und deren Faszination anschaut (bis hin zur Spielsucht), dann sieht man auch sofort das ganze Repertoire, welches man heutzutage zum Lernen einsetzen kann. Ersten sind schon viele Individuen mit dem Methodischen des Questens in Computerspielen vertraut - man kann also auf die methodische Vorerfahrung zurückgreifen - und zweitens kann man sich sicher sein, dass die Methoden des Questens empirisch absolut verfeinert wurden/werden. Ein Spiel, welches keine erfolgreichen Quest-Methoden enthält, ist ganz schnell wieder weg vom Fenster. Also bedienen wir uns einfach aus dem Quest-Methoden-Repertoire der Games anstatt aus der dahinter liegenden psychologischen Methodenkiste. Es kommt auf Gleiche heraus und ist einfacher und nahe liegender.

Wie Questet man? Man braucht eine Auftrag [1], eventuell eine zeitliche Vorgabe [2] und eventuelle auch reichlich Voraussetzungen [3]. Man kann alleine [4], in einer Kleingruppe [5] oder in einem größeren Verband (Community, Raid, Gilde usw.) [6] questen. Das Questergebnis ist immer operational [7]; man weiß immer, wann der Quest 'fertig' ist. Fast immer ist mit dem Quest eine Gratifikation verbunden [8], sei es eine Belohnung (Beute = Loot), eine Status-Zugewinn oder ein Titel. Oder der Zugang zu neuen Quests *gg*. Man muss mehr oder weniger viel Zeit, Erfahrung, Anstrengung in das Lösen eines Questes investieren [9]. Man muss dazu auf Fähigkeiten und Fertigkeiten zurückgreifen [10], ggf. muss man sich als Gruppe organisieren (Arbeitsteilung) [11], dabei spezifische Rollen wahrnehmen [12] oder sogar erst die Gruppenfindung organisieren [13], dabei terminliche Absprachen treffen oder die Loot-Verteilung so gestalten, dass man auch die gewünschte und oft benötigte Zusammensetzung der Gruppe erzielt. Dabei sind Güterabwägungen zu treffen und Interessenkollisionen durch Führungsarbeit [14] auszugleichen. Ach ich könnte nochmal so viele (Projektleitungs-)Eigenschaften aufzählen, die bei einem Quest zu bewältigen sind.

Neben diesen mehr ingame anzutreffenden Quest-Belangen, gibt es außerhalb noch weitere Strukturen: Quest-Wikis, Quest-Datenbanken, Gilden- und Raid-Community-Foren, eigene Spielbewertungssysteme (dkp), Teamspeak-Server usw. Auch ingame gibt es noch Kommunikationsinfrastrukturen, die es zu beherrschen gilt: Chat-Channels und deren Terminologie, Handwerks- und Handelswesen, Makler, Versteigerungen, Fremdsprachen und natürlich auch die echten Rollenspieler, die sich so in ihre Spielfiguren hineinversetzen, dass sie spezielle Sprachstrukturen für sie entwickeln ("dazzz izzzt aberrr zzzehrrr zzzöön" sagte die Ratonga).

Nicht umsonst gab es vor einer Zeit in Personlrekrutierungsdiskussionen die Anregung, Assessments durch ingame-Leaderships zu ersetzen. Wer in der Lage ist, 30 oder 40 Spieler als Gruppe zu führen und Quests auf diesem Wege zu erfüllen, der kann auch eine Projektgruppe zielorientiert führen.

Zusammengefasst: Lernen durch Questen kennen bereits viele, ist motivierend, enthält viele und differenzierte Anforderungen, funktioniert durch empirische Verfeinerung extrem gut, lässt sich auf fast jedes Thema anwenden und verwenden.

Lernen durch Kollaboration

Setze 5 Leute zusammen und gibt ihnen eine Aufgabe und überlasse ihnen die Wahl der Lösungsmöglichkeiten. Kollaboration als Selbstorganisationsprinzip. Fast jede (echte) Firmengründung funktioniert so. Jede Form von Teamwork hat diese Wurzeln. Fast alle Projekte werden so gedacht.

Der Unterschied zu schulischen Projektarbeit ist der Echt-Charakter und der Urknall. Das Ergebnis ist ein Gruppenergebnis, in dem die Arbeit des Einzelnen nicht unbedingt sichtbar ist. Vielleicht gibt es auch kein Ergebnis, vielleicht ist das Scheitern auch eine Ergebnisvariante.

Fast alle pädagogischen Projekte (Summerhill, Makarenko, Montessori, Twind, usw. ) enthalten dieses Lernen durch Kollaboration. Es gibt viele berühmte Filme, in denen eine Gruppe von Menschen etwas erreichen muss und wir Zuschauer sind berührt und fasziniert dadurch, wie die Gruppe es schafft, das Problem/die Situation zu bewältigen.

Lernen durch Kollaboration ist notwendig, vielleicht für die Schulsituation nicht unbedingt immer verwendbar ("wir wollen unsere Zwergschule bzw. Gesamtschule/unser Internat/unseren Lehrer X behalten"). Es spielt aber in der Gestaltung von Lernen eine nicht unwesentliche Rolle: "Die Mitarbeiter der Abteilung Y werden in den nächsten 6 Monaten (um-)geschult, um das neue Qualitätsmanagementsystem unserer Firma mit Leben zu erfüllen. Wir erwarten von ihnen, dass sie unserer Firma dabei helfen, im Wettbewerb wieder die Aufträge zu erhalten, die für das Überleben der Firma notwendig sind".

So - und wir sind nun hier die Lehrer und machen was???

Nochmals danke Mel, dass du mich inspiriert hast, doch einmal darüber nachzudenken und aufzuschreiben, was man eigentlich so macht.

Lernen durch Lehren

Seit ein paar Tagen lese ich Artikel zum Thema "Lernen durch Lehren" - eine Unterrichtsform, die ich bei der flüchtigen Lektüre Jean-Pol Martins Blog entdeckt habe. Jean-Pol ist mir durch seine Tweeds aufgefallen und es haben sich einige interessante Dialoge zwischen uns ergeben.

Ich habe während meiner Schul- und Studienzeit viel durch Lehren gelernt. Somit ist für mich persönlich die Sinnhaftigkeit und Unbestreitbarkeit gegeben. Individuelle Impulse zum "Lernen durch Lehren" habe ich oft durch Lehrer bekommen, wiewohl sie sich dessen als Methode wohl nie bewusst waren. Aus pädagogischer Sicht ist jede Methode, die Schüler/Studenten usw. in institutionellen Organisationen (Schulen usw.) zur aktiven Aneignung treibt, eine gute Methode - egal wie sie nun aufgesetzt wird.

Als Grenzperspektive wäre jede Art des Lernens, welches ohne Plan, Lehrerschaft usw. auskommt und ausschließlich durch den Lerner selbst organisiert und gestaltet wird, gut. Warum? Weil ich in allen fremd-organisierten Prozessen immer sehe, dass sie zuviel Reibungsverluste mit sich bringen bzw. dem Individuum nicht völlig gerecht werden. (Was mir auch jeder sofort einräumen würde, dass ein total individualisiertes Lernen nicht machbar ist und auch nicht gewünscht wäre - schon aus Gründen des Systemerhalts. Gäbe es das nämlich, würden die jetzigen Bildungseliten wohl nicht mehr so gut abschneiden.)

Warum gibt es organisiertes, planvolles Lernen durch Schule, Lehrer usw. ? Weil es zum Zeitpunkt der Einführung des Schulsystems, keine vorhandene Informationsinfrastruktur gab und der Lehrer vornehmlich die Rolle des Informationsmediums übernahm. Was heutzutage überflüssig wäre. Daneben sorgte der Lehrer für die äußere Form des Erziehungsprozesses (Repräsentant der Institution Schule, Gesellschaft und Herrschaft): Was das Elternhaus als Erziehungsinstitut nicht (mehr) wahrnahm, übernahm der Lehrer als Vorbildfunktion inklusive Prügelstrafen. Ob das heutzutage noch oder wieder notwendig ist, kann man diskutieren. Lernen durch Lehren benutzt auch das soziale Lernen durch Vorbilder (Nachahmung). Institutionelles Lernen durch Lehrer hat auch eine gesellschaftskonstitutionierende Funktion: Herrschaft durch Prüfungen, Einräumung gleicher Bildungschancen per System, Professionalisierung als Hintertürchen, um sich aus inhaltlicher Verantwortung zu stehlen usw. Wie wäre es denn, wenn der Staat die Aufgabe hätte, jeden Schüler zu einem Abitur zu bringen (ich meine inhaltlich) und solange zu fördern, bis er die Kenntnisse und Fähigkeiten hätte. Sozusagen als Dienstleistung mit Erfolgsgarantie. Wenn der Staat dabei versagt, würde er zur Alimentation gezwungen sein. Hört sich im ersten Moment revolutionär und utopisch an, ist aber gar nicht fern, wenn unsere Gesellschaft nur noch als Wissensgesellschaft überleben könnte. Konsequent zu Ende gedacht, wäre der Lehrer in der Verantwortung, seine Schüler zum Erfolg zu treiben, weil er sonst seinen Job verlieren könnte. Ach man denke an die schöne Parallele zur chineschen Ärzteschaft: Der chinesiche Arzt war verantwortlich für die Gesundheit seines Klientel; wenn jemand krank wurde, war das gleichbedeutend mit dem Versagen des Arztes.

Was ist das Spannende am Lernen durch Lehren? Der Schüler erhält zeitweilig die Lehrerrolle (leider nur zeitweilig) und das Rollenspiel macht natürlich Spaß. Durch die gewollte Übertragung von Lehrverantwortung wird auch eine andere (aufgewertete) Schülerrolle produziert. Schüler fühlen sich ernst genommen und gar nicht mal immer so selbstverständlich: auch wahrgenommen. Wenn die Rahmenbedingungen, eigene Entscheidungen in diesem Prozess auch treffen zu können, möglich sind (und die Schüler sich nicht nur vorgeführt fühlen), dann kann das für Schüler, denen solche Erfahrungen in ihrem Schüleralltag eher selten zu Teil werden, motivieren, sich auch mit Interesse und Engagement einzubringen. Für Schüler, die andere selbstbestimmte Lernsituationen bereits kennen, könnte es eher langweilig sein. Es ist also auch eine Unterrichtsmethode, die sich nicht für jede (Lern-) Situation, jeden Schüler und jede (Lehr-)Organisation eignet.

Zusammengefasst ist als Wirkmechanismus zu erkennen: Die Beachtung des Schüler und Selbstorganisation des Schülers wird ausgebaut durch neue Rahmenbedingungen und er wird dadurch motiviert, sich stärker einzubringen. Ab einem bestimmten Selbstbestimmungswert bzw. Fremdbestimmungswert der Schülererfahrung mit partizipativen Methoden nimmt möglicherweise das Begeisterungsgefühl ab. Nachteil für die der Lehr-Sequenz folgenden Schüler: sie erhalten möglicherweise nicht immer die Qualität, die ein Lehrer vermitteln könnte.

12.12.2008

Foto-Freundin

Twitter-Freundin aus NJ hat ein neues Avatar-Foto. Um es genauer anzuschauen, bin ich auf die Twitter-Home-Page gegangen und sehe per Zufall ihre Flickr-Adresse. Was liegt näher als sie zu besuchen.

Viele Fotos. Spannende Fotos. Ich lerne wieder jemanden von einer ganz anderen Seite kennen. Kann man jemanden überhaupt per Chat & Foto-Blog kennenlernen? Fühlen, was der andere fühlt? Sehen, was der andere sieht? Oder stimmt die manchmal gehörte Bemerkung: "Du kennst mich doch gar nicht" , obwohl man sich eine Zeit lang gelesen hat?

Wieviel und was gehört dazu, jemanden zu kennen? Manchmal sind diese einfachen Fragen schwierig.

Grenzen

Ist euch das auch schon passiert? Ich fühle Grenzen. Wenn ich in einer virtuellen Welt bin - ich spiele Everquest II - und einen Char in einer bestimmten Start-Lokation spiele, entwickle ich Heimatgefühle. Besuche ich die Lokation mit einem 'fremden' Char, dann bin ich dort mit dem Gefühl im Bauch 'zu Besuch' zu sein. Auch wirken manche Zonen heimisch und ich habe Lieblingsplätze, wo ich mich gerne aufhalte.

Von anderen Spielern habe ich schon gehört, dass sie in bestimmte Handwerksräume gehen, auch wenn sie in anderen Stadtteilen wohnen. Schon eigenartig. Obwohl sich die Handwerksräume visuell überhaupt nicht unterscheiden.

Manchmal erlebe ich auch in der realen Welt das Gefühl, in der 'Fremde' zu sein und manchmal sind mir Städte, Viertel, Straßen und auch Landschaften sofort vertraut, auch wenn ich sie das erste Mal durchstreife. Auch wenn ich (Länder-)Grenzen per Auto überschreite, habe ich immer eine Zeit lang das Gefühl, eine Grenze passiert zu haben, selbst wenn diese durch unsere vereintes Deutschland/Europa nicht mehr wirklich sichtbar sind. Das Gefühl dauert manchmal nur ein paar Minuten an, manchmal ist es erst wieder vorbei, wenn ich 'nach Hause' komme.

09.12.2008

Die zehn unantastbaren Rechte des Lesers ...

Wollte gerade schon die Zeitschrift PÄDAGOGIK vom Juni 2007 entsorgen, da blättere ich sie noch einmal zum Abschied durch und finde auf Seite 9 die zehn unanstastbaren Rechte des Lesers. So spannend, dass ich gleich einmal über den Autor dieser google und wikipediae. Fundstellen ohne Ende! Schööön. Aber zunächst einmal die zehn Rechte des Lesers:
  1. Das Recht, nicht zu lesen
  2. Das Recht, Seiten zu überspringen
  3. Das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen
  4. Das Recht, noch einmal zu lesen
  5. Das Recht, irgendwas zu lesen
  6. Das Recht auf Bovarysmus (die buchstäblich übertragbare Krankheit, den Roman als Leben zu sehen
  7. Das Recht, überall zu lesen
  8. Das Recht, herumzuschmöckern
  9. Das Recht, laut zu lesen
  10. Das Recht, zu schweigen
Klar fehlen da noch ganz viele weitere Rechte ... zum Beispiel das Recht, zwei Bücher gleichzeitig zu lesen oder das Recht als Leser dem Autor seine Meinung kundzutun oder das Recht, das Buch zu zerreißen (in allen Bedeutungen des Sinns) oder das Recht, aus dem Buch etwas zu zitieren (auch etwas falsch zu zitieren) oder das Recht, das Buch nicht zu verstehen oder das Recht, das Buch anderen weiter zu verschenken oder das Recht, etwas in das Buch hineinzuschreiben, das wiederum von anderen gelesen werden kann ...
So viele Rechte gibt es, aber es gibt auch Dinge, die man nicht darf, weil einem das Recht dafür fehlt. Zum Beispiel darf man das, was man liest, nicht laut für andere lesen. Laut in der Form, dass man es aufzeichnet, ins Internet stellt usw., so dass ganz viele andere das Gelesene mitbekommen. Das ist ausschließlich das Recht des Urhebers. Auch darf man das Gelesenen nicht aufschreiben oder übersetzen oder wieder als Buch verfassen oder vielleicht ein wenig anders darstellen. Naja wenn man sich geschickt anstellt, dann darf man das doch, aber eben nicht immer und manchmal schon gar nicht, weil die Figuren oder das Konzept oder so etwas als Marke geschützt sind. Oder weil sich andere als Hüter der richtigen Interpretation oder der Jugend oder des Glaubens verstehen ...
Eigentlich darf man als Leser gar nicht wirklich so viel - außer lesen und darüber schweigen. Und manchmal darf man auch etwas nicht lesen, weil es verboten ist. Hmmm, je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr Zweifel kommen einen, ob das mit den Lese-Rechten so einfach ist.
Ach ja, wer war denn nun der Autor dieser Lese-Rechte? Daniel Pennac!

Twitter: a common world chat-channel

Ohne mir was dabei zu denken, hab ich im Blog von Christian gefragt, worin sich seiner Meinung nach Twitter von einem Chat-Channel unterscheidet. Die darauf folgende Diskussion brachte mehr oder weniger zu Tage, dass es sehr unterschiedliche Meinungen dazu gibt.
Die Funktion des Twittern als wechselseitiges Wahrnehmen scheint latent auch bei denen wirksam zu sein, die sich durch Tweeds lediglich in Pose (und ihren Blog und sonstige Web gestützte Beiträge) werfen. Der Unterschied der Wahrnehmung liegt wohl eher darin begründet, wie viel Zuspruch sie sich durch andere Kommunikationsmittel verschaffen können.
Und ich bleibe dabei. Für jene, die wenig befriedigenden Sozialkontakt haben und sich durch die Faszination der Web-Kommunikation (schnell, zum Teil unverbindlicher, 24-Stunden-Präsenz usw.) endlich mitteilen können, übernimmt Twitter vorwiegend die Funktion des World-Channels eines Chats: Ich bin, also twittere ich, also kann mich jemand wahrnehmen.
Twitter ermöglicht aber auch alle anderen Funktionen eines Chats: Gruppenbildung (durch Follower und Following), den öffentlichen Dialog und den direkten Dialog. Es gelten auch die gleichen Kommunikationsregeln: Wer nicht zu mir gehört (oder zuhört), den kann ich ausschließen. Wer mir nicht antwortet, den ignoriere ich (Ignore-List).
Ich glaube auch, dass emotionalen Tiefschläge möglich sind. Wer mit Twitter nicht zurecht kommt, greift auch sofort zum Gegenangriff per Skeptizismus: "Hab ich ja gleich gewusst, dass Twitter nicht wirklich was für mich ist ..."

07.07.2007

Once upon a time ...

Viele Monde ist es her, dass Itari erschaffen wurde. Er (!) war ein kleiner Feerich in Keletin und entstand zu einer turbulenten Zeit mitten im Jahr 2006 im Online-Game Everquest II. Zuerst eroberte er die nahe Welt allein. Wiewohl er in einer mächtigen Gilde war, fand er wenig Interessenten an Abenteuern im Feenland. Über Umwege lernte er eine hübsche Fee kennen und sie gründeten einen gemeinsamen Hausstand in einer großen Baumwohnung. Leider ließen die Umstände im Realleben nicht zu, dass es ein wirklich schönes und langes Spiel wurde. Und auch später hatte er wenig Glück und so verließ er die Welt voller Kummer und Gram.

In derselben Zeit entstand ein anderer Charakter, eine dunkle Hexe, die sehr viele Freunde gewann und eine ganz andere Richtung im Rollenspiel einschlug. Ihre Art und Spielweise hat mich immer sehr verblüfft, weil sie (!) völlig unbefangen den Zugang zu Seelen fand, die anderen Chars verschlossen blieb. Fasziniert habe ich das auch auf andere Gegebenheiten in anderen Welten übertragen und die Spielweise lieben gelernt. Leider erwies sich der Name meiner Hexe nicht als unverfänglich genug, so habe ich ihr an anderen Stellen den Namen Itari gegeben.

Itari ist ein Avatar. Avatare haben keine wirkliche Vergangenheit, aber Itari bildet sich eine ein. Sie ist aus Berufung Hexe (witch) und entspringt einer eigenartigen Verbindung zwischen einem mittelgroßen Dunkelelfen und einer Vampiress mit kleinen Flügeln und spitzen Zähnen. This is a reminisence to my first great love ingame. Das süße Avatarbildchen hat auch ein wenig zur Personality beigetragen. Ein inspirativer Dank des Vampire Kiss gilt Victoria.

Itari kennt sich mit Menschen und ihren Gefühlen und Beziehungen ein wenig aus, da sie (!) oft um Rat zu diesen Dingen gefragt wird. Manchmal kann sie auch zu Dingen aus der zweiten, virtuellen Welt Auskunft geben, weil sie ein Geschöpf dieser Welt ist. Viele habe sich daher an sie schon gewandt und es werden täglich mehr.
 
(c) 2008 by 至 Itari